{"id":8696,"date":"2026-05-30T09:28:08","date_gmt":"2026-05-30T09:28:08","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/new-work-die-wende-zum-besseren-beginnt-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:08","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:08","slug":"new-work-die-wende-zum-besseren-beginnt-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/new-work-die-wende-zum-besseren-beginnt-en\/","title":{"rendered":"New Work: &#8220;Die Wende zum Besseren beginnt&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Kommandieren und kontrollieren ist Old Work. New Work ist die Zukunft, meint Carsten Schermuly, Professor f\u00fcr Wirtschaftspsychologie.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>New Work ist ein Gewinner der Krise, meint <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/prof-dr-carsten-c-schermuly-bb5060190\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Carsten Schermuly, Professor f\u00fcr Wirtschaftspsychologie <\/a>an der Hochschule SRH Berlin und dort als Vizepr\u00e4sident f\u00fcr Forschung und Transfer t\u00e4tig. Seine Aussage st\u00fctzt er auf seine Studie, eine Online-Befragung unter rund 450 Unternehmen. &#8220;Die meinen, dass New Work durch die Corona-Pandemie und die disruptiven Ver\u00e4nderungen etwa in der Automobilindustrie mehr Bekanntheit und Zulauf erhalten hat.&#8221; Unternehmen experimentieren mit neuen Arbeitsmodellen und Strukturen, um den Anforderungen der Besch\u00e4ftigten gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Arbeitnehmer fordern zunehmend etwa Selbstbestimmung bei ihrer Arbeit und Einfluss auf ihre Arbeit, einen bedeutsamen und kompetenten Job. Diese vier Faktoren fasst Schermuly unter dem Begriff psychologisches Empowerment zusammen. Das f\u00fchrt zu h\u00f6herer Zufriedenheit und Leistungsf\u00e4higkeit und reduziert emotionale Ersch\u00f6pfung und langfristig Depressionen. Unternehmen, die solche Jobs bieten, werden f\u00fcr Besch\u00e4ftigte attraktiv. Darin liegt die Win-win-Situation von New Work.<\/p>\n<h2>Es ist ziemlich still geworden um New Work, der grundlegenden Ver\u00e4nderung unserer Arbeitswelt. Ist der Wandel ein Opfer der Pandemie geworden?<\/h2>\n<p>Prof. Dr. Carsten Schermuly: Es kommt darauf an, wie New Work definiert wird. Wir erstellen j\u00e4hrlich das <a href=\"administrator\/index.php?option=com_zoo&amp;controller=item&amp;task=edit&amp;type=article\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">New-Work-Barometer<\/a> und haben bei der Befragung im vergangenen Jahr festgestellt, dass New Work ein Krisengewinner ist. 80 Prozent der befragten Unternehmen sehen die Krise als einen positiven Faktor f\u00fcr New Work.<\/p>\n<h2>Wie definieren Sie New Work?<\/h2>\n<p>F\u00fcr unser Barometer befragen wir, was die Unternehmen unter dem Begriff verstehen. Das urspr\u00fcngliche Verst\u00e4ndnis von Frithjof Bergmann wird als Sozialutopie abgetan, in dem langfristig die Lohnarbeit abgeschafft werden sollte. Das erscheint vielen unrealistisch. Am h\u00e4ufigsten gehen die Befragten davon aus, dass New Work Ma\u00dfnahmen sind, mit denen das psychologische Empowerment von Mitarbeitenden stimuliert wird. Dies meint das Erleben eigener Bedeutsamkeit und Kompetenz sowie Selbstbestimmung und Einfluss bei und auf die Arbeit. Mit dieser Definition arbeiten wir.<\/p>\n<h2>Wie lassen sich die vier Faktoren des psychologischen Empowerments erreichen?<\/h2>\n<p>Laut dem Barometer sind das um die 30 Ma\u00dfnahmen. Die am h\u00e4ufigsten eingesetzte ist agile Projektarbeit, dann folgen moderne F\u00fchrungsstile und offene B\u00fcrostrukturen sowie Klassiker der Organisationsentwicklung wie mobiles Arbeiten und Abflachung von Hierarchien. Vieles von dem Genannten hat das Potenzial psychologisches Empowerment freizusetzen.<\/p>\n<h2>New Work regelt also die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Besch\u00e4ftigten auf psychologischer Ebene neu.<\/h2>\n<p>Genau. Die Wahrnehmung der Arbeitsrolle wird durch New Work neu definiert und tats\u00e4chlich gibt es hier die vier genannten Kognitionen, die dabei stimuliert werden. New Work hat \u00fcber psychologisches Empowerment die psychologischen Konsequenzen wie etwa, dass die Stressbelastung sinkt und die Menschen zufriedener am Arbeitsplatz sind. Die Innovationsleistung steigt und Menschen wollen sogar trotz Rentenalter in solchen positiven Arbeitsverh\u00e4ltnissen bleiben. Das ergab eine aktuelle Studie. Beