{"id":8740,"date":"2026-05-30T09:28:11","date_gmt":"2026-05-30T09:28:11","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/so-sieht-gelebte-vielfalt-im-unternehmen-aus-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:11","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:11","slug":"so-sieht-gelebte-vielfalt-im-unternehmen-aus-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/so-sieht-gelebte-vielfalt-im-unternehmen-aus-en\/","title":{"rendered":"So sieht gelebte Vielfalt im Unternehmen aus"},"content":{"rendered":"<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item introtext\">\n<p><em><strong>Vor gut acht Jahren hat der IT-Dienstleister Adacor mit dem Gendern interner Dokumente begonnen. Mittlerweile ist Vielfalt dort kein Schlagwort, sondern gelebter Arbeitsalltag: Nicht nur der Frauenanteil ist h\u00f6her, sondern auch die Offenheit gegen\u00fcber anderen Perspektiven und neuen Themen, wie Mitarbeitende berichten.<\/strong><\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item subsequent-teasertext column-1\">\n<p>Seit bald 20 Jahren unterst\u00fctzt die <a href=\"https:\/\/www.adacor.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Adacor Group<\/a> Unternehmen wie die GLS Bank, VW oder den Klett Verlag bei der Digitalisierung. An den drei Standorten Offenbach, Essen und G\u00fctersloh arbeiten insgesamt etwa 100 Mitarbeitende: Sie entwickeln technische Konzepte f\u00fcr die Digitalisierung von Gesch\u00e4ftsmodellen, bauen Cloud-Infrastrukturen auf und betreiben mehrere Rechenzentren in Frankfurt. 2019 unterschrieb die inhabergef\u00fchrte Firma die <a href=\"https:\/\/www.charta-der-vielfalt.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Charta der Vielfalt<\/a>, bereits vier Jahre zuvor hatte sie sich zu den Leitlinien des <a href=\"https:\/\/fortschrittsindex.erfolgsfaktor-familie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fortschrittsindex Vereinbarkeit<\/a> des Bundesfamilienministeriums bekannt. Auf <a href=\"https:\/\/www.kununu.com\/de\/adacor-hosting2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Kununu<\/a> erzielt Adacor beste Bewertungen, insbesondere in den Bereichen Gleichberechtigung und Umgang mit \u00e4lteren Teammitgliedern, und gilt als <a href=\"https:\/\/www.greatplacetowork.de\/beste-arbeitgeber\/deutschlands-beste-arbeitgeber\/deutschlands-beste-arbeitgeber-2020\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eGreat Place to Work\u201c<\/a>. Warum Diversit\u00e4t und Familienfreundlichkeit wichtige Werte bei Adacor sind, wie sie gelebt werden und in welchen Bereichen noch Entwicklungspotenzial besteht, beschreiben die Leiterin f\u00fcr People &amp; Culture, Kiki Radicke, sowie die Systemadministratorin Lara Nickolai und der Verwaltungsangestellte Benjamin Trigui.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item column-1\">\n<h2><span class=\"dachzeile\">DAS SAGT DIE LEITERIN PEOPLE &amp; CULTURE<\/span><\/h2>\n<h2>\u201eWir wollen niemanden ausschlie\u00dfen\u201c<\/h2>\n<p><em>Kiki Radicke ist 51 Jahre alt, arbeitet seit zehn Jahren bei Adacor und leitet den Bereich People &amp; Culture.<\/em><\/p>\n<p><strong>Faktor A: Vor drei Jahren trat Adacor der Arbeitgeberinitiative Charta der Vielfalt bei. Was waren die Gr\u00fcnde daf\u00fcr?