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24 April 2026

Interaktive Prompts: Wie KI als Sparringspartner Projekte, Vertrieb und Coaching verändert

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Interaktive Prompts: Wie KI als Sparringspartner Projekte, Vertrieb und Coaching verändert

Mit interaktiven Prompts gelingt der Einstieg in eine neue Arbeitsweise: dialogisch, kreativ und praxisnah.

KI ist mehr als ein Tool. Sie ist Sparringspartner, Perspektivwechsel und Übungsfeld. Interaktive Prompts eröffnen neue Wege im Projektmanagement, Vertrieb, Training und Coaching. Wer sie klug nutzt, denkt weiter. Und handelt präziser.

Die neue Intelligenz am Tisch

Der Projektleiter runzelt die Stirn. Ein Kundenteam hat kurzfristig Anforderungen geändert – schon wieder. Wie soll er das morgen seinem Team erklären? Neben ihm blinkt das Chatfenster auf. „Möchtest du ein Rollenspiel simulieren? Ich kann dir die Reaktion eines verärgerten Teammitglieds vorspielen.“ Der Vorschlag kommt nicht von einem Kollegen, sondern von einer Künstlichen Intelligenz.

Was hier nach Zukunft klingt, ist längst Alltag in Unternehmen, die KI nicht nur als Recherchetool oder Textgenerator nutzen, sondern als Gesprächspartner. Die neue Form heißt interaktiver Prompt: ein strukturierter Dialog mit der KI, der sich wie ein Sparring anfühlt: klug, schnell, auf den Punkt. Wer diese Technik beherrscht, kann nicht nur Zeit sparen. Sondern auch besser entscheiden, sicherer kommunizieren, und kreativer denken.

Interaktive Prompts verändern nicht nur, was wir fragen – sondern wie wir mit Herausforderungen umgehen. Und genau darin liegt ihr Potenzial für moderne Unternehmen.

Was sind interaktive Prompts?

Ein interaktiver Prompt ist kein Befehl. Er ist ein Gesprächsansatz. Statt einer einzelnen Frage, die eine isolierte Antwort erzeugt, tritt man mit der KI in einen strukturierten, oft mehrstufigen Dialog. Es ist ein Denken in Runden, nicht in Schlagwörtern.

Vergleiche es mit einem guten Coachinggespräch: Man formuliert eine Situation, stellt eine erste Frage – und baut dann auf den Antworten auf. Die KI wird zum Denkpartner. Sie testet mit, schlägt Alternativen vor, spiegelt mögliche Wirkungen. Denn wo Komplexität zunimmt, reicht es nicht, schnelle Antworten zu bekommen. Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen. Interaktive Prompts sind das Werkzeug dafür – weil sie Denkprozesse nicht abkürzen, sondern strukturieren.

Vier Einsatzfelder aus der Praxis

a) Projektmanagement:

In Projekten ändern sich Ziele, Zeitpläne, Prioritäten – oft kurzfristig. Was folgt, sind Gespräche, die Fingerspitzengefühl brauchen. Wer ihnen unvorbereitet begegnet, riskiert Missverständnisse, Widerstand oder Demotivation im Team.

Hier kommen interaktive Prompts ins Spiel: Sie ermöglichen Dir, Gespräche vorab zu simulieren – mit realistischen Reaktionen, mit kritischen Rückfragen, mit emotionalen Zwischentönen. Du gibst der KI eine Rolle („Sei ein verunsicherter Projektmitarbeiter“) und spielst mögliche Gesprächsverläufe durch. Die KI antwortet kontextbezogen, fordert Dich heraus, hilft Dir, Deine Wortwahl zu verfeinern.

So wird aus einem Gedankenexperiment ein konkretes Training: für schwierige Botschaften, für Konflikte, für Veränderungen. Das Besondere daran: Du trainierst nicht nur Deine Worte, sondern auch Deine Haltung.

b) Vertrieb:

Im Vertrieb entscheidet oft nicht das Produkt, sondern die Argumentation. Wie gut gelingt es, den Nutzen auf den Punkt zu bringen – passgenau für die jeweilige Zielgruppe? Und wie souverän gehen Vertriebsmitarbeitende mit typischen Einwänden um?

