{"id":8719,"date":"2021-02-26T01:02:33","date_gmt":"2021-02-26T01:02:33","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/scheitern-als-chance-fuer-entwicklung-und-wachstum-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:09","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:09","slug":"scheitern-als-chance-fuer-entwicklung-und-wachstum-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/scheitern-als-chance-fuer-entwicklung-und-wachstum-en\/","title":{"rendered":"Scheitern als Chance f\u00fcr Entwicklung und Wachstum"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u00dcber erlebte Niederlagen im Coaching zu sprechen, f\u00e4llt vielen F\u00fchrungskr\u00e4ften schwer. Warum ist das so? In unserer Gesellschaft hat Scheitern, das potentiell vermeidbare Fehlschl\u00e4ge bis zu tiefgreifenden, mitunter Existenz bedrohende Niederlagen umfasst, ein schlechtes Image. \u00dcber Scheitern wird nicht gesprochen \u2013 obwohl es genauso zum Leben geh\u00f6rt, wie der Erfolg. Scheitern ist peinlich, schambesetzt und die Angst vor H\u00e4me ist gro\u00df.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Folglich ist jedes Tun verbissen auf Erfolg ausgerichtet, und die Wenigsten k\u00f6nnen den Weg und die damit verbundenen H\u00fcrden zum Ziel spielerisch nehmen und R\u00fcckschl\u00e4ge als einen Erkenntnisgewinn und wertvollen Entwicklungsschritt sehen. Es entspricht unserer deutschen Mentalit\u00e4t, dass Scheitern unter allen Umst\u00e4nden vermieden wird; somit ist es auch keine Option. Hoffnung geben allerdings die vielen neu gegr\u00fcndeten Start-ups: Diese Generation hat begriffen, dass Fehler machen, scheitern d\u00fcrfen und wieder aufstehen, wichtige Lernerfahrungen sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8220;Scheitern geh\u00f6rt zum Leben dazu, und der Umgang damit will gelernt sein.&#8221;<\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<h2>Mut zum Scheitern haben<\/h2>\n<p>Der Controller Michael Reiners (Name von der Redaktion ge\u00e4ndert) ist vor einem Jahr zum Finanzleiter bef\u00f6rdert worden. Im Zuge der Transformation soll er mit seinem neu formierten Team die Controlling-Prozesse digitalisieren. Anspruchsvolle Aufgaben warten auf ihn: Er muss neue MitarbeiterInnen einarbeiten und entscheiden, wer welche Projekte \u00fcbernehmen kann. Konnte er fr\u00fcher schnell Entscheidungen treffen, schiebt er die anstehenden Themen nun vor sich her. Die Angst als F\u00fchrungskraft zu scheitern und so den Erwartungen der Gesch\u00e4ftsleitung nicht gerecht zu werden, l\u00e4hmt und macht ihn entscheidungsunf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Wie dem Finanzleiter geht es vielen F\u00fchrungskr\u00e4ften: Um ein Scheitern und eine Stigmatisierung durch das Umfeld zu umgehen, werden Risiken ausgewichen und anstehende Entscheidungen in der Abteilung bis zum Exzess gepr\u00fcft und bewertet. Der stetige Versuch, Niederlagen zu vermeiden, ist aber Sisyphusarbeit und leugnet die Tatsache, dass wirklicher Erfolg erst durch Scheitern m\u00f6glich wird.<\/p>\n<h2>Scheitern: Niederlagen als Lernchance<\/h2>\n<p>Beim pers\u00f6nlichen Umgang mit Niederlagen zeigen sich F\u00fchrungsqualit\u00e4ten \u2013 n\u00e4mlich die Akzeptanz von Fehlern und einem m\u00f6glichen Scheitern. Eine gro\u00dfe Rolle spielt hierbei die Unternehmenskultur, die anerkennt, dass Fortschritt nur m\u00f6glich ist, wenn man auch dem Scheitern Raum gibt und Misserfolge erlaubt. Oft machen F\u00fchrungskr\u00e4fte die Erfahrung, dass sie gebrandmarkt werden, wenn sie einen Misserfolg zum Beispiel in einem Meeting vor versammelter Mannschaft zugeben.<\/p>\n<p>Mit der scheiterf\u00e4higen Kultur, die Niederlagen als Lernchance ansieht, steht und f\u00e4llt, ob eine F\u00fchrungskraft risiko- bzw. entscheidungsfreudig sein kann, ob anstehende Ver\u00e4nderungen durchgesetzt oder selbstwertschonend schleppend oder gar nicht umgesetzt werden. Diese Entscheidungsohnmacht hat eine negative Wirkung auf die MitarbeiterInnen, die sich aus ihren \u00c4ngsten heraus wegducken und keine Verantwortung \u00fcbernehmen wollen oder d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Damit MitarbeiterInnen frei und kreativ agieren k\u00f6nnen, braucht es zun\u00e4chst eine gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Geschehenen: Was ist warum schief gelaufen? Was haben wir nicht bedacht? Diese Fragen tragen zum Erkenntnisgewinn bei und richten den Blick auf den notwendigen Kurswechsel. Wichtig dabei: Das Scheitern bewusst zu akzeptieren, die MitarbeiterInnen in die Aufarbeitung einzubeziehen und ihre Ideen wertzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<h2>Gescheiterte verdienen Anerkennung<\/h2>\n<p>Machen F\u00fchrungskr\u00e4fte eine Scheiter-Erfahrung sind sie meist emotional sehr betroffen; oft stellen sie sich als Person infrage und es k\u00f6nnen Versagens\u00e4ngste entstehen, weil sie bef\u00fcrchten, den Erwartungen und Anspr\u00fcchen anderer nicht zu gen\u00fcgen, sie zu entt\u00e4uschen und Beziehungen zu wichtigen Menschen zu verlieren. F\u00fcr die Betroffenen ist es daher wichtig, zun\u00e4chst ein Selbstmitgef\u00fchl zu entwickeln und sich ihren Selbstwert bewusst zu machen.