Articles tagged with: Arbeitsmarkt

22 Mai 2026

Neue Generationen, neue Spielregeln

Posted in Mind

Healthy Workplace

Neue Generationen, neue Spielregeln

Der Arbeitsmarkt hat neue Spielregeln. Bis 2030 wird ein Drittel der globalen Arbeitskräfte zur Gen Z gehören. Eine Generation, die mit klaren Erwartungen in den Arbeitsmarkt einsteigt. Gleichzeitig ist das Umfeld, das sie erwartet, alles andere als einfach: hohes Tempo, permanente Veränderungen und ein ständig wachsender wirtschaftlicher Druck. Wie können Unternehmen – und vor allem HR – dem begegnen?

Immer lauter wird der Vorwurf, jüngere Generationen seien zu sensibel, zu anspruchsvoll, zu wenig belastbar. Diese Darstellung greift jedoch zu kurz. Denn die Gen Z steigt tatsächlich in einen Arbeitsmarkt ein, der ungemein schnelllebig ist – hat aber gleichzeitig höhere Ansprüche an Arbeitgeber als die Generationen davor. Für Unternehmen, die ohnehin unter wirtschaftlichem Druck stehen, wird das zur echten Herausforderung.

Ist die Gen Z wirklich weniger resilient?

Zunächst eine kurze Einordnung: Als Gen Z gelten alle, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden – also Menschen, die relativ neu im Arbeitsmarkt eingestiegen sind oder das in den nächsten Jahren tun werden.

Ein Blick in aktuelle Zahlen zeigt, dass diese Generation stärker belastet zu sein scheint als die Generationen davor: McKinsey untersuchte 2022 anhand US-Umfragen, wie häufig Gen Z psychische Erkrankungen aufweist im Vergleich zu anderen Generationen, aber seltener Hilfe sucht. 25 Prozent der Gen Z berichteten von psychischen Belastungen – fast doppelt bis dreimal so viel wie bei Millennials oder Gen X, wo der Wert bei 13 Prozent liegt.

Bedeutet das automatisch, dass diese Generation weniger resilient ist? Nicht unbedingt. Eventuell sind sie einfach stärker belastet: Ja, die geopolitische und wirtschaftliche Lage betrifft uns alle. Doch die jüngere Generation steht oft noch ganz am Anfang ihrer Karriere – ohne das Sicherheitsnetz aus Erfahrung, Netzwerk und finanzieller Stabilität. Außerdem ist die Gen Z tatsächlich die erste Generation, die vollständig mit Social Media und all den bekannten Folgen für Selbstbild und mentale Gesundheit aufgewachsen ist. Jüngere reden darüber hinaus auch offener über psychische Belastungen; das Stigma schwindet, was die gemessenen Zahlen automatisch erhöht.

Was die Gen Z belastet: Zwischen Helikopter-Eltern und hartem Arbeitsmarkt

Ein weiterer Teil der Erklärung liegt möglicherweise weiter zurück: Jonathan Haidt beschreibt in seinem Buch The Anxious Generation eine Generation, die behüteter aufgewachsen ist als jede zuvor. Eltern minimieren Risiken, federn Konflikte ab und wollen das Scheitern ihrer Kinder verhindern – mit guten Intentionen, aber unbeabsichtigten Folgen.

Viele junge Menschen betreten das Arbeitsleben also ohne die Erfahrung, eine echte Krise bewältigt zu haben. Und treffen dabei auf einen Arbeitsmarkt, der gerade alles andere als gnädig ist: wirtschaftlicher Druck, Unsicherheit, hohe Erwartungen auf beiden Seiten.

Das Gute daran ist, dass Resilienz kein Persönlichkeitsmerkmal ist, das man mitbringt oder eben nicht. Sie ist eine Kompetenz und lässt sich auch noch im Erwachsenenalter gezielt entwickeln. Genau darin liegt die Chance für Unternehmen.

Was erwartet eine jüngere Generation?

Wer sich als Millennial auf Social-Media-Plattformen rumtreibt, kennt auch unweigerlich die Parodien auf die vermeintlich unrealistischen Erwartungen der Gen Z an ihre Arbeitgeber. Doch was erwarten sie tatsächlich?