<\/strong><\/p>\n<p>Kiki Radicke: Diversity ist f\u00fcr uns schon relativ lange ein wichtiges Thema. Ausl\u00f6ser war eine Kollegin, die nach einem Workshop mit vielen Kolleginnen und Kollegen auf mich zukam und sagte, inhaltlich sei alles super gewesen, aber sie h\u00e4tte sich nicht angesprochen gef\u00fchlt. Es h\u00e4tte immer nur Mitarbeiter, Teamleiter und Bereichsleiter gehei\u00dfen, doch sie als Frau habe sich nicht gemeint gef\u00fchlt. Das hat mich sehr getroffen, weil das nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht meine Absicht gewesen war. Doch in diesem Moment ist mir schlagartig klar geworden, wie ich selbst Sprache benutze bzw. wie wir im Unternehmen mit Sprache umgehen. Danach haben wir unternehmensweit mit der Umstellung begonnen. Das ist jetzt etwa acht Jahre her. Angefangen haben wir mit allen internen Dokumenten. Gendern ist gar nicht so einfach, wenn man es noch nie gemacht hat. Inzwischen ist es erfreulicherweise v\u00f6llig normal, von \u201eMitarbeitenden\u201c zu sprechen oder \u201eBesch\u00e4ftigte\u201c zu sagen.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item image-wrapper position-left size-1v3 float-text\">\n<figure><picture><source srcset=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/content\/uploads\/2022\/08\/kiki-radicke-adacor-150x160.png\" media=\"(max-width: 767px)\" \/><\/picture><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div class=\"content-item-floating column-1\">\n<p><strong>Wie kam die neue Sprachregelung bei Ihnen in der Firma an?<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn haben sich die Kolleginnen und Kollegen etwas schwergetan. Aber wir haben das durchgesetzt, eben weil wir alle mitnehmen wollen. Es gab auch durchaus Diskussionen mit dem Marketing, wo man der Meinung war, dass Doppelpunkte und Sternchen den Lesefluss behindern. Wir haben dann einen Mittelweg gefunden. Seitdem stellen wir S\u00e4tze um, benutzen m\u00e4nnliche und weibliche Form zusammen oder verwenden den Plural. Mittlerweile haben wir ein richtiges Diversity-Management aufgebaut: mit Zielen, die wir uns jedes Jahr setzen, den Ma\u00dfnahmen, die wir daf\u00fcr nutzen wollen, und der Dokumentation der Ergebnisse im Intranet.<\/p>\n<p><strong>Welches Projekt stand dann auf Ihrer Agenda?<\/strong><\/p>\n<p>Die Stellenanzeigen. Wir haben uns genau angeschaut, wie wir die Menschen ansprechen und mit welchen Attributen wir die Stellen beschreiben. Studien zeigen, dass Begriffe wie \u201ezielstrebig\u201c und \u201eerfolgsorientiert\u201c eher M\u00e4nner ansprechen, \u201eteamf\u00e4hig\u201c, \u201eemphatisch\u201c und \u201ebegeisterungsf\u00e4hig\u201c dagegen eher Frauen. Wir haben deshalb zwei Stellenanzeigen f\u00fcr die gleiche Position formuliert, um gezielt Frauen anzusprechen.<\/p>\n<p><strong>Ist Ihnen das gelungen?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz klar: Ja. Im Schnitt betr\u00e4gt der Frauenanteil in der IT 16 Prozent, bei uns sind es fast 25 Prozent. Aber nat\u00fcrlich hat das auch mit den vielen Angeboten zu tun, die wir zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen.<\/p>\n<p><strong>Wie divers ist Adacor denn mittlerweile? Ihr dreik\u00f6pfiges Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsteam ist zumindest nach wie vor sehr homogen: wei\u00df, m\u00e4nnlich, mittelalt \u2026<\/strong><\/p>\n<p>\u2026 und vermutlich sind wir auch nicht bahnbrechend divers, was die sexuelle Orientierung betrifft. Allerdings f\u00e4nde ich Daten in diesem Bereich sowieso irrelevant. Wie und warum sollte ich sie auch messen wollen? Am allerwichtigsten ist doch, dass klar ist, dass alle Mitarbeitenden im Unternehmen v\u00f6llig offen damit umgehen k\u00f6nnen, wen sie lieben. Andreas Bachmann, einer unserer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, war \u00fcbrigens in Sachen Diversity von Anfang an mit dabei. Er geh\u00f6rte auch zu denen, die sofort und konsequent ihre Sprache ver\u00e4ndert haben. Es war ihm wichtig, niemanden auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Und sonst? Wie wird Vielfalt im Alltag gelebt?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben keine Kantine, aber relativ viele Events. Klar, dass wir bei den Essensvorlieben R\u00fccksicht nehmen: auf die t\u00fcrkischen Kolleginnen und Kollegen, die bestimmtes Fleisch nicht essen, auf vegetarisch und vegan Essende. Das hei\u00dft, es gibt immer eine Auswahl, die f\u00fcr alle funktioniert. Und selbstverst\u00e4ndlich legen wir keine Feste in den Ramadan. Alle zwei bis vier Wochen bieten wir au\u00dferdem sogenannte Lunch-and-Learn-Sessions in der Mittagspause an, stellen das Essen, und dann erz\u00e4hlen Kolleginnen und Kollegen 20 bis 30 Minuten lang, was f\u00fcr andere interessant sein k\u00f6nnte, sei es \u00fcber das Zuckerfest, Triathlon oder \u2013 wie k\u00fcrzlich \u2013 \u00fcber Neurodiversit\u00e4t. Was sich noch ver\u00e4ndert hat, sind unsere R\u00e4ume. 2018 sind wir innerhalb Offenbachs umgezogen. Die Architektur am neuen Standort ist viel offener. Die gro\u00dfe K\u00fcche nutzen wir f\u00fcr das gemeinsame Essen, hier ergibt sich immer auch team\u00fcbergreifender Austausch. Das finde ich ganz wichtig. Denn der Ort erm\u00f6glicht Begegnungen und Gespr\u00e4che auch mit denen, die vielleicht anders aussehen oder anders orientiert sind.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie als Unternehmen ohnehin schon viel Wert auf Vielfalt gelegt haben, warum war es Ihnen dennoch wichtig, die Charta der Vielfalt\u00a0zu unterschreiben?<\/strong><\/p>\n<p>Es hat f\u00fcr uns tats\u00e4chlich noch mal einen gro\u00dfen Unterschied gemacht, ob wir unsere Werte nur aus dem Bauch heraus leben oder ob wir uns ganz offiziell dazu verpflichten. Damit setzen wir uns Ziele, die Teil unserer Quartalsplanung sind \u2013 und die wir \u00fcberpr\u00fcfen. Seitdem gibt es auch nach jedem Projekt eine Art Retrospektive, bei der wir unter anderem schauen, ob wir unseren eigenen Anspr\u00fcchen gerecht wurden. Den Tag der Vielfalt feiern wir auch. Im vergangenen Jahr haben wir uns daf\u00fcr am Standort Essen mit zwei anderen Firmen zusammengetan und die Initiative <a href=\"https:\/\/www.vielfalt-verbindet-unternehmen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eVielfalt verbindet Unternehmen\u201c<\/a>gegr\u00fcndet. Unsere Idee war, jedem Unternehmen kostenlos einen Werkzeugkasten zur Verf\u00fcgung zu stellen, um das Thema Diversity unkompliziert im eigenen Haus anzuschieben und dar\u00fcber ein Netzwerk in Nordrhein-Westfalen aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>Adacor hat sich auch f\u00fcr den \u201eFortschrittsindex Vereinbarkeit\u201c* zertifizieren lassen. Weshalb?