<\/p>\n<p>Dass Scheitern im Leben vorkommt und Fehler menschlich sind, wissen auf der intellektuellen Ebene die meisten Menschen. Die Herausforderung ist jedoch, mit sich selbst in Ber\u00fchrung zu kommen und sich auch emotional von seinen \u00c4ngsten und Schuldgef\u00fchlen zu l\u00f6sen. Dennoch kann man nicht immer gleich Gutes im Scheitern sehen, wenn man drinsteckt. Es muss gut verarbeitet werden \u2013 und das braucht Zeit und auch die Neugier und den Mut, sich auf sich selbst einzulassen. Die Kunst ist, sich eine aufrechte Haltung zu bewahren und sich trotz der Niederlage nicht als Versager zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8220;Wer scheitert, verdient Anerkennung, weil er gehandelt hat!&#8221;<\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<h2>F\u00fcr gutes Scheitern: Selbstwertgef\u00fchl und Resilienz<\/h2>\n<p>Ein Coach als Sparringspartner kann best\u00e4rkende Impulse setzen und dabei unterst\u00fctzen, den Selbstwert zu st\u00e4rken. Mittels reflexiver Fragen wird im Coaching ergr\u00fcndet, was den Betroffenen jenseits von \u201eidealisierten\u201c Leistungen und Erfolgen ausmacht. So kann er sich seinen Wert bewusst machen, und die Fixierung auf m\u00f6glicherweise \u00fcberzogene Ideale k\u00f6nnen nach und nach los gelassen werden. Wer ein gutes Selbstwertgef\u00fchl hat, kann sich auch eher erlauben, einen Kurs zu korrigieren, Umwege in Kauf zu nehmen oder sich von einem zu hoch gesteckten Ziel zu verabschieden. Dadurch gelingt es eher, sich von \u00c4u\u00dferlichkeiten und Erwartungen oder vom Verhalten anderer unabh\u00e4ngiger zu machen.<\/p>\n<p>Um mit Fehlern und Scheitern produktiv umzugehen und damit Krisen besser abfangen zu k\u00f6nnen, braucht es resiliente F\u00fchrungskr\u00e4fte. Au\u00dferdem einen wertsch\u00e4tzenden Umgang im F\u00fchrungskreis mit Gescheiterten \u2013 nicht nur mit anderen, auch vor allem mit sich selbst und dass kann zu einem bedeutenden Meilenstein f\u00fchren, wenn es rational und emotional verarbeitet wird.<\/p>\n<h2>Gescheitert zum Erfolg<\/h2>\n<p>\u00a0Wie Scheitererfahrungen Menschen reifer und reicher machen:<\/p>\n<ul>\n<li>Bei jeder Entscheidung &#8211; sowohl beruflich als auch privat &#8211; von Anfang an anzuerkennen, dass Scheitern auch immer eine Option sein kann<\/li>\n<li>Selbstverantwortung \u00fcbernehmen! Nicht die Schuld woanders suchen und so Umfeld und Umst\u00e4nde f\u00fcr sein Scheitern verantwortlich machen. Das verhindert, dass man aus dem Misserfolg lernt<\/li>\n<li>Nicht im blinden Aktionismus alles daf\u00fcr tun, um das Scheitern ganz schnell zu \u00fcberwinden. Innhalten ist angesagt! Innehalten tr\u00e4gt dazu bei, sich bewusst wahrzunehmen, seine Handlungsweise geduldig zu hinterfragen, um so einen nachhaltigen Kurswechsel einzuleiten<\/li>\n<li>Sich den pers\u00f6nlichen \u00c4ngsten und Bef\u00fcrchtungen in einem Scheiter-Prozess zu stellen und um Unterst\u00fctzung zu bitten, ist eine Kompetenz<\/li>\n<li>Die Kunst liegt nicht einzig und allein in einer erfolgreichen \u00dcberwindung des Scheiterns, sondern vor allem in der F\u00e4higkeit, dass Unfassbare und Ungewisse aushalten zu k\u00f6nnen<\/li>\n<li>Ein wertsch\u00e4tzender Umgang mit sich selbst! Wer nicht achtsam mit sich nach einem Scheitern umgeht und immer nur &#8220;macht&#8221;, scheitert erst recht an sich selbst<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber die Autorin<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Als Coach, Konfliktberaterin und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklerin ist <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/gerda-bornschier-691a616a\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Gerda Bornschier<\/a> in M\u00fcnchen und \u00fcberregional t\u00e4tig. Ihre Schwerpunkte sind Coachings f\u00fcr Privatpersonen in Umbruchsituationen und in Phasen der Neuorientierung sowie Coachings f\u00fcr Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4fte und Executives auf dem Weg in die neue Arbeitswelt.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/unternehmer.de\/psychologie\/266532-scheitern-als-chance\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">unternehmer.de<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber erlebte Niederlagen im Coaching zu sprechen, f\u00e4llt vielen F\u00fchrungskr\u00e4ften schwer. Warum ist das so? 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