Interaktive Prompts bieten hier eine Art dialogisches Feintuning. Die KI schlüpft in die Rolle eines skeptischen Kunden, stellt kritische Rückfragen, hinterfragt Aussagen – und reagiert dabei auf das konkrete Angebot. Du kannst gezielt üben, wie Du den Nutzen für eine bestimmte Branche, ein Segment oder eine Entscheiderperson formulierst.

Noch spannender: Du kannst mit der KI gemeinsam neue Formulierungen entwickeln. Was klingt glaubwürdig? Was emotional? Was rational überzeugend? Selbst typische Einwände – „Das ist zu teuer“, „Wir haben schon eine Lösung“ – lassen sich gezielt durchspielen.

So wird aus der KI ein virtueller Kunde, der Dich auf das echte Gespräch vorbereitet. Oder ein kreativer Partner, der Dir hilft, neue Wege zu finden, Menschen zu überzeugen – ohne zu überreden.

c) Training:

Trainerinnen und Trainer sind heute Begleiter, Impulsgeber, Übersetzer. Und sie jonglieren mit Inhalten, Erwartungen, Zeitfenstern und Gruppendynamiken. Dabei kann eine generative KI zur wertvollen Assistentin werden – wenn sie richtig angesprochen wird.

Mit interaktiven Prompts lässt sich zum Beispiel ein Training vorbereiten, das auf die Bedürfnisse einer bestimmten Zielgruppe zugeschnitten ist aber auch während oder nach einem Training kann sie zum Einsatz kommen: für alternative Übungen, zur Auswertung von Gruppenfeedback oder zur Erstellung individueller Lernimpulse.

So wird die KI nicht zum Ersatz, sondern zur Ergänzung. Eine motivierte Assistenz, die den Trainer entlastet – und dabei hilft, das Training noch wirksamer zu machen.

d) Coaching:

Coaching lebt von Fragen, von Perspektivwechseln – und von Momenten, in denen etwas plötzlich klar wird. Was wäre, wenn man eine zusätzliche Stimme im Raum hätte? Eine, die keine Meinung hat, aber viele Sichtweisen kennt. Genau das ermöglicht der Einsatz von KI im Coaching – mit interaktiven Prompts.

Ich nenne es „Coaching zu dritt“: Coach, Coachee – und eine KI, die bereit ist, in jede gewünschte Rolle zu schlüpfen. Sie kann den inneren Kritiker verkörpern, einen unentschlossenen Kunden, den Chef mit klarer Meinung oder eine liebevolle Freundin mit Rückfragen. Der Coachee interagiert direkt mit dieser Stimme, erlebt Resonanz, Widerspruch, neue Gedanken.

Das ist keine Spielerei. Es ist ein wirkungsvolles Werkzeug, um die eigene Vorstellungskraft zu aktivieren – und damit auch die emotionale Verarbeitung schwieriger Situationen. Entscheidungen werden greifbarer, Prioritäten klarer, Beweggründe bewusster. Die KI hilft dabei nicht, weil sie die Wahrheit kennt. Sondern weil sie in Rollen denkt, nicht in Urteilen. Und genau das kann im Coaching oft Wunder wirken.

Was das verändert – und was bleibt

Interaktive Prompts verändern unsere Arbeitsweise – nicht, weil sie Prozesse automatisieren, sondern weil sie Denkprozesse verfeinern. Sie machen uns nicht schneller im Sinne von „mehr Output“, sondern präziser, klarer, aufmerksamer im Denken und Handeln.

Wer mit der KI spricht, schärft seinen Blick für Sprache, Struktur und Wirkung. Man lernt, wie wichtig gute Fragen sind – und wie entscheidend es ist, den Kontext mitzuliefern. In diesem Sinne ist die Arbeit mit Prompts auch immer eine Übung in Klarheit.

Gleichzeitig bleibt das Wesentliche menschlich: Intuition, Empathie, Verantwortung. Die KI kann inspirieren, simulieren, strukturieren – doch die Entscheidung liegt bei uns. Es ist unsere Aufgabe, die Möglichkeiten klug zu nutzen. Und die Grenzen bewusst zu setzen.