  • Sicherheit (und Geld): Es mag überraschen, aber laut einer Zenjob-Umfrage aus dem Jahr 2024 stehen bei der Gen Z – wie auch bei den Generationen vor ihr – an erster Stelle ein attraktives Gehalt und Jobsicherheit. Trotz des Wunsches nach Flexibilität legt die Generation Z großen Wert auf Stabilität.
  • Sinnhaftigkeit: Laut dem ManpowerGroup-Report „Generation ‚Potenzial‘? Warum die Zukunft der Generation Z in den Händen der Arbeitgeber liegt von 2025 ist für 86 Prozent der Gen Z eine sinnstiftende Aufgabe entscheidend für Arbeitszufriedenheit und ihr Wohlbefinden.
  • Flexibilität und Work-Life-Balance: Für die Gen Z ist Flexibilität eine Grundvoraussetzung. Diskutiert werden Modelle wie die Viertagewoche, Job-Sharing und Gleitzeitmodelle, die mehr Autonomie ermöglichen.
  • Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz: Mehr als die Hälfte der Befragten der Zenjob-Umfrage kümmert sich aktiv um ihr Wohlbefinden. Sie Gen Z erwartet, dass Arbeitgeber dies nicht nur verstehen, sondern aktiv unterstützen, etwa durch spezielle Programme oder eine offene Unternehmenskultur.

Mehr Belastung, mehr Ansprüche – wie passt das zusammen?

Bis 2030 wird laut Manpower Group ein Drittel der globalen Arbeitskräfte zur Gen Z gehören. Gleichzeitig bezeichnen laut DIHK-Konjunkturumfrage vom Jahresbeginn 2026 nur ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Unterschiedliche Erwartungen, Arbeitsweisen und Wertvorstellungen prallen aufeinander – in Unternehmen, die ohnehin schon an ihre Grenzen stoßen. Genau hier entstehen die Reibungspunkte, mit denen HR heute konfrontiert ist.

Im Alltag zeigen sich die Spannungen meist an drei konkreten Stellen:

  • Unklare Erwartungen auf beiden Seiten: Was genau erwartet das Unternehmen – und was erwartet die neue Generation? Die Folge ist absehbar: Enttäuschung, Reibung, gegenseitiges Unverständnis.
  • Unterschiedliche Arbeitsweisen: Verschiedene Generationen haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie gute Arbeit aussieht. Ohne gemeinsame Standards führt das schnell zu gegenseitiger Abwertung statt produktiver Zusammenarbeit.
  • Überforderung ohne Ventil: Wenn die Belastung steigt – auch durch diese Generationskonflikte – aber kein Frühwarnsystem und keine passende Unterstützung vorhanden sind, kommt es am Ende zu Konflikten, Resignation oder Ausfällen. Und das betrifft nicht nur jüngere Mitarbeitende, sondern in der Folge oft auch Führungskräfte und HR selbst.

Was kann HR tun?

Egal, welche Meinung man zur Gen Z, ihren Erwartungen und ihrer Belastbarkeit hat: Fakt ist, die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag so gestalten werden sollte, dass Unternehmen handlungs- und leistungsfähig bleiben. HR kann hier einiges beeinflussen, damit es am Ende nicht „Ok, Boomer“, sondern „Ok, Team“ heißt. Vier Hebel sind dabei besonders wirksam:

1. Klarheit schaffen

Erwartungen müssen explizit gemacht werden – auf beiden Seiten. HR-Teams und Führungskräfte sollten Rolle und Aufgaben bereits im Onboarding klar abstecken und in regelmäßigen Feedbackgesprächen über die Erwartungen der Mitarbeitenden sprechen. So wird vermieden, dass auf Basis von Annahmen gearbeitet wird.

2. Eine generationenübergreifende Kultur aufbauen

Dass verschiedene Generationen unterschiedlich arbeiten, kann auch als Chance gesehen werden: Ältere Mitarbeitende könnten von Gen-Z-Kolleginnen und -kollegen lernen, Grenzen zu setzen – während jüngere vom Erfahrungsschatz ihrer Kolleginnen und Kollegen profitieren. Cross-Generational-Teams, Mentoring-Programme und strukturierter Wissenstransfer sichern nicht nur Know-how, sondern fördern gegenseitiges Verständnis und Zusammenhalt. Es lohnt sich auch, Gen Z aktiv in Kulturinitiativen, Werteprozesse oder Gremien wie Kultur-Komitees und Diversity-Boards einzubeziehen.

