{"id":8773,"date":"2026-05-30T09:28:13","date_gmt":"2026-05-30T09:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/warum-3-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:13","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:13","slug":"warum-3-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/warum-3-en\/","title":{"rendered":"Warum Agilit\u00e4t allein nicht gl\u00fccklich macht"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Automatisierung und Digitalisierung ver\u00e4ndern die Arbeitswelt massiv. Viele Entscheider setzen deshalb allzu schnell auf neue Konzepte wie Agilit\u00e4t und Design Thinking.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In etlichen Unternehmen jagt derzeit eine Ver\u00e4nderung die n\u00e4chste. Die Abst\u00e4nde werden immer k\u00fcrzer, zugleich steigen die Anforderungen an Organisationen und ihre Mitarbeiter stetig. Um dem Druck standzuhalten, scheinen neue, agile Methoden oder auch Design-Thinking-Konzepte gerade recht zu kommen. Welcher Entscheider will schon daf\u00fcr verantwortlich sein, dass der eigene Verantwortungsbereich auf die Forderungen nach Ver\u00e4nderung nicht reagiert hat? Also werden Hypes wie die sprichw\u00f6rtliche Sau durchs Dorf getrieben, bis (sp\u00e4testens) im n\u00e4chsten Jahr eine neue Sau auftaucht, die die alte vergessen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der Glaube an die Methoden-Gurus und ihrer Anh\u00e4nger ist h\u00e4ufig mit allzu simplen Versprechen verbunden: Aussagen wie &#8220;Selbstorganisierte Teams brauchen keine F\u00fchrung&#8221;, &#8220;Agil geht alles schneller&#8221; oder &#8220;Eine neue B\u00fcroumgebung mit Kicker und Coffee-Bar macht eine neue Kultur&#8221; verbreiten sich schnell.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich werden erfahrene und auch neue Manager von Emotionen getrieben: Der Angst, das Falsche zu entscheiden, aber auch der Angst um die eigene Position. &#8220;Kann ich noch mithalten, wenn ich nicht &#8216;agil&#8217; handle? Ist meine Position, bin ich m\u00f6glicherweise obsolet?&#8221; All das vernebelt den Blick auf die Fakten und treibt Entscheider in den Aktionismus.<\/p>\n<h2>Viel Aufwand &#8211; wenig Ergebnis<\/h2>\n<p>Ein Aktionismus, der Unternehmen teuer zu stehen kommt. So verschlingen Neuerungen in der Organisation, die Einf\u00fchrung neuer Methoden oder der Umbau der B\u00fcros erhebliche Budgets. Deutsche Unternehmen investierten 2018 allein \u00fcber 31 Milliarden in externe Beratungsleistungen, Tendenz steigend. Change Management und Business Development waren thematische Spitzenreiter. Demgegen\u00fcber verfehlen rund 70 Prozent der Change-Vorhaben die gesteckten Ziele.<\/p>\n<p>Noch dramatischer ist die Wirkung auf die Mitarbeiter. Deren Motivation sinkt mit jeder nutzlosen oder unfokussierten Ver\u00e4nderung &#8211; bis hin zum Ph\u00e4nomen des Organizational Change Fatigue (OCF), einer resignativen beziehungsweise extrem passiven Einstellung gegen\u00fcber Ver\u00e4nderungen. Im Ergebnis liegt die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen Unternehmenswechsel bei unmotivierten Mitarbeitern um 87 Prozent h\u00f6her als bei den motivierten Kollegen. Laut LinkedIn wechseln 13 Prozent der Softwareentwickler derzeit mindestens einmal j\u00e4hrlich den Job. In Zeiten eines Bewerber-Marktes sind das verheerende Zahlen, Unternehmen m\u00fcssen hier dringend gegensteuern. Das ist keine sch\u00f6ne neue Arbeitswelt. Aber was tun?<\/p>\n<h2>Mut zur Souver\u00e4nit\u00e4t<\/h2>\n<p>Ein erfolgreicher Ausstieg aus dem Methodenwahn braucht mutige und souver\u00e4ne Entscheider, denn sie m\u00fcssen Hypes genauso wie die eigene \u00dcberzeugung und Entscheidungsmechanismen kritisch hinterfragen. Schlie\u00dflich sind sie nicht nur Verursacher des Status quo, sondern auch die Treiber von Ver\u00e4nderung. Wie kann also eine nutzbringende, nachhaltige Entscheidung f\u00fcr neue Methoden oder Organisationsformen gelingen?