<\/strong><\/p>\n<p>Einfach weil wir es wichtig finden. Wissen veraltet vor allem in der IT-Branche wahnsinnig schnell. Unsere Leute m\u00fcssen deshalb konsequent an den Inhalten dranbleiben, was extrem anstrengend ist. Also m\u00fcssen wir sie als Unternehmen darin unterst\u00fctzen, das auch mit zu pflegenden Eltern oder Kinderbetreuung zu schaffen. Denn nur dann k\u00f6nnen wir als Unternehmen erfolgreich sein. Aktuell sind wir dabei, einen Prozess aufzusetzen, durch den unsere Mitarbeitenden nach ihrer Elternzeit wieder gut einsteigen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rt ein Entwicklungsgespr\u00e4ch vor der Pause ebenso wie die Planung einer Einarbeitungszeit, aber auch die Einladung zu Firmenevents und Angebote zur Weiterbildung. Gute Fachleute zu finden, ist nicht einfach. Und wenn sie schon da sind, m\u00f6chten wir sie nat\u00fcrlich auch halten.<\/p>\n<p>_____<\/p>\n<p>* <a href=\"https:\/\/fortschrittsindex.erfolgsfaktor-familie.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fortschrittsindex Vereinbarkeit<\/a><\/p>\n<p>Gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) hat das Bundesministerium f\u00fcr Familie, Senioren, Frauen und Jugend den Fortschrittsindex Vereinbarkeit entwickelt. Dabei bekennen sich Firmen zu einer familienfreundlichen Unternehmenskultur, verpflichten sich zu sogenannten Leitlinien wie Vielfalt, die sich in der Wertsch\u00e4tzung aller Lebensentw\u00fcrfe zeigen. Anhand von zw\u00f6lf Kennzahlen \u2013 darunter der Anteil von M\u00e4nnern und F\u00fchrungskr\u00e4ften in freiwilliger Teilzeit sowie der betrieblichen Unterst\u00fctzung von Besch\u00e4ftigten bei der Pflege \u2013 l\u00e4sst sich j\u00e4hrlich unkompliziert messen, wie sich die eigene familienbewusste Unternehmenskultur auch im Vergleich zu anderen entwickelt. Ein Teilnahmesiegel best\u00e4tigt diese familienbewusste Unternehmenskultur. Seit Ende 2021 gibt es auch eine Miniversion, den sogenannten Fortschrittsindex Quick. Es ist ein besonders niedrigschwelliges Angebot, bei dem sich Unternehmen auch nur bei einzelnen, f\u00fcr sie wichtigen Kennzahlen wie flexible Arbeitszeiten oder Homeoffice mit anderen vergleichen k\u00f6nnen.<br \/>______<\/p>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item column-1\">\n<h2><span class=\"dachzeile\">DAS SAGEN DIE MITARBEITENDEN<\/span><\/h2>\n<h2>\u201eWenn ich mir etwas w\u00fcnschen d\u00fcrfte, dann noch mehr Kolleginnen\u201c<\/h2>\n<p><em>Lara Nickolai ist 30 Jahre alt und arbeitet seit f\u00fcnf Monaten als Systemadministratorin bei Adacor.<\/em><\/p>\n<p>\u201eSchon bald nach Beginn meiner Ausbildung wusste ich, dass ich in dem Unternehmen nicht l\u00e4nger bleiben w\u00fcrde als n\u00f6tig. Es lief dort nicht gerade optimal, vor allem, was die Gleichberechtigung betraf. Zum einen, weil auf Auszubildende gerne ein bisschen herabgeschaut wurde, zum anderen, weil ich als Frau einen m\u00e4nnlich gepr\u00e4gten Beruf lernte \u2013 mit der Folge, dass von meinen Kollegen immer wieder sexistische Spr\u00fcche kamen. Auch von meinem Ausbilder. Als ich ihm zum Beispiel mein Halbjahreszeugnis von der Berufsschule mit einem Notendurchschnitt von 1,0 zeigte, durfte ich mir anh\u00f6ren, dass ich bei den Lehrern bestimmt voll den guten Hundeblick draufh\u00e4tte. Solche Bemerkungen gab es regelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>Von einem Bekannten