3. Flexibilität anbieten

Für die Gen Z ist Flexibilität eine Grunderwartung. HR-Verantwortliche können zum Beispiel Homeoffice-Tage und Gleitzeitregelungen anstoßen. Generell sollte den Mitarbeitenden das Vertrauen entgegengebracht werden, die eigene Arbeit eigenverantwortlich zu organisieren. Unternehmen, die hier starr bleiben, werden es zunehmend schwerer haben – nicht nur Talente zu finden, sondern sie auch zu halten.

4. Unterstützungsangebote einführen

Externe Ansprechpersonen, digitale Tools und 1:1-Unterstützung helfen Mitarbeitenden, Resilienz aufzubauen und sie unterstützen vor allem Einsteigerinnen und Einsteiger dabei, die aktuell angespannte Lage in vielen Unternehmen zu navigieren. Das hilft nicht nur, Ausfälle zu verhindern, sondern stärkt Mitarbeitende von Anfang an und trägt dazu bei, leistungsfähige Teams nachhaltig aufzubauen.

Fazit: Neue Spielregeln, neue Chancen

Die Gen-Z-Debatte wird oft als Generationenkonflikt geframt – als ob es darum ginge, wer Recht hat und wer sich anpassen muss. Das greift zu kurz. Denn was diese Generation sichtbar macht, ist, dass die alten Spielregeln vielleicht einfach nicht mehr funktionieren. Sie zeigen Bruchstellen, die es in vielen Organisationen schon länger gibt: fehlende Klarheit, mangelnde Unterstützung, Strukturen, die für eine andere Zeit gebaut wurden.

Eines ist klar: Die Gen Z ist nicht faul oder wenig leistungswillig. Gen Z-Mitarbeitende haben aber tatsächlich andere Erwartungen an ihren Arbeitgeber und an die Zusammenarbeit, wie sich im Alltag beobachten lässt. Was es braucht, sind Unternehmen, die das ernst nehmen und die Spielregeln ändern. Sie gewinnen dadurch nicht nur den Zugang zu einer wachsenden

Generation von Arbeitskräften, sondern bauen auch Strukturen auf, die stabiler, resilienter und letztlich leistungsfähiger sind. Für alle Generationen.

Über den Autor

Jonas Keil ist Co-CEO und Co-Founder vom HR-Tech-Unternehmen Nilo Health, einem Anbieter zur Förderung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz. Keil ist zudem als Speaker für Organisationsentwicklung, nachhaltige Unternehmenskultur und gesunde Führung tätig. In seiner Kolumne "Healthy Workplace" schreibt er darüber, wie mentale Gesundheit, Performance und eine nachhaltige Unternehmens- und Führungskultur zusammenhängen.

Quelle: humanressourcesmanager.de 

30 April 2026

Gen Z definiert Karriere neu

Posted in Trends

Gen Z definiert Karriere neu

Junge Talente legen mehr Wert auf Sinn, Lernmöglichkeiten und Unternehmenskultur als auf Titel. Eine Umfrage belegt: Wer Gen Z für sich gewinnen will, muss Karriere neu gestalten.

Für die Gen Z bedeutet Karriere nicht automatisch Führung oder Titel. Laut einer aktuellen Umfrage der Campus-App UniNow sieht nur jede:r vierte Befragte Karriere als klassischen Aufstieg in der Hierarchie. Stattdessen rücken sinnvolle Aufgaben, persönliche Entwicklung und ein faires Gehalt in den Fokus. Unternehmen müssen umdenken, wenn sie Nachwuchskräfte gewinnen wollen.

Karriere bleibt wichtig – aber anders definiert

Das Klischee, junge Menschen strebten keine Karriere mehr an, greift zu kurz. Die Ergebnisse zeigen einen Wertewandel: Karriere bleibt bedeutsam, doch die Maßstäbe ändern sich. Während frühere Generationen Erfolg oft über Titel, Status und Führungsverantwortung definierten, bewertet die Gen Z ihre Laufbahn stärker nach der Qualität des Arbeitsalltags.

„Die Gen Z lehnt Karriere nicht ab, sie denkt sie neu“, sagt Dr. Wolfgang Achilles, Geschäftsführer der Jobbörse Jobware. „Titel allein motivieren nicht mehr. Entscheidend ist, ob Arbeit Sinn stiftet und Entwicklung ermöglicht. Unternehmen müssen darauf reagieren, wenn sie langfristig attraktiv bleiben wollen.“

Erfüllung vor Eckbüro: Drei Faktoren zählen

Ob junge Beschäftigte ihre Laufbahn als erfolgreich empfinden, hängt laut Umfrage vor allem von drei Faktoren ab:

– Unternehmenskultur: Ein klarer Purpose, erlebte Wertschätzung und konstruktive Zusammenarbeit im Team wiegen mehr als formale Hierarchien.

– Arbeitsinhalte: Abwechslungsreiche Aufgaben, Gestaltungsspielräume und die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen, stärken die Identifikation mit dem Job.

– Weiterentwicklung: Transparente Entwicklungspfade, fachliche Spezialisierung und kontinuierliche Lernmöglichkeiten schaffen Perspektiven – auch ohne Führungsverantwortung.

Die Ergebnisse zeigen: Motivation entsteht weniger durch Titel als durch die Bedingungen im Arbeitsalltag.

Konsequenzen für das Recruiting

Nur jede:r Zehnte kann sich eine Selbständigkeit vorstellen. Die Mehrheit bevorzugt weiterhin eine Anstellung in etablierten Unternehmen, wünscht sich dort aber Freiräume, Mitgestaltung und persönliche Entwicklung. Sicherheit und Sinn schließen sich für die Gen Z offenbar nicht aus.

Wenn sich das Verständnis von Karriere wandelt, müssen Unternehmen ihre Angebote anpassen. Entwicklung muss nicht zwangsläufig Führung bedeuten. Wer jungen Talenten Gestaltungsspielraum, Lernchancen und klare Perspektiven bietet, verschafft sich einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um Nachwuchskräfte. Unternehmen, die weiterhin nur auf Hierarchien und Titel setzen, riskieren, an Attraktivität zu verlieren.

Quelle: wirsindderwandel.de

13 März 2026

Sicherheit schlägt Karriere: Warum Beschäftigt bleiben

Posted in Trends

Job&Karriere

Sicherheit schlägt Karriere: Warum Beschäftigt bleiben

Die Wechselwilligkeitsstudie 2026 zeigt: Viele Beschäftigte denken ans Gehen, bleiben aber. Sicherheit zählt mehr als Aufstieg – und verändert den Wettbewerb um Talente grundlegend.

Der deutsche Arbeitsmarkt galt lange als Ort der Chancen. Fachkräftemangel, digitale Transformation, neue Arbeitsmodelle: Wer wollte, konnte gehen. Doch die „Wechselwilligkeitsstudie 2026“ von XING und forsa zeigt ein anderes Bild. Die Beschäftigten sind zufrieden, aber nicht wagemutig. Sie bleiben – nicht aus Leidenschaft, sondern aus Berechnung.

Zufrieden, aber ohne Feuer 

84 Prozent der Befragten sind mit ihrem Job zufrieden, doch nur 35 Prozent „sehr“. Die Mehrheit verharrt in einer Zone funktionaler Zufriedenheit. 16 Prozent sind unzufrieden. Das Arbeitsklima wirkt nüchtern: Der Job erfüllt seinen Zweck, mehr nicht.

Die Wechselbereitschaft liegt 2026 bei 34 Prozent – der zweitniedrigste Wert der Langzeitstudie. Nur acht Prozent planen konkret einen Wechsel, 26 Prozent sind offen dafür. 64 Prozent wollen bleiben. Der Arbeitsmarkt scheint stabil, doch Stabilität bedeutet nicht Bindung. Die Generationen ticken unterschiedlich: Bei den 18- bis 29-Jährigen sind 46 Prozent wechselbereit, fast jede oder jeder Zweite. Gleichzeitig glauben 63 Prozent der Beschäftigten, innerhalb von sechs Monaten einen neuen Job zu finden. Chancen gibt es also genug. Der Wechsel scheitert nicht an Möglichkeiten, sondern an Prioritäten.

Sicherheit wird zum Karriereziel

Die Studie zeigt: Sicherheit verdrängt Aufstieg als Leitmotiv. In einer Paarfrage entscheiden sich 58 Prozent  für einen sicheren, aber langweiligen Job, nur 41 Prozent wählen das Risiko eines spannenderen, aber unsicheren Arbeitsplatzes.