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst geht es darum, Ursache und Wirkung zu unterscheiden: Was ist das origin\u00e4re Problem? Und was nur oberfl\u00e4chliches Symptom? Diese Fragen gehen im Alltag allzu h\u00e4ufig unter. Allerdings wird eine Behandlung von Symptomen allein keine nachhaltige Ver\u00e4nderung bewirken. Im Gegenteil: Scheinl\u00f6sungen werden nur Scheinergebnisse bewirken, Ressourcen verbrauchen und Mitarbeiter weiter demotivieren. Es muss also die Ursache-Wirkungs-Kette gekl\u00e4rt werden. Dazu hat sich die &#8220;5x Warum-Methode&#8221; von Toyoda Sakichi bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: In einem Unternehmen sind die Projektlaufzeiten zu lang, zuk\u00fcnftig soll alles schneller werden. Agiles Projektmanagement scheint die Methode der Wahl zu sein. Die weitere Analyse der Ursachen zeigt indes ein anderes Bild:<\/p>\n<ul>\n<li>WARUM dauern Projekte so lang? Weil die Mitarbeiter zu wenig Zeit f\u00fcr die Projekte haben.<\/li>\n<li>WARUM haben die Mitarbeiter zu wenig Zeit? Weil sie in zu vielen Projekten zeitgleich involviert sind und auch Tagesgesch\u00e4ft leisten m\u00fcssen.<\/li>\n<li>WARUM laufen so viele Projekte parallel? Weil die F\u00fchrungskr\u00e4fte alle Projektantr\u00e4ge genehmigen. Weil alles dringend ist.<\/li>\n<li>WARUM tun die F\u00fchrungskr\u00e4fte das? Weil sie sich nicht unbeliebt machen wollen.<\/li>\n<li>WARUM ist das so?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier liegt die Antwort dann auf einer anderen Ebene, n\u00e4mlich der der Unternehmenskultur, der Kompetenzen und Freir\u00e4ume der F\u00fchrungskr\u00e4fte. Nur Trainings zum Thema agiles Projektmanagement abzuhalten, h\u00e4tte das Problem nicht gel\u00f6st. Eine Ursachenanalyse liefert &#8211; auch wenn sie weh tut &#8211; die Grundlage f\u00fcr eine nachhaltige Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<h2>Untersch\u00e4tzte Irrt\u00fcmer<\/h2>\n<p>Geht man den Fehlern beim Einf\u00fchren neuer Methoden auf den Grund, tauchen drei Aspekte immer wieder auf. Jede Ver\u00e4nderung, jede neue Methodik ben\u00f6tigt:<\/p>\n<ul>\n<li>Ressourcen, und die m\u00fcssen geplant werden. Agilit\u00e4t bedeutet zum Beispiel nicht den Verzicht auf Ressourcenplanung. Oder wo sollen die Mitarbeiter f\u00fcr &#8220;agiles&#8221; Arbeiten herkommen?<\/li>\n<li>klare Entscheidungen \u00fcber das WAS, WER und WIE und das WAS, WER und WIE NICHT. Also auch zu den Projekten, die starten beziehungsweise auch nicht starten k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>die Unterst\u00fctzung auf allen Ebenen &#8211; also auch der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung.\n<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Ziele h\u00e4ufig ausgeblendet<\/h2>\n<p>Die Frage nach den Zielen wird h\u00e4ufig ausgeblendet. Was soll mit den Ver\u00e4nderungen erreicht werden? Machen wir das, weil ALLE es tun? Doch sicher nicht. Vielmehr muss die Frage lauten: Zahlen die Ziele f\u00fcr die neue Methode, die neue Organisationsform auf den Unternehmenszweck ein? Neben den konkreten Zielen brauchen Ver\u00e4nderungen gerade in der aktuellen VUCA-Welt Stabilit\u00e4t und Leitlinien, die allen Beteiligten Orientierung und Sicherheit vermitteln sowie einen Rahmen liefern. Im Sinn einer nachhaltigen Einf\u00fchrung von Agilit\u00e4t, Design Thinking &amp; Co. sind sie zunehmend ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor.