06 Februar 2026
Führungskräfte in Trennungssituationen: Wie Sie Ihre Abfindung klug verhandeln

Führungskräfte in Trennungssituationen stehen unter hohem Druck – besonders, wenn es darum geht, die Abfindung klug zu verhandeln. Wer typische Fehler vermeidet, psychologische Taktiken erkennt und strategisch vorgeht, sichert nicht nur faire Konditionen, sondern legt den Grundstein für einen erfolgreichen Neustart. Ein Leitfaden von Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht, für souveränes Handeln und starke Verhandlungen.
Wenn Führungskräfte plötzlich mit einer Trennungssituation konfrontiert sind, erleben sie dies häufig als persönliche Niederlage. Doch genau hier entscheidet sich, ob daraus ein dauerhafter Bruch oder der Ausgangspunkt eines erfolgreichen Neuanfangs wird. In meiner Kanzlei erlebe ich immer wieder, dass in solch heikler Situation Fehler gemacht werden, die durch eine kluge Strategie verhindert werden können. In meinem neuen Buch „Vom Karriereknick zum Comeback“ zeige ich, warum gerade in diesen Momenten die richtige Haltung und Strategie entscheidend sind.
Die häufigsten Irrtümer in Trennungssituationen
Viele Führungskräfte machen in der ersten Schockphase typische Fehler, die ihre Verhandlungsposition erheblich schwächen:
- Vorschnelles Einlenken: Aus Loyalität oder Erschöpfung akzeptieren selbst erfahrene Manager zu schnell einen vorbereiteten Aufhebungsvertrag – und verschenken so wertvolle Chancen.
- Emotionale Reaktionen: Ärger oder Enttäuschung führen zu unüberlegten Aussagen, die das Unternehmen gegen sie nutzen kann.
- Falscher Stolz: Das grundsätzliche Ablehnen von Gesprächen schneidet mögliche Verhandlungsspielräume ab.
Ein weit verbreiteter Irrtum: Wer sofort Widerstand leistet, zeigt Stärke. In Wahrheit ist es oft taktisch klüger, zunächst professionell und gelassen zu bleiben. Wer zu früh die Karten auf den Tisch legt, verrät seine wahren Interessen und schwächt die eigene Position.
Diese Reaktionsmuster sind verständlich, aber sie kosten häufig fünf- bis sechsstellige Beträge bei der Abfindung und erschweren einen sauberen Neustart.
Als anschauliches Beispiel: Ein Bereichsleiter erhielt ein überraschendes Trennungsgespräch mit der Andeutung „Wir würden das gern schnell und einvernehmlich regeln“. Statt empört zu widersprechen, hörte er zu, stellte wenige, sachliche Fragen und bat um Bedenkzeit. Dieses Vorgehen verschaffte ihm die nötige Zeit, um rechtliche Beratung einzuholen – und am Ende eine deutlich bessere Abfindung und ein wohlwollendes Zeugnis zu sichern.
Unser erstes Empfehlungsmuster in solchen Situationen ist daher:
- Ruhig bleiben, keine spontanen Zusagen machen.
- Schriftliche Unterlagen nie sofort unterzeichnen.
- Zeit gewinnen, um die eigene Strategie zu entwickeln.
Psychologischer Druck – und warum Widerstand lohnt
Unternehmen setzen in Trennungsgesprächen gern subtilen Druck ein, Sätze wie: „Das Angebot gilt nur heute“, „Bei Kündigung fällt die Abfindung geringer aus“, „Sie wissen ja, dass wir über Ihre Leistung nicht glücklich waren“ fallen regelmäßig.
Viele Führungskräfte unterschätzen, dass dieser Druck Teil einer Taktik ist. Wer dem standhält, steigert seine Chancen enorm. Denn Unternehmen wollen Konflikte vermeiden, Imageschäden verhindern und den Betriebsfrieden sichern – Faktoren, die in Verhandlungen bares Geld wert sind.
In der Praxis kann das wie folgt aussehen: Ein Manager ließ sich nicht von der Drohung beeindrucken, eine fristlose Kündigung sei „unvermeidlich“. Stattdessen wies er sachlich auf seine Erfolge hin, signalisierte Gesprächsbereitschaft, bestand aber auf fairen Konditionen. Ergebnis: eine Abfindung, die sich im Vergleich zum ersten Angebot mehr als verdoppelte.
Checkliste für den Umgang mit Druck:
- Erkennen:
Ist das wirklich eine rechtliche Tatsache – oder nur eine Drohkulisse? - Gegenhalten:
Mit sachlicher Ruhe statt emotionaler Verteidigung. - Verhandeln:
Den eigenen Wert betonen (Projekte, Netzwerke, Know-how). - Durchhalten:
Das Unternehmen hat auch etwas zu verlieren.
Das richtige Mindset: Vom Karriereknick zum Comeback
Trennungssituationen sind nicht nur juristische Verhandlungen, sondern auch emotionale Ausnahmesituationen. Entscheidend ist die innere Haltung:
- Gelassenheit trainieren:
Wer Druck nicht persönlich nimmt, bleibt souverän und schützt seine Verhandlungsmacht. - Neugier statt Angst:
Ein Umbruch in der Karriere zwingt zum Perspektivwechsel – viele entdecken dabei neue Branchen oder Positionen. - Selbstwert bewahren:
Die Trennung sagt mehr über die Strategie des Unternehmens als über die Kompetenz der Führungskraft.