hatte ich geh\u00f6rt, dass das Klima bei Adacor gut sein solle. Also habe ich mir bei Kununu die Bewertungen angeschaut und nat\u00fcrlich auch die Webseite des Unternehmens. Dort fand ich unter anderem einen Blogartikel, den eine Angestellte und eine Auszubildende gemeinsam zum Thema Gleichberechtigung geschrieben hatten. Die beiden betonten darin, wie sehr die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung darauf achtet, dass Gleichberechtigung wirklich umgesetzt wird. Auf der Seite stie\u00df ich auch zum ersten Mal auf die Charta der Vielfalt. Da in meinem Familien- und Freundeskreis einige Menschen sind, die transgender sind oder aus anderen Gr\u00fcnden nicht der Norm entsprechen, sind mir die Themen Vielfalt, Antirassismus und Diversit\u00e4t sehr wichtig.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item image-wrapper position-right size-1v3 float-text\">\n<figure><picture><source srcset=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/content\/uploads\/2022\/08\/lara-nickolai-150x225.jpg\" media=\"(max-width: 767px)\" \/><\/picture><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div class=\"content-item-floating column-1\">\n<p>Im Support arbeite ich mit f\u00fcnf Kollegen sehr eng zusammen, insgesamt sind wir zu zehnt und zumindest altersm\u00e4\u00dfig gemischt. Kolleginnen habe ich auch, aber die arbeiten in der Entwicklungsabteilung. In meiner Berufsschulklasse waren wir \u00fcbrigens 30 \u2013 29 davon M\u00e4nner. Selbst f\u00fcr Unternehmen wie Adacor, die explizit Frauen f\u00fcr den IT-Bereich suchen, ist es extrem schwierig, welche einzustellen \u2013 einfach weil es kaum welche gibt. Und das hat vermutlich auch damit zu tun, dass man in vielen Betrieben sp\u00fcrt, als Frau mindestens doppelt so viel leisten zu m\u00fcssen, um \u00e4hnlich anerkannt zu werden wie ein Mann. Ich kann verstehen, dass da nicht jede Lust drauf hat.<\/p>\n<p>Auch bei Adacor gibt es gelegentlich noch diesen alten, wei\u00dfen M\u00e4nnerhumor, bei dem man sich fragt: \u201aIn welchem Jahrhundert bist du denn bitte gerade gelandet?\u2018 Aber im Gegensatz zu meinem Ausbildungsbetrieb kann man das dann ansprechen, ohne das Gef\u00fchl zu haben, allein mit dieser Ansicht zu sein. Denn s\u00e4mtliche Vorgesetzte sehen das wie ich und leben das auch. Das vermittelt enorm viel Sicherheit.<\/p>\n<p>Wenn ich mir etwas w\u00fcnschen d\u00fcrfte, dann nat\u00fcrlich noch mehr Kolleginnen. Und dass an den freiwilligen Vortr\u00e4gen und Schulungen zum Thema Diversit\u00e4t nicht immer nur dieselben Leute teilnehmen, sondern auch die, denen es durchaus gutt\u00e4te.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item column-1\">\n<h2>\u201eVielfalt war hier immer schon normal\u201c<\/h2>\n<p><em>Benjamin Trigui, 38, arbeitet seit 2013 als Verwaltungsangestellter bei Adacor.<\/em><\/p>\n<p>\u201eIch war bei einer gro\u00dfen Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft angestellt, als mich ein Freund, der bei Adacor arbeitete, fragte, ob ich nicht wechseln wolle: In der Verwaltung w\u00fcrde jemand gesucht. Eigentlich hatte ich kein Interesse: Meine Kollegen waren nett, ich kannte meinen Job und bekam jedes Jahr eine 0,5-prozentige Gehaltserh\u00f6hung. Doch alles, was er mir erz\u00e4hlte, gefiel mir: die flexiblen Arbeitszeiten, die gemeinsamen Mittagspausen, das regelm\u00e4\u00dfige Feedback. Ich mochte das Famili\u00e4re, das er beschrieb, das Duzen, die flachen Hierarchien. \u00dcberhaupt fand ich das ganze Paket aus Teamevents, Fitnessstudio und \u00dcbernahme von Kitabeitr\u00e4gen echt attraktiv. Ziemlich cool war auch, dass man als normaler Verwaltungsangestellter sein Diensthandy wie alle anderen frei w\u00e4hlen konnte \u2013 und nicht wie sonst \u00fcblich nur bis zu einem bestimmten Betrag.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item image-wrapper position-left size-1v3 float-text\">\n<figure><picture><source srcset=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/content\/uploads\/2022\/08\/benjamin-trigui-150x151.jpg\" media=\"(max-width: 767px)\" \/><\/picture><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<div class=\"content-item-floating column-1\">\n<p>In meiner Abteilung sind wir zu sechst: vier Frauen, zwei M\u00e4nner, von 25 bis 60 Jahre, also ziemlich gemischt. In unserem Team bin ich allerdings der Einzige mit einem arabischen Nachnamen. In meinem alten Unternehmen gab es immer wieder mal so Spr\u00fcche wie: \u201eWann schlie\u00dft du dich eigentlich dem IS an?\u201c und: \u201eBist du auch ein Schl\u00e4fer?\u201c. Ich fand das nicht lustig. Bei Adacor habe ich so etwas nie erlebt, hier werde ich auch nicht schief angeschaut, wenn ich in T-Shirt und kurzer Hose zur Arbeit komme. Denn egal ob privater Musikgeschmack oder religi\u00f6se Speisevorschriften \u2013 all das ist okay, niemand macht dar\u00fcber flapsige Bemerkungen. Vielfalt war hier immer schon normal, ich kenne das gar nicht anders. Trotzdem finde ich es super, dass die Charta unterschrieben wurde. Das hat einfach gr\u00f6\u00dferes Gewicht. Man denkt dann \u00fcber die Werte immer wieder nach, vor allem dann, wenn Menschen andere Erfahrungen gemacht haben oder anders denken und empfinden als man selbst.<\/p>\n<p>Von dem Vereinbarkeitssiegel hatte ich anfangs kaum etwas mitbekommen \u2013 daf\u00fcr jetzt allerdings ziemlich viel. Meine Frau hatte vor knapp vier Wochen einen Bandscheibenvorfall und konnte unseren 15 Monate alten Sohn weder hochnehmen noch tragen. Also musste ich von jetzt auf gleich Familie und Beruf unter einen Hut kriegen. Ich dachte, das schaffe ich nicht. Doch mein Team hat sofort alle meine Termine \u00fcbernommen und gesagt: \u201aBleib im Homeoffice und schau, was du schaffst.\u2018 So konnte ich auch mal am Nachmittag mit meinem Sohn auf den Spielplatz gehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Die Stunden, die ich jetzt weniger arbeite, werden einfach mit meinem Urlaub verrechnet \u2013 f\u00fcr mich eine super L\u00f6sung. In meinem Freundeskreis bin ich \u00fcbrigens der Einzige, bei dem so etwas m\u00f6glich ist. Sogar mein Antrag auf den Partnerschaftsbonus, bei dem beide Eltern f\u00fcr vier Monate Teilzeit arbeiten, ist schon durch. Bei Adacor werde ich bestimmt noch l\u00e4nger bleiben.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/arbeitswelt-gestalten\/so-sieht-gelebte-vielfalt-im-unternehmen-aus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Faktor A &#8211; Das Arbeitgebermagazin<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor gut acht Jahren hat der IT-Dienstleister Adacor mit dem Gendern interner Dokumente begonnen. 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