 

Über den Autor

Gaston Geilenkothen ist Veränderungsberater und Praxisdenker. Seit zwanzig Jahren kombiniert er als Unternehmensberater BWL, Technik und Mensch, um Digitalisierung und KI nachhaltig nutzbar zu machen. Mit seinem breiten Wissen rund um KI hat er in zahlreichen Projekten im Mittelstand und bei Dax-Konzernen eine neue Denkweise vermittelt. Seine Workshops und Vorträge machen den Einsatz von KI greifbar und ermutigen durch einfache Erklärungen, die Potenziale der KI auszuschöpfen.

Quelle: hrweb.at

14 March 2025

Generationenübergreifendes Arbeiten: Wider die große Sprachlosigkeit

Posted in Führung, Leadership

Generationenübergreifendes Arbeiten: Wider die große Sprachlosigkeit

Jung und Alt halten sich gegenseitig für kompetent, trauen sich aber nicht, miteinander darüber zu reden. Grund genug für Führungskräfte, der Sprachlosigkeit entgegenzuwirken, meint Benjamin Notheis, Vice President, Global Talent Development bei SAP. Wie können Unternehmen die Kommunikation zwischen den Generationen fördern?

Die Berufswelt war schon immer ein Ort, an dem Menschen unterschiedlichen Alters zusammenkommen – die „Jungspunde“ gibt es in jedem Unternehmen ebenso wie die „alten Hasen“. Im Zuge des demographischen Wandels dürften die Belegschaften in dieser Hinsicht in Zukunft jedoch noch heterogener werden, denn um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wird es für Unternehmen immer wichtiger, nicht nur junge Talente anzulocken.

Ebenso ist es in vielen Fällen empfehlenswert, möglichst intensiv von erfahrenen Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern und deren Expertise zu profitieren. Mit zunehmender Spannbreite im Alter der Belegschaft wird ein funktionierendes generationenübergreifendes Arbeiten zur Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Geschäftsbetrieb.

Doch das ist mitunter leichter gesagt als getan. Die Vorurteile und Stereotype, die Alt und Jung zuweilen übereinander pflegen, sind nicht nur harmlose Klischees, sondern können ganz konkrete Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben. So führte LinkedIn kürzlich eine Umfrage unter mehr als 2.000 Arbeitnehmerinnen/Arbeitnehmer durch, von denen jeweils die Hälfte zwischen 18 und 26 Jahre alt („Gen Z“) und die andere Hälfte zwischen 26 und 80 Jahre alt war. Beide wurden zu ihrer Sichtweise auf die jeweils andere Altersgruppe befragt. Das Ergebnis zeigt eine erschreckende Sprachlosigkeit zwischen den Generationen. So hatte mehr als jeder zehnte Befragte aus der Gen Z seit über einem Jahr kein direktes Gespräch mit Kollegen geführt, die 50 Jahre oder älter sind.

Interessant wird es, wenn man auf die Gründe für diesen Mangel an Kommunikation schaut. In besagter Umfrage äußerten Vertreterinnen / Vertreter beider Generationen häufig die Ansicht, dass die jeweils andere Generation über mehr Wissen verfüge als sie selbst, sie sich jedoch nicht trauten, sie aktiv darauf anzusprechen – aus Angst, sich zu blamieren, missverstanden zu werden oder einem generellen Unwohlsein dabei, andere um Hilfe zu fragen.

Das Unterlegenheitsgefühl der Älteren gegenüber den Jüngeren ist dabei gar nicht so außergewöhnlich, wie es für manche klingen mag. Durch meine langjährige Tätigkeit in einem Softwareunternehmen weiß ich aus eigener Erfahrung, dass gerade in Branchen mit hohem Innovationstempo häufig den Jüngeren zugeschrieben wird, fachlich mehr up-to-date zu sein als die älteren Jahrgänge.

