{"id":8831,"date":"2026-05-30T09:28:17","date_gmt":"2026-05-30T09:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/zu-guter-fuehrung-gehoert-selbstkritik-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:17","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:17","slug":"zu-guter-fuehrung-gehoert-selbstkritik-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/zu-guter-fuehrung-gehoert-selbstkritik-en\/","title":{"rendered":"Zu guter F\u00fchrung geh\u00f6rt Selbstkritik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Irren ist menschlich \u2013 es passiert aber am besten immer den anderen. Der Wirtschaftspsychologe Heinrich Wottawa h\u00e4lt genau diese Haltung von F\u00fchrungskr\u00e4ften f\u00fcr einen Fehler. \u201eReifen Sie am Scheitern\u201c, r\u00e4t er Chefinnen und Chefs. Leichter gesagt als getan?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Faktor A: \u201eHat nicht geklappt \u2013 meine Schuld!\u201c Warum geht der Satz F\u00fchrungskr\u00e4ften so schwer von den Lippen?<\/strong><\/p>\n<p>Heinrich Wottawa: Welche F\u00fchrungskraft reduziert schon gern ihr Selbstwertgef\u00fchl? Je mehr Verantwortung sie tr\u00e4gt, umso mehr Mechanismen baut sie auf, um sich vor zu gro\u00dfen Sorgen zu sch\u00fctzen. Wenn sie erfolgreich ist, sieht sie sich selbst als Ursache daf\u00fcr \u2013 wenn etwas schiefgeht, haben die anderen die Schuld. Das nennt man hedonistische Verzerrung. Das ist ein durchaus menschliches Verhalten und keineswegs pathologisch. W\u00fcrde die Person sich bei jedem Fehler f\u00fcr einen Versager halten, hielte sie den Job nicht lange durch. Trotzdem ist es unheimlich wichtig zu erkennen, wenn man seinen Teil zu Misserfolgen beigetragen hat.<\/p>\n<h2>Warum ist das gut?<\/h2>\n<p>Am Scheitern kann man reifen, gerade weil vertraute, \u00fcberkommene Muster aufgebrochen werden und man sich neu orientieren muss. Wenn man ganz ohne \u201eAbst\u00fcrze\u201c vom kleinen zum mittleren, zum gr\u00f6\u00dferen Erfolg schreiten will, ist es au\u00dferordentlich schwer, eine markante Pers\u00f6nlichkeit zu werden. Den meisten, die das anstreben, fehlt es an Substanz und innerer Sicherheit. Viele Gescheiterte sagen ein bis zwei Jahre sp\u00e4ter, dass sie ihre jetzige zufriedenstellende Situation ohne das Tief in der Vergangenheit nie erreicht h\u00e4tten.<\/p>\n<h2>Gehen Frauen anders mit Misserfolgen um?<\/h2>\n<p>Frauen neigen im Durchschnitt weniger zu hedonistischer Verzerrung. Sie trauern eher bei einem Misserfolg, aber lernen mehr daraus. M\u00e4nner f\u00fchren Probleme nicht so deutlich auf die eigene Person zur\u00fcck, das wiederum kann aber zu Wiederholungen f\u00fchren, weil man dann ja keinen Grund hat, an sich selbst zu arbeiten.<\/p>\n<h2>Ich bin an einem neuen Konzept gescheitert, durch das einige Mitarbeiter ihren Job verloren haben. Schwamm dr\u00fcber?<\/h2>\n<p>Nein, wenn ein F\u00fchrungsfehler sich zum Beispiel mehrfach wiederholt und auf Inkompetenz fu\u00dft, w\u00e4re es schlauer, seine F\u00e4higkeiten zu steigern oder sich einen anderen Job zu suchen. Selbstreflexion und Selbstkritik geh\u00f6ren zu guter F\u00fchrung.<\/p>\n<h2>Ist es in Unternehmen salonf\u00e4higer geworden, etwas gegen die Wand zu fahren?<\/h2>\n<p>Ich denke ja, aber noch l\u00e4ngst nicht in ausreichendem Ma\u00dfe. Das Reden \u00fcber das Scheitern hat sich ge\u00e4ndert, etwa das Bekenntnis zur Suche nach L\u00f6sungen und nicht vor allem nach Schuldigen.<\/p>\n<h2>Was sind die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden?<\/h2>\n<p>Leider liegen die gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden in der Unternehmenskultur, wenn das Credo lautet: \u201eWir sind immer ganz toll!