Die Gründe fürs Bleiben sind klar:
– Jobsicherheit: 64 Prozent
– interessante Aufgaben: 62 Prozent
– Gehalt: 57 Prozent
– kollegialer Zusammenhalt: 57 Prozent

Der soziale Faktor verliert an Bedeutung. Der Zusammenhalt sinkt im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Die Botschaft: Emotionale Bindung weicht rationaler Absicherung.

Gehalt als Wechselanreiz – aber nicht alles

Auch beim Wechsel dominiert Kalkül. Wichtigster Grund bleibt das Gehalt mit 41 Prozent, Tendenz steigend. Doch Geld allein reicht nicht. 54 Prozent würden sich trotz höherer Bezahlung nicht bewerben, wenn der Vertrag befristet ist. 42 Prozent schreckt ein ungünstiger Standort ab, 40 Prozent eine schlechte Führungskultur.

Selbst im direkten Vergleich verliert Geld oft:
– 61 Prozent wählen Jobsicherheit statt höherem Gehalt.
– 58 Prozent bevorzugen Work-Life-Balance gegenüber mehr Geld.

Gehalt bleibt der stärkste Wechselimpuls – aber nicht das entscheidende Kriterium.

KI: leises Hintergrundrauschen

Die Studie zeigt ein Paradox: Künstliche Intelligenz prägt die Debatte, nicht aber das Verhalten. 64 Prozent sehen darin keine Gefahr für ihren Arbeitsplatz, 12 Prozent haben sich damit noch nicht beschäftigt. Nur 13 Prozent denken über einen Branchenwechsel wegen KI nach, und nur wenige handeln.

Die Generation Z zeigt die größte Unsicherheit: Nur 58 Prozent sehen dort keine Gefahr durch KI. Technologie wirkt eher als diffuser Stressfaktor denn als konkreter Wechselgrund.

Was Beschäftigte wirklich wollen

Die Studie zeigt klar, was Beschäftigte von einem neuen Arbeitgeber erwarten. An erster Stelle steht ein sicherer Job (70 Prozent). Danach folgen:
– höheres Gehalt: 63 Prozent
– gutes Führungsverhalten: 62 Prozent
– flexible Arbeitszeiten: 58 Prozent
– sinnstiftende Tätigkeit: 57 Prozent

Nachhaltigkeit, Diversität oder Image landen mit 18 bis 23 Prozent am Ende der Liste. Der Alltag zählt mehr als das Leitbild.

38 Prozent der Beschäftigten planen, bis zur Rente beim aktuellen Arbeitgeber zu bleiben. Nur 19 Prozent sehen ihre Zukunft dort maximal zwei Jahre. Das zeigt weniger Loyalität als Risikoaversion.

Stabilität als Stagnation

Die Studie sendet ein klares Signal: Der deutsche Arbeitsmarkt erlebt keinen Aufbruch, sondern defensive Entscheidungen. Beschäftigte bleiben nicht aus Überzeugung, sondern aus Vorsicht.

Das zeigt sich in Widersprüchen:
– Hohe Zufriedenheit, aber wenig Begeisterung.
– Viele Jobchancen, aber sinkende Wechselbereitschaft.
– Gehalt als Wechselgrund, aber Sicherheit als Priorität.

Der Arbeitsmarkt erstarrt nicht, wird aber vorsichtiger. Beschäftigte handeln wie Investoren in Krisenzeiten: Sie halten ihre Position, statt neu zu investieren.

Der neue Deal: Vertrauen statt Gehalt

Die Wechselwilligkeitsstudie 2026 beschreibt keinen Kampf um Talente, sondern einen Wettbewerb um Vertrauen. Wer Sicherheit, verlässliche Führung und klare Perspektiven bietet, gewinnt. Wer nur mit Gehalt oder Image lockt, verliert.

Der Wendepunkt liegt nicht im Arbeitsmarkt, sondern im Denken der Beschäftigten: Karriere bedeutet nicht mehr Aufstieg oder Wechsel, sondern Stabilität. Unternehmen, die das verstehen, schaffen Bindung neu.

Über die Autorin

Die Chefredakteurin Sabine Hockling hat WIR SIND DER WANDEL ins Leben gerufen. Die Wirtschaftsjournalistin und SPIEGEL-Bestsellerautorin beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit den Veränderungen unserer Arbeitswelt. Als Autorin, Herausgeberin und Ghostwriterin veröffentlicht sie regelmäßig Sachbücher – seit 2023 in dem von ihr gegründeten DIE RATGEBER VERLAG.

Quelle: wirsindderwandel.de