<\/p>\n<p>Doch wie k\u00f6nnen Unternehmen nun aus der Vielzahl der aktuellen Hypes die passende Methode ausw\u00e4hlen? Entscheidend ist die eigene Objektivit\u00e4t. Also der Blick auf Daten, Fakten und Zusammenh\u00e4nge &#8211; statt der Glaube an die subjektiv gepr\u00e4gte Meinung. Zudem m\u00fcssen Entscheider nicht nur den Ver\u00e4nderungsbedarf im Unternehmen oder dem eigenen Bereich erkennen, sondern auch die Bereitschaft haben, die eigenen \u00dcberzeugungen kritisch zu hinterfragen. Sympathie, Antipathie und Animosit\u00e4ten geh\u00f6ren zur rationalen Auswahl.<\/p>\n<p>In der Praxis haben sich einige Werkzeuge f\u00fcr mehr Objektivit\u00e4t im Tagesgesch\u00e4ft bew\u00e4hrt:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Murder your darlings!<\/strong><br \/>Dieser eigentlich an Schriftsteller gerichtete Rat l\u00e4sst sich perfekt \u00fcbertragen. Z\u00fccken Sie an all den Stellen konsequent den Rotstift, die Ihnen besonders am Herzen liegen, die aber keinen wirklichen Mehrwert haben.\n<\/li>\n<li><strong>Disconfirmation<\/strong><br \/>Der Confirmation Bias ist ein Ph\u00e4nomen, das gute Entscheidungen behindert. Denn Informationen werden h\u00e4ufig so ausgew\u00e4hlt, dass sie die eigene Meinung, das eigene Weltbild best\u00e4tigen. Alles andere wird ausgeblendet. Pr\u00fcfen Sie also Ihre Glaubenss\u00e4tze und Entscheidungskriterien.<\/li>\n<li><strong>Sparring<\/strong><br \/>Im Sport an der Tagesordnung, fehlt sie Entscheidern h\u00e4ufig: die Au\u00dfensicht. Manager tendieren dazu, im eigenen System zu bleiben. Also: Lassen Sie sich die Meinung sagen &#8211; auch und gerade, wenn Sie sie nicht h\u00f6ren wollen.\n<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Auswahl mit \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Ver\u00e4nderung generiert nur Nutzen, wenn sie passgenau erfolgt. Und dazu ist ein \u00dcberblick \u00fcber m\u00f6gliche Methoden und Organisationsformen erforderlich, die Kenntnis der jeweiligen Vor- und Nachteile und der Kosten. Wichtig auch: was bedeutet die Ver\u00e4nderung f\u00fcr das Unternehmen, die Mitarbeiter, Kunden und andere Stakeholder? Um diese Fragen beantworten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen valide Informationen gesammelt werden &#8211; und nicht nur angebliche Erfolgsstories. Aussagekr\u00e4ftiger sind immer Erfahrungen, bei denen nicht alles rund gelaufen sind.<\/p>\n<p>Als Entscheidungshilfe zur Methodenauswahl hat sich die Stacey-Matrix in Verbindung mit dem Cynefin-Modell bew\u00e4hrt. Abh\u00e4ngig von der Klarheit des Ziels, der Anforderungen und des Umsetzungsweges wird dabei die Aufgabenstellung als einfach, kompliziert, komplex oder chaotisch bewertet und daraus entsprechende Methoden abgeleitet. So wird klar, dass beispielsweise Best Practices nur bei einfachen Aufgaben hilfreich sind. Komplexe oder chaotische Anforderungen ben\u00f6tigen agile L\u00f6sungen.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber die Autorin<br \/><\/em><\/strong><em><a href=\"https:\/\/www.xing.com\/profile\/Sabine_Dietrich3\/cv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sabine Dietrich<\/a> ist Management-Beraterin f\u00fcr Multiprojektmanagement, Projektmanagement, F\u00fchrungskr\u00e4fte-Entwicklung sowie Autorin. Im Jahr 2009 gr\u00fcndete sie ihr eigenes Beratungsunternehmen.<\/em><\/p>\n<p>Quelle:<a href=\"http:\/\/www.xing-news.com\/reader\/news\/articles\/2585397?cce=em5e0cbb4d.%3AuetxUJVKijCZR8Tf3x6PAK&amp;link_position=digest&amp;newsletter_id=49612&amp;toolbar=true&amp;xng_share_origin=email\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Xing-News &#8211; cio.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Automatisierung und Digitalisierung ver\u00e4ndern die Arbeitswelt massiv. 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