\u201c Dann werden Schuldige gesucht, wenn etwas schiefl\u00e4uft, und das sind gleichzeitig die Versager. In meiner Zeit als Berater habe ich viele Menschen in unterer F\u00fchrungsebene kennengelernt, die in ihrer Aufstiegsphase gute Konzepte f\u00fcr eine bessere Kultur des Scheiterns hatten. Irgendwann haben viele davon sich aber auch an die informellen Spielregeln angepasst. Sie wurden m\u00fcrbe gemacht.<\/p>\n<h2>In den USA hei\u00dft es \u201elearn to fail\u201c \u2013 warum tut man sich hierzulande so schwer damit?<\/h2>\n<p>Hier geht es um Fehlerkultur \u2013 das ist etwas anderes, aber nicht weniger wichtig. Ich glaube, dass eine mangelnde Fehlerkultur historisch bedingt ist. Preu\u00dfen war ein hierarchisches Staatsgebilde, das von einer rechtsstaatlichen Verwaltung und einem straff organisierten Heer \u201etop-down\u201c gepr\u00e4gt war. In solchen Systemen bedeutet \u201eFehler\u201c, dass man Vorschriften oder Befehle nicht oder falsch anwendet bzw. befolgt. Ein \u201elearn to fail\u201c w\u00fcrde in einem solchen System hei\u00dfen, dass man lernt, ohne pers\u00f6nliche Nachteile oder sogar mit Vorteilen davonzukommen, wenn man z. B. ein Gesetz bewusst missachtet. Das darf keine Verwaltung dulden, wenn wir einen Rechtsstaat haben wollen. In der Wirtschaft meint man mit \u201eFehlerfreundlichkeit\u201c ja auch nicht, dass man akzeptiert, dass Mitarbeiter bewusst oder aus Inkompetenz etwas falsch machen, sondern dass man kalkulierte Risiken eingeht, um Erfolge zu erzielen, etwa bei Personal- oder Investitionsentscheidungen. War die Chance f\u00fcr Erfolg vorher 80:20, sind nachtr\u00e4glich 20 Prozent der Entscheidungen \u201efalsch\u201c gewesen, aber das muss man riskieren, wenn man Erfolge haben will. Und nat\u00fcrlich ist es notwendig, als Organisation und als Einzelner mit solchen \u201eFehlern\u201c vern\u00fcnftig umzugehen.<\/p>\n<h2>Wie sieht also ein gesunder Umgang mit dem Scheitern aus?<\/h2>\n<p>Daf\u00fcr gibt es keine Patentrezepte. Nur so viel: Wer an etwas scheitert, kann sehr unter Stress geraten. Starke emotionale Anspannung macht einen bei Routineaufgaben vielleicht schneller, bei komplexen Aufgaben finden wir aber schlechter L\u00f6sungen. Jetzt also blo\u00df nicht hektisch Entscheidungen treffen! Regeln Sie den Stresspegel erst mal herunter. Daf\u00fcr braucht jeder unterschiedlich lange. Nehmen Sie sich eine kurze Auszeit, wenn es geht. Fahren Sie auf eine Bergh\u00fctte. Wichtig ist es, sich mit der Frage zu besch\u00e4ftigen: Was will ich eigentlich?<\/p>\n<p><strong><em>Zur Person<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.xing.com\/profile\/Heinrich_Wottawa2\/cv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prof. Dr. Heinrich Wottawa<\/a>, 70, hat lange als Wirtschaftspsychologe an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum gelehrt. Bis vor Kurzem war er gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Gesellschafter des Beratungsunternehmens ELIGO, bei dem er unter anderem F\u00fchrungskr\u00e4fte beraten und Changeprozesse begleitet hat.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/richtig-fuehren\/zu-guter-fuehrung-gehoert-selbstkritik\/?utm_source=CleverReach&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter-mai2&amp;utm_content=Mailing_11376286\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Faktor A &#8211; Das Arbeitgebermagazin<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irren ist menschlich \u2013 es passiert aber am besten immer den anderen. 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