{"id":8809,"date":"2026-05-30T09:28:16","date_gmt":"2026-05-30T09:28:16","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/wie-funktioniert-verguetung-in-zeiten-von-new-work-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:16","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:16","slug":"wie-funktioniert-verguetung-in-zeiten-von-new-work-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wie-funktioniert-verguetung-in-zeiten-von-new-work-en\/","title":{"rendered":"Wie funktioniert Verg\u00fctung in Zeiten von New Work"},"content":{"rendered":"<p><em><b>Interview.<\/b> Nadine Nobile ber\u00e4t Unternehmen zu neuen Arbeitsmodellen. Ein Punkt ist das Thema Gehalt. Ihre Idee ist es, dass Mitarbeiter den Lohn bestimmen.<\/em><\/p>\n<p>\u00dcber Geld spricht man nicht. Das behauptet zumindest eine Redewendung. Geht es nach Nadine Nobile, m\u00fcssen Mitarbeiter nicht nur \u00fcber ihr Gehalt sprechen, sie sollten es auch untereinander ausdiskutieren. Nur so k\u00f6nne ein faires Verg\u00fctungsmodell entstehen, sagt sie.<\/p>\n<p>Nobile hat mit Sven Franke vor drei Jahren die New-Work-Beratungsfirma Co:x gegr\u00fcndet und ein Buch \u00fcber New Pay geschrieben. Gr\u00fcnderszene hat mit ihr \u00fcber m\u00f6gliche neue Formen der Entlohnung gesprochen.<br \/>\u00a0<\/p>\n<h2>Nadine, was bedeutet New Pay?<\/h2>\n<p>New Pay ist die Antwort darauf, wie sich Verg\u00fctung gestaltet, wenn Firmen sich auf den Weg zu New Work machen. Bei New Work wird immer \u00fcber Methodik, Tools und Strukturen diskutiert, aber \u00fcber das Thema Verg\u00fctung so gut wie gar nicht. Und wenn sich Kompetenzen und Strukturen innerhalb eines Unternehmens ver\u00e4ndern, muss man sich auch die Frage stellen, ob das Konsequenzen f\u00fcr die Verg\u00fctung hat.<\/p>\n<h2>Wie wird Verg\u00fctung in Zeiten von New Work bestimmt?<\/h2>\n<p>New Pay braucht Partizipation. Das funktioniert in Unternehmen, bei denen alle Menschen mit gestalten, auch beim Thema Verg\u00fctung. In einem hierarchischen System geht das nicht. Egal, wie wenig Hierarchien die Firma hat, dort ist die Kultur anders. Der Prozess hin zum neuen Entgeltsystem muss mit der Art der Kultur und der Arbeitsweise einhergehen. Wenn jemand auf die Idee kommt, einfach mal transparente Geh\u00e4lter einzuf\u00fchren, was schon einige Firmen gemacht haben, dann wird man richtig auf die Fresse fallen. Weil das noch nicht zur Kultur des Unternehmens passt und den Angestellten keinen wirklichen Mehrwert bietet.<\/p>\n<h2>Sollten Verg\u00fctungsmodelle immer auf Leistung und Zeit basieren?<\/h2>\n<p>Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass es ganz unterschiedliche Formen gibt, sich sein Modell zu erschlie\u00dfen. Leistung hat in vielen Unternehmen einen gro\u00dfen Stellenwert. Die Schwierigkeit liegt aber darin, die Leistung konkret zu definieren und ins Verh\u00e4ltnis zu anderen Mitarbeitern zu stellen. Hinzu kommt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der die Pr\u00e4senzkultur sehr etabliert ist. Das wird sich aus meiner Sicht nicht \u00e4ndern, so lange wir auch Arbeitsstunden verg\u00fcten. Ein Entlohnungssystem selbst kann nicht wertsch\u00e4tzen. Ein Entlohnungssystem ist ein Regelsystem, und Regeln basieren auf Entscheidungen. Deshalb sollte sich das System im Idealfall nach Fairness richten.<\/p>\n<h2>Du hast also keine allgemeing\u00fcltige Formel, wie Unternehmen ihr Verg\u00fctungsmodell alternativ aufbauen k\u00f6nnen?<\/h2>\n<p>Nein, die habe ich nicht. Es ist wichtig, dass eine Organisation und deren Menschen sich selbst dar\u00fcber Gedanken machen m\u00fcssen, was f\u00fcr sie stimmig erscheint. Was f\u00fcr Software-Startups funktioniert, muss nicht f\u00fcr Dienstleister oder den Einzelhandel funktionieren. Manche Unternehmen haben ein Einheitsgehalt, manche ein Wunschgehalt, und manche entwickeln eine Gehaltsformel anhand von Faktoren wie die Fachexpertise. Im Vergleich zu traditionellen Entlohnungsmodellen ist New Pay permanent im Beta-Status. Es wird nie perfekt sein und muss kontinuierlich weiterentwickelt werden.