{"id":8822,"date":"2026-05-30T09:28:17","date_gmt":"2026-05-30T09:28:17","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/wie-werden-wir-morgen-arbeiten-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:17","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:17","slug":"wie-werden-wir-morgen-arbeiten-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wie-werden-wir-morgen-arbeiten-en\/","title":{"rendered":"Wie werden wir morgen arbeiten?"},"content":{"rendered":"<p><em>In Zeiten der Digitalisierung ver\u00e4ndern sich Berufsbilder, Wettbewerber und Gesch\u00e4ftsmodelle. \u201eEmployability-Management\u201c lautet darum das Gebot der Stunde. Prof. Dr. Jutta Rump erkl\u00e4rt im Interview mit Faktor-A, was das f\u00fcr Arbeitgeber bedeutet.<\/em><\/p>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item introtext\">\n<p><strong>\u201eWas jemand heute gelernt hat, wird nicht f\u00fcr die n\u00e4chsten 50 Jahre halten&#8221;, sagt Prof. Jutta Rump, Direktorin des Instituts f\u00fcr Besch\u00e4ftigung und Employability in Ludwigshafen im gro\u00dfen Faktor-A-Interview. In Zeiten der Digitalisierung ver\u00e4nderten sich Berufsbilder, Wettbewerber und Gesch\u00e4ftsmodelle. \u201eEmployability-Management\u201c laute darum das Gebot der Stunde.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item subsequent-teasertext column-1\">\n<p>Es wird automatisiert, was sich automatisieren l\u00e4sst: Maschinen, Methoden, Prozesse, B\u00fcros, Fabriken, Lagerhallen. Berufsbilder ver\u00e4ndern sich rasant, an der Schnittstelle von Mensch und Maschine entstehen neue Berufe, andere verschwinden ganz. Befristete Besch\u00e4ftigung, Teilzeit, Leiharbeit, Selbstst\u00e4ndigkeit und vieles mehr drohen das bisherige <a title=\"Wie eine Software bei der Umsetzung moderner Arbeitsmodelle helfen will\" href=\"http:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/arbeitswelt-gestalten\/flexibilitaet-lohnt-sich\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Normalarbeitsverh\u00e4ltnis zu verdr\u00e4ngen<\/a>. Immer neue Wettbewerber und Gesch\u00e4ftsmodelle kommen auf den Markt. In dieser <a title=\"Infografik: Sechs Zukunftsvisionen der Digitalisierung\" href=\"http:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/zukunft-der-arbeit\/digitalisierung-zukunft-der-arbeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Welt des Wandels<\/a> wird der Arbeitnehmer selbst zur einzigen Konstante und zum Garanten f\u00fcr Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit \u2013 sowohl f\u00fcr seine eigene als auch f\u00fcr die des Unternehmens. Will er in der neuen Arbeitswelt mitspielen, muss er einerseits selbst f\u00fcr seine Arbeitsmarktfitness sorgen, andererseits sind Betriebe, die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit fordern, in der Verantwortung, diese zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p><strong>Faktor A: Um in der digitalen Arbeitswelt klarzukommen, gen\u00fcgt es l\u00e4ngst nicht mehr, dass Besch\u00e4ftigte fachlich gut ausgebildet sind. Es braucht sogenannte \u00fcberfachliche Kompetenzen. Welche sind das?