Dieses Erkenntnis deckt sich mit Forschungen aus den USA bezüglich „Meta-Stereotypen“ zwischen verschiedenen Altersklassen, also der Vorstellung, was andere über uns aufgrund unserer Alterszugehörigkeit denken. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl jüngere als auch ältere Berufstätige glauben, dass die jeweils andere Altersgruppe schlechter über sie denke, als sie es tatsächlich tut.

Sprachlosigkeit überwinden – Alt und Jung können viel voneinander lernen

Es ist schon paradox: Jung und Alt halten sich gegenseitig für kompetent, trauen sich aber nicht, miteinander darüber zu reden. Dementsprechend leiden Informations- und Erfahrungsaustausch und damit die Arbeitskultur und letztlich Produktivität und Innovationskraft. Grund genug für Führungskräfte, der Sprachlosigkeit entgegenzuwirken und die Kommunikation zwischen den Generationen zu fördern – und zwar in beide Richtungen.

Weitergabe von Soft Skills

Weit verbreitet ist das klassische Mentoring: Erfahrene Mitarbeitende teilen ihren Erfahrungsschatz mit den jüngeren Kolleginnen/Kollegen und stehen ihnen mit gutem Rat zur Seite. In vielen Unternehmen ist diese Form des Mentoring seit Langem fest etabliert und häufig mit entsprechenden Mentoring- und Coaching-Programmen institutionalisiert. Jedoch sollten sich solche Programme nicht allein auf die rein fachliche Weitergabe von Wissen beschränken. Ebenso wichtig für eine ausgewogene Arbeitskultur ist die Weitergabe von Soft Skills.

Im intergenerativen Kontext bedeutet dies, dass die Jüngeren von den Älteren, Erfahreneren einiges über Frustrationstoleranz und den gelassenen Umgang mit neuen, ungewohnten und stressigen Situationen lernen können – also dem, was man gemeinhin unter „Resilienz“ zusammenfasst. Dies kann bereits durch das informelle Teilen von anekdotischem Wissen geschehen – wie ist man mit einer ganz konkreten, bereits erlebten herausfordernden Situation umgegangen und hat sie erfolgreich bewältigt?

Kennenlernen neuer Sichtweisen

Derzeit noch weniger verbreitet ist das sogenannte Reverse Mentoring, also die Wissensvermittlung von jüngeren bzw. hierarchisch tiefer gestellten an ältere bzw. höhergestellte Kolleginnen / Kollegen. Wie das Mentoring hat auch das Reverse Mentoring eine fachliche und eine zwischenmenschliche Komponente. Fachlich betrifft sie typischerweise das Wissen über neue Technologien wie digitale Anwendungen oder den Umgang mit Social Media. Auf menschlicher Ebene können ältere Mitarbeitende durch den Perspektivwechsel und das Kennenlernen neuer Sichtweisen profitieren. Ebenso kann das direkte Erfahren von Wertschätzung durch die Jüngeren den erwähnen negativen Meta-Stereotypen entgegenwirken.

Sowohl beim Mentoring als auch beim Reverse Mentoring geht es also nicht nur um die ebenso altbekannte wie richtige Forderung nach „lebenslangem Lernen“. Es geht letztlich auch um gelebten Respekt und Wertschätzung. Führungskräfte können den generationenübergreifenden Austausch formell durch entsprechende Programme und Workshops fördern. Daneben bietet aber vor allem die gelebte Zusammenarbeit im Berufsalltag sowie nicht zuletzt eine Unternehmenskultur, in der Diversität, Offenheit und Wertschätzung gelebt werden, die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche intergenerationelle Zusammenarbeit. Oder wie wir bei meinem Arbeitgeber sagen: „Aging is natural, ageism is not.“

Zur Person

Benjamin Notheis ist Vice President, Global Talent Development bei SAP. In dieser Rolle setzt er sich für die persönliche und fachliche Förderung von Tausenden von SAP-Mitarbeitenden ein. Sein Team kümmert sich um die Talententwicklung sowohl aus der zentralen HR- als auch aus der Unternehmensperspektive, indem es eine starke, vielfältige und transparente Talentpipeline aufbaut. In früheren Positionen bei SAP war er Head of Board and Customer Office sowie Executive Business Assistant für zwei Vorstandsmitglieder.

Quelle: hrjournal.de