<\/p>\n<h2>Wunschgehalt hei\u00dft, dass das gesamte Team \u00fcber das Entgelt jedes einzelnen Mitarbeiters abstimmt. Was bedeutet Einheitsgehalt?<\/h2>\n<p>Jeder in der Organisation verdient genau das Gleiche. Egal, was er tut und wie lange er schon dabei ist. Arbeitet eine Person in Teilzeit, wird das Einheitsgehalt entsprechend heruntergerechnet. Der Einzige, der mehr verdient, ist der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Weil er als Eigent\u00fcmer haftet und dieses Risiko auch verg\u00fctet bekommen soll.<\/p>\n<h2>Was ist sinnvoller: Einheitsgeh\u00e4lter oder individuell abgestimmte Geh\u00e4lter?<\/h2>\n<p>Auch das h\u00e4ngt vom Unternehmen ab. Entlohnungsmodell setzen ja auch Signale. Von Verg\u00fctungssystemen geht immer eine Wirkung aus, auch auf das Verhalten von Mitarbeitern oder Job-Interessenten. Ein statisches System beispielsweise l\u00e4sst nicht viel Mitbestimmung zu und zieht eher Mitarbeiter an, die einfach nur eine Aufgabe haben und ihren K\u00fchlschrank f\u00fcllen wollen.<\/p>\n<h2>Wenn Firmen ein alternatives Entlohnungsmodell einf\u00fchren, wird es immer Leute geben, die nach den neuen Regeln weniger verdienen w\u00fcrden. Wie kann man das l\u00f6sen?<\/h2>\n<p>In Deutschland darf man seinen Angestellten nicht auf einmal weniger zahlen \u2013 es sei denn, man kann Minderleistung nachweisen. Bisher haben es Unternehmen so gemacht, dass sie das Gehalt von denen eingefroren haben, die zu viel verdienen. So lange, bis sie vom Entwicklungsstand wieder an dem Punkt sind, wo sie nach den neuen Regeln stehen w\u00fcrden. Es bleibt allerdings die Frage, wie weit sie davon entfernt sind und ob sie das jemals erreichen werden.<\/p>\n<h2>Warum reden wir so ungern \u00fcber unser Gehalt?<\/h2>\n<p>Zum einen ist das kulturell gepr\u00e4gt. In einigen L\u00e4ndern haben die Menschen deutlich weniger Hemmungen, \u00fcber ihr Gehalt zu sprechen. In Deutschland sind Gespr\u00e4che \u00fcber das Gehalt mit Scham besetzt. Die Leute fragen sich, ob sie ihr Gehalt wirklich verdient haben und f\u00fchlen sich teilweise schlecht, gerade Manager mit sechsstelligen Geh\u00e4ltern. Andererseits haben einige Leute Angst, dass ihr Verdienst Neid hervorrufen k\u00f6nnte. Wenn sie selbst mehr verdienen oder andere mehr bekommen. In unserer Kultur ist Erfolg immer noch sehr stark an gehaltliche Entwicklungen gekn\u00fcpft. In Zukunft sollten Leute nach weniger Arbeitszeit fragen.<\/p>\n<h2>Ich habe lange nicht gewusst, was meine Eltern verdienen. Aber kenne von vielen Freunden das Gehalt. Ist das ein Generationenproblem?<\/h2>\n<p>\u00c4ltere tun sich schwerer damit, \u00fcber ihr Gehalt zu reden als j\u00fcngere Personen. Ich kenne auch Frauen in meinem Alter, die mit ihrem Mann gar nicht \u00fcber ihr Gehalt sprechen k\u00f6nnen, weil sie wissen, dass sie deutlich mehr verdienen als er. Sie gehen davon aus, dass ihn das in eine Identit\u00e4tskrise f\u00fchrt. In unserer Kultur ist der Mann immer noch der Versorger.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber die Autorin<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/lisa-ksienrzyk-16198559\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lisa Ksienrzyk<\/a> ist seit September 2017 Mitglied im Redaktionsteam von NGIN Food und Gr\u00fcnderszene. Vorher schrieb sie f\u00fcr verschiedene Online-Magazine, darunter Stern.de, und ist freie Mitarbeiterin bei diversen Berliner Stadtmagazinen. Ksienrzyk studierte Publizistik, Englisch und Interkulturelle Kommunikation in Berlin, Frankfurt (Oder) und Paris.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.gruenderszene.de\/karriere\/new-pay-interview\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gr\u00fcnderszene<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview. Nadine Nobile ber\u00e4t Unternehmen zu neuen Arbeitsmodellen. Ein Punkt ist das Thema Gehalt. 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