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Jutta Rump: <\/strong>Das sind Lernbereitschaft und -f\u00e4higkeit, Ver\u00e4nderungsbereitschaft und -f\u00e4higkeit, die F\u00e4higkeit, mit Schnelligkeit und Komplexit\u00e4t umgehen zu k\u00f6nnen und mit einer F\u00fclle von Daten. Es bedeutet aber auch, Entscheidungen zu treffen, wenn sich alles rasend schnell ver\u00e4ndert \u2013 und das nicht nur als F\u00fchrungskraft. Man braucht aber auch Revidierbarkeitskompetenz. Wenn man merkt, das war jetzt nicht die beste Entscheidung, muss man neu pr\u00fcfen und beschlie\u00dfen. Das A und O ist das Selbstmanagement: sich klarmachen, dass man in einer Welt von Arbeiten 4.0 zum Unternehmer in eigener Sache wird. Der Arbeitnehmer mit seiner Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit ist ein Verm\u00f6genswert, das ist sein Sicherungsanker. Damit das auch langfristig funktioniert, muss er daran arbeiten und sich selbst managen. Dazu geh\u00f6rt ein gro\u00dfes Ma\u00df an Eigenverantwortlichkeit.<\/p>\n<p><strong>Sind das nicht alte H\u00fcte? Wieso sind diese gerade jetzt so entscheidend?<\/strong><\/p>\n<p>4.0 steht f\u00fcr Dynamik, steigende Ver\u00e4nderungsgeschwindigkeit, Komplexit\u00e4tszuwachs, Vernetzung untereinander. Um sich da zurechtzufinden, braucht es mehr als nur fachliches Wissen. Das ist Nummer eins. Zweitens ist zu \u00fcberlegen: Welche Jobs und T\u00e4tigkeiten sind denn sicher? Und an welcher Stelle werden Kollege Roboter und Kollege Algorithmus die Arbeit tun? Sicher sind Jobs, die stark vernetzt sind, also wo Wissensarbeiter ihr Know-how mit dem von anderen Spezialisten verbinden, Regeln brechen und so neues Wissen erzeugen. Es sind immer Aufgaben, in denen es vor allem auf die \u00fcberfachlichen Kompetenzen ankommt. Um sich besch\u00e4ftigungsf\u00e4hig und arbeitsmarktf\u00e4hig zu halten, muss man in diese Kompetenzen investieren.<\/p>\n<p><strong>Das wichtigste Ausbildungsfach hei\u00dft demnach Selbstst\u00e4ndigkeit und Eigenverantwortung?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, es hei\u00dft vor allem Mitdenken! Verantwortung \u00fcbernehmen. Sich klarmachen, dass die einmal abgeschlossene Berufsausbildung nicht ein Leben lang h\u00e4lt. Die Sicherheit eines Arbeitsplatzes gibt es nicht mehr, und die Gewissheit eines Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisses? Ich bin nicht sicher. Viele Menschen machen sich permanent dar\u00fcber Gedanken, ob das Auto in einem perfekten Zustand ist. Bringen sich die Leute eigentlich auch regelm\u00e4\u00dfig selbst zur Inspektion?<\/p>\n<p><strong>Welchen Unterschied machen die Branche und die Hierarchie?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt keinen Unterschied in den \u00fcberfachlichen Kompetenzen. Egal ob jemand in der Produktion, im Handel oder in der Gesundheitswirtschaft t\u00e4tig ist, ob als F\u00fchrungskraft oder nicht: Es ist eine grundlegende Haltung, eine Einstellungssache.<\/p>\n<p><strong>Wovon genau sprechen wir, wenn wir von Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit, Employability, reden?<\/strong><\/p>\n<p>Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit hat drei Elemente: 1. Qualifikation und Kompetenzen: was eine Stelle jetzt und in Zukunft vom Arbeitnehmer verlangt. 2. Motivation: Am besten sollte ein Mensch, der employable ist, auch einen inneren Antrieb haben f\u00fcr das, was er tut \u2013 so was wie Identifikation. 3. Gesundheit: Die F\u00f6rderung von Employability hat einen Bezug zur pr\u00e4ventiven Gesundheitsf\u00f6rderung. Neben dem k\u00f6rperlichen Wohlbefinden stehen der Umgang mit mentalen Belastungen und der Abbau von negativen Stresssituationen im Blickpunkt.<\/p>\n<blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\">ICH KANN MIR NICHT MEHR VORSTELLEN, DASS JEMAND GLAUBT, DASS DAS, WAS ER GELERNT HAT, F\u00dcR DIE N\u00c4CHSTEN 50 JAHRE H\u00c4LT.