Aus meiner Erfahrung kann ich versichern: Führungskräfte, die diese Haltung verinnerlichen, verhandeln nicht nur bessere Konditionen, sondern starten auch schneller erfolgreich in die nächste berufliche Phase.
Karrierebrüche sind kein Makel, sondern können der Ausgangspunkt für neue Stärke sein. Wer typische Fehler vermeidet, psychologische Spiele erkennt und mit der richtigen Haltung handelt, macht aus einer vermeintlichen Niederlage eine echte Chance.
Die ersten 48 Stunden: Ein Handlungsfahrplan
Die Zeit direkt nach einem überraschenden Trennungsgespräch ist entscheidend. Wer hier besonnen handelt, legt den Grundstein für eine erfolgreiche Verhandlung. Unter anderem folgende Schritte leite ich in meinem Buch an. Denn diese haben sich in der Praxis bewährt:
- Emotionen sortieren:
Suchen Sie zunächst einen privaten Raum, um die ersten Reaktionen zu verarbeiten. Wer sofort reagiert, sagt oft Dinge, die später schwer zu korrigieren sind. - Gespräch dokumentieren:
Notieren Sie Datum, Beteiligte und Kernaussagen des Gesprächs. Diese Aufzeichnungen können in späteren Verhandlungen oder Verfahren entscheidend sein. - Rechtsrat einholen:
Schon eine kurze telefonische Rücksprache mit einem spezialisierten Anwalt kann verhindern, dass wertvolle Optionen verloren gehen. - Netzwerk aktivieren:
Sprechen Sie mit vertrauten Weggefährten über die Situation. Oft ergeben sich unerwartete Hinweise auf neue berufliche Chancen. - Ruhe bewahren:
Kündigen Sie keine eigenen Schritte vorschnell an. Die Zeit spielt häufig auf Ihrer Seite, weil Unternehmen schnelle Lösungen bevorzugen.
Wer daneben die typischen Taktiken von Unternehmen kennt, kann typische Fallen umgehen:
- „Die Kollegen wissen schon Bescheid“: Oft wird suggeriert, dass eine Rückkehr an den Arbeitsplatz unmöglich sei. Tatsächlich hat der Arbeitnehmer aber bis zum Vertragsende Anspruch auf Beschäftigung und Bezahlung.
- „Bei Kündigung verlieren Sie alles“: Eine unzulässige Einschüchterung. Selbst wenn es keinen generellen Abfindungsanspruch gibt, bestehen meist erhebliche Verhandlungschancen, insbesondere wenn Fehler im Verfahren vorliegen.
- „Es gibt keine Alternative“: In Wahrheit haben Unternehmen fast immer ein starkes Interesse, eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. Schon aus Reputations- und Kostengründen.
Neben juristischen Schritten zählt die Fähigkeit, eine Krise auch mental als Gestaltungsraum zu sehen. Führungskräfte, die Resilienz entwickeln, gehen nicht in die Defensive, sondern suchen aktiv nach Chancen:
- Reframing:
Betrachten Sie die Situation als Übergangsphase statt als Ende. Dieser Perspektivwechsel reduziert Stress und öffnet den Blick für Alternativen. - Storytelling:
Entwickeln Sie Ihre eigene positive Erzählung für den Lebenslauf. Nicht die Trennung steht im Vordergrund, sondern die daraus gewonnenen Erfahrungen. - Zukunftsarbeit:
Planen Sie konkret, welche Kompetenzen Sie im nächsten Schritt einsetzen oder erweitern wollen. Viele entdecken dadurch Möglichkeiten, die sie vorher nie erwogen hätten.
Jährlich sind tausende Führungskräfte in Deutschland von unfreiwilligen Trennungssituationen betroffen. Die durchschnittlichen Abfindungen liegen zwischen sechs und zwölf Monatsgehältern – dabei erreichen gut vorbereitete Verhandlungen regelmäßig das Doppelte. Hinzu kommen oft weitere Vorteile wie zum Beispiel Outplacement-Begleitung, verlängerte Dienstwagenüberlassung, positive Zeugnisgestaltung oder Bonuszahlungen.
Es wurde aus meiner Sicht, auch gemessen an der aktuellen wirtschaftlichen Lage, höchste Zeit, von diesen Wahrheiten und Erfahrungen in einem Buch zu erzählen. In der Essenz bedeutet das: Wer strategisch handelt und sich nicht einschüchtern lässt, kann den wirtschaftlichen Schaden nicht nur abfedern, sondern in vielen Fällen deutlich ins Positive wenden. Entscheidend ist dabei auch, das eigene Mindset zu trainieren, um in den psychisch herausfordernden Trennungsprozessen seine eigene Strategie durchziehen zu können.
Über den Autor
Dr. Christoph Abeln, Fachanwalt für Arbeitsrecht, weckt das Gespür für die Anfänge. In seinem Buch verbindet er Expertenwissen aus 30 Jahren Erfahrung mit Mut machenden Fallbeispielen aus der eigenen Berufspraxis. So beweist er: Mit emotionaler Stärke, Besonnenheit und Strategie lässt sich die Karriere vor dem drohenden Aus bewahren und das Comeback sichern.
Quelle: hrjournal.de
- Tags: Abfindung, Job&Karriere, Kündigung