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\"><small>PROF. DR. JUTTA RUMP, DIREKTORIN DES INSTITUTS F\u00dcR BESCH\u00c4FTIGUNG UND EMPLOYABILITY<\/small><\/span><\/p>\n<p><strong>Was denken Sie, wie tief ist die Erkenntnis im Bewusstsein von Unternehmen und Mitarbeitenden gereift, ihre Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit zu sichern?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich die letzten 15 Jahre Revue passieren lasse, ist diese Erkenntnis deutlich gereifter als fr\u00fcher. Bei den Gro\u00dfkonzernen taucht das Thema Employability mittlerweile \u00fcberall auf. Selbst in Betriebsvereinbarungen ist das schon manifestiert. Auch bei Mitarbeitern ist es angekommen. Vielleicht nutzen sie eher den Begriff der Arbeitsf\u00e4higkeit. Vielen ist klar, dass sie an diesem Wert best\u00e4ndig arbeiten m\u00fcssen. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, dass jemand glaubt, dass das, was er gelernt hat, f\u00fcr die n\u00e4chsten 50 Jahre h\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>Und wie sieht das in kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen aus?<\/strong><\/p>\n<p>Gerade KMU, die im Wettbewerb miteinander stehen, haben das Thema Fachkr\u00e4ftemangel und attraktiver Arbeitgeber entdeckt und wissen ganz genau, dass sie nur wettbewerbsf\u00e4hig bleiben, wenn sie Leute haben, die die beste Leistung bringen. Sie wissen, dass sie in diese Leute investieren m\u00fcssen, nicht nur im Sinne von Kompetenzen, sondern auch in Gesundheit und Motivation, damit die von innen brennen. Die Realit\u00e4t hat gerade KMU mit einer unglaublichen Geschwindigkeit und Kraft auf das Thema gebracht.<\/p>\n<p><strong>Welches w\u00e4ren erste Schritte eines Unternehmens hin zur Entwicklung einer Employability-Kultur?<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmer m\u00fcssen sich fragen, wo sie mit ihrem Betrieb in f\u00fcnf Jahren stehen. Was ist die Vision? Wie ist der Stand heute, und wie lassen sich L\u00fccken schlie\u00dfen? Das kann ein Einzelunternehmer genauso machen wie der Handwerksmeister mit zehn Leuten, genauso wie ein mittelst\u00e4ndisches Unternehmen mit 50 Leuten oder der produzierende Bereich mit 200 Leuten. Wir wissen, dass sich unglaublich viel bewegt. Wir haben relativ verl\u00e4ssliche Informationen, wohin es sich entwickelt, und die Frage, was das f\u00fcr den eigenen Betrieb bedeutet, muss man sich ernsthaft stellen. Sonst wird man nur reagieren, nur hinterherhechten.<\/p>\n<p><strong>Was genau beinhaltet Employability-Management?<\/strong><\/p>\n<p>Es braucht ein Unternehmenskonzept, Einzelaktivit\u00e4ten sind hier nicht ausreichend. Firmen m\u00fcssen alle relevanten Unternehmensfelder einbeziehen, die Aktivit\u00e4ten zur Steigerung der Employability aufeinander abstimmen, miteinander verkn\u00fcpfen und Wechselwirkungen ber\u00fccksichtigen. Konkret betrifft das die Unternehmenskultur, Personalentwicklung, Verg\u00fctung, F\u00fchrung, Gesundheitsmanagement, Arbeitsorganisation, Werdeg\u00e4nge und Controlling.<\/p>\n<blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\">WAS MACHT DEN WERT VON UNTERNEHMEN IN EINER WISSENS- UND INNOVATIONSGESELLSCHAFT AUS? NICHT DIE MASCHINE UND NICHT DAS BANKKONTO, SONDERN DER MITARBEITER<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\"><small>PROF. DR. JUTTA RUMP, DIREKTORIN DES INSTITUTS F\u00dcR BESCH\u00c4FTIGUNG UND EMPLOYABILITY<\/small><\/span><\/p>\n<p><strong>Welchen Vorteil haben Arbeitnehmer, welchen Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Gewinn f\u00fcr den Arbeitnehmer liegt in der Besch\u00e4ftigungssicherung. Zugleich gibt es ihm eine gewisse Beweglichkeit auf dem Arbeitsmarkt. Wenn er n\u00e4mlich feststellt, dass es im angestammten Arbeitsumfeld enger wird, kann er sich in anderen Bereichen schneller zurechtfinden. Er ist vielleicht zun\u00e4chst geschockt \u00fcber diese Entwicklung, dann aber auch schneller wieder sortiert. Das ist ein ganz erheblicher Vorteil. Drittens: Er zeigt mehr Selbstbewusstsein. Wer das hat, weist ein hohes Ma\u00df an Gelassenheit auf. Das ist auf dem Arbeitsmarkt superwichtig.<\/p>\n<p><strong>Und die Unternehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Unternehmer hat eine Belegschaft, die er flexibler einsetzen kann, eine Belegschaft, mit der er in die Zukunft starten kann, die mit ihm auch Ungewissheit aush\u00e4lt, ohne in L\u00e4hmung zu verfallen. Dadurch hat er einen h\u00f6heren Verm\u00f6genswert. Denn was macht den Wert von Unternehmen in einer Wissens- und Innovationsgesellschaft aus? Nicht die Maschine und nicht das Bankkonto, sondern der Mitarbeiter. Ich frage KMU immer:\u00a0Was w\u00fcrdet ihr tun, wenn die Leute ab morgen keine Lust mehr h\u00e4tten, zu euch zu kommen? Seid ihr dann noch handlungsf\u00e4hig? Wir reden \u00fcber den gr\u00f6\u00dften erfolgskritischen Faktor, den KMU haben. Den m\u00fcssen sie managen.<\/p>\n<p><strong>Das alles setzt aber voraus, dass sich KMU selbstbewusste, mitdenkende Mitarbeiter w\u00fcnschen \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Manchmal sagen mir Unternehmer, sie h\u00e4tten in ihre Mitarbeiter investiert. Und jetzt seien diese viel selbstbewusster und redeten dauernd ins Gesch\u00e4ft rein. Das gefalle ihnen gar nicht, au\u00dferdem seien diese Besch\u00e4ftigten schneller auf dem Sprung. Das lohne sich doch gar nicht. Meine Gegenfrage an die Unternehmer lautet dann: K\u00f6nnen Sie es sich leisten, es nicht zu tun?<\/p>\n<blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\">F\u00dcHRUNGSKR\u00c4FTE BRAUCHEN LEADERSHIP-SKILLS, DIE F\u00c4HIGKEIT, MENSCHEN INSPIRIEREN ZU K\u00d6NNEN, ZUZUH\u00d6REN UND SICH EINZUF\u00dcHLEN.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\"><small>PROF. DR. JUTTA RUMP, DIREKTORIN DES INSTITUTS F\u00dcR BESCH\u00c4FTIGUNG UND EMPLOYABILITY<\/small><\/span><\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft, F\u00fchrung muss gewaltig umdenken?<\/strong><\/p>\n<p>Damit die Mitarbeiter nicht so schnell auf dem Sprung sind und sich der Return on Investment rentiert, m\u00fcssen sich Firmenlenker und F\u00fchrungskr\u00e4fte Gedanken machen, wie sie mit selbstbewussteren Leuten umgehen. Die wollen mitreden, ja, aber das ist doch gut und sogar eine Entlastung, das gibt doch viel mehr M\u00f6glichkeiten. Employability geht mit einer zunehmenden Partizipation einher, ja sogar mit einer zunehmenden Demokratisierung.<\/p>\n<p><strong>Was empfehlen Sie konkret?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen all das k\u00f6nnen, was ich bereits genannt habe. Au\u00dferdem sollten sie Macht abgeben, Eigenverantwortung und Autonomie f\u00f6rdern sowie die Managementkompetenzen beherrschen, die notwendig sind, um partizipativ zu f\u00fchren. Und sie brauchen Leadership-Skills, die F\u00e4higkeit, Menschen inspirieren zu k\u00f6nnen, zuzuh\u00f6ren und sich einzuf\u00fchlen. Das hat viel mit der Pers\u00f6nlichkeit zu tun.<\/p>\n<p><strong>Wenn ich mich als Besch\u00e4ftigter weiterentwickeln m\u00f6chte, wie gehe ich vor?<\/strong><\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch mit dem Chef suchen: \u201eIch m\u00f6chte mich weiterbilden, gibt\u2019s M\u00f6glichkeiten, mein Profil auszuweiten, zum Beispiel mit Job-Enrichment, Job-Enlargement, Job-Rotation?\u201c\u00a0Sich fragen, ob die eigene Qualifikation noch dem aktuellen Stand entspricht, Stellenanzeigen lesen, im Internet surfen, Begrifflichkeiten checken. Wer all das tut, handelt gleichzeitig eigenst\u00e4ndig und verantwortungsbewusst. Dazu geh\u00f6rt auch, in Balance zu bleiben, sich nicht zu \u00fcberfordern und nicht schon in jungen Jahren auszubrennen.<\/p>\n<p><strong>Und wenn sich mein Unternehmen selbst noch gar nicht auf den Weg gemacht hat?<\/strong><\/p>\n<p>Die harte Antwort lautet: Dann muss man es losgel\u00f6st von seinem Arbeitgeber tun. Fehlt dem diese Einstellung, ist das keiner, mit dem man alt wird. Leute, die ihren Weg konsequent bis zu diesem Punkt gegangen sind, die werden auch was anderes finden.<\/p>\n<p><strong>Unabh\u00e4ngig vom Alter?<\/strong><\/p>\n<p>Bis 55 Jahre ist der Arbeitsmarkt mittlerweile schon beweglicher geworden.<\/p>\n<blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\">OB JEMAND EMPLOYABLE IST, H\u00c4NGT VON DER INNEREN HALTUNG AB, ABER NICHT GRUNDS\u00c4TZLICH VOM BIOLOGISCHEN ALTER.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\"><small>PROF. DR. JUTTA RUMP, DIREKTORIN DES INSTITUTS F\u00dcR BESCH\u00c4FTIGUNG UND EMPLOYABILITY<\/small><\/span><\/p>\n<p><strong>Ist da ein gr\u00f6\u00dferes Bewusstsein seitens der Unternehmen f\u00fcr die Kompetenzen \u00e4lterer Arbeitnehmer gewachsen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Einer der zentralen Gr\u00fcnde ist, dass es Weiterbildung inzwischen bis zum Renteneintrittsalter gibt. Zweitens: Die, die vor zehn, 15 Jahren noch das Defizitmodell des Alters vertreten haben, sind alle selbst gealtert. Der Personalchef ist jetzt selber 50, und f\u00fcr ihn kann das ja nicht stimmen \u2013 so seine Wahrnehmung. Drittens ist mittlerweile \u00fcberall angekommen, dass die psychologische Forschung das Defizitmodell nicht aufrechterhalten kann. Ob jemand employable ist, h\u00e4ngt von der inneren Haltung ab, aber <a title=\"Silverpreneure: Im Alter noch mal durchstarten\" href=\"http:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/mitarbeiter-qualifizieren\/silverpreneure-mit-vollgas-in-die-letzten-berufsjahre\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">nicht grunds\u00e4tzlich vom biologischen Alter<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Wenn sich das durchgesetzt hat, wieso hat es die Zielgruppe 45 plus dann immer noch schwerer, einen Jobwechsel zu vollziehen als J\u00fcngere?<\/strong><\/p>\n<p>Die Frage ist, ob die Passgenauigkeit zwischen Aufgabe und Profil gegeben ist. Oft scheitert es auch an Gehaltsw\u00fcnschen. Das zu verdienen, was der J\u00fcngere daf\u00fcr bekommt, ist f\u00fcr viele \u00c4ltere \u201eout of the range\u201c. Das Unternehmen sagt dann, die Seniorit\u00e4t ist jetzt nicht so wertvoll. Ich bekomme einen, der halb so alt ist, f\u00fcr die H\u00e4lfte, und noch dazu ist der formbar und anpassungsf\u00e4higer.<\/p>\n<p><strong>Wie gehen Sie mit \u00c4ngsten um, also wenn Arbeitnehmer bef\u00fcrchten, aufgrund des digitalen Wandels ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder den Anschluss zu verpassen?<\/strong><\/p>\n<p>Derzeit wird diskutiert, dass sich die Chancen auf dauerhafte Besch\u00e4ftigung f\u00fcr einige \u201edurchschnittlich\u201c Qualifizierte, die mittleren Qualifikationsstufen, reduzieren k\u00f6nnten. Die bisher als selbstverst\u00e4ndlich betrachtete Annahme, dass mit der Entwicklung neuer Technologien die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften steigt und die Nachfrage nach niedrig Qualifizierten sinkt, scheint nicht mehr zu gelten. Denn aktuelle Forschungsergebnisse zeigen ver\u00e4nderte Zusammenh\u00e4nge. So wird es danach bei vielen T\u00e4tigkeiten, die bisher von Besch\u00e4ftigten mit mittlerem Qualifikationsniveau bearbeitet werden und die eine manuelle und\/oder kognitive, teilweise auch hochkomplexe Routineaufgabe darstellen, zu einer Substitution durch die Technik kommen.<\/p>\n<blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\">DER BLICK ZUR\u00dcCK IN DIE VERGANGENHEIT KANN NIEMALS DIE L\u00d6SUNG F\u00dcR DIE ZUKUNFT SEIN.<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span class=\"quote-inner\"><small>PROF. DR. JUTTA RUMP, DIREKTORIN DES INSTITUTS F\u00dcR BESCH\u00c4FTIGUNG UND EMPLOYABILITY<\/small><\/span><\/p>\n<p><strong>Da steht einiges auf der Roten Liste. Doch es entstehen ja auch neue Jobs, die mit kreativer Denkarbeit und Innovation zu tun haben \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Was Menschen Angst macht, ist, dass das alte Qualifikationsprofil nicht mehr zum neuen Job passt. Das hei\u00dft, Unternehmen m\u00fcssen die Menschen stufenweise qualifizieren: Wenn einerseits Jobs wegfallen, k\u00f6nnen sie sie nur St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck an neue Aufgaben heranf\u00fchren. Um diesen Wandel sozialvertr\u00e4glich zu gestalten, m\u00f6glichst ohne Verlierer, braucht es Investition, Zeit und Konzepte.<\/p>\n<p><strong>Sehen Sie auch Grenzen der Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit?<\/strong><\/p>\n<p>Der Erfolg eines Unternehmens h\u00e4ngt heute mehr denn je davon ab, ob die Mitarbeiter ihre Talente einbringen k\u00f6nnen. Doch mehr als 70 Prozent der Besch\u00e4ftigten kennen diese nicht. F\u00fcr die Arbeitswelt ist das schlecht. Wenn Arbeitnehmer das nicht wissen, werden sie derartige dynamische Welten so stressig empfinden, dass sie sich wie ein Hamster im Rad vorkommen, sie sehen den Wald vor lauter B\u00e4umen nicht und suchen nach Ankerpunkten, und sei es den Blick zur\u00fcck in die Vergangenheit. Doch der kann niemals die L\u00f6sung f\u00fcr die Zukunft sein. Von daher ist die Frage: Was ist mit den Menschen, die wollen, aber nicht k\u00f6nnen \u2013 aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden, weil ihre Lebenssituation es ihnen im Moment nicht erm\u00f6glicht, warum auch immer? Hier muss das Subsidiarit\u00e4tsprinzip einer Gesellschaft wirken. Wenn es Menschen gibt, die nicht k\u00f6nnen, ist es Aufgabe einer Gesellschaft, der Sozialgemeinschaft, ihnen dennoch eine Perspektive zu bieten.<\/p>\n<p><em><strong>Steckbrief<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Prof. Dr. Jutta Rump<\/strong> ist Spezialistin f\u00fcr Megatrends in der Arbeitswelt und die sich daraus ergebenden Konsequenzen f\u00fcr Unternehmen, Organisation und F\u00fchrung.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/mitarbeiter-qualifizieren\/die-arbeitswelt-veraendert-sich-ihre-mitarbeiter-auch-employability\/?utm_source=sopg+gbr&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=newsletter-maerz-02&amp;utm_content=mailing_10795136\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Faktor A &#8211; Das Arbeitgebermagazin<\/a><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten der Digitalisierung ver\u00e4ndern sich Berufsbilder, Wettbewerber und Gesch\u00e4ftsmodelle. \u201eEmployability-Management\u201c lautet darum das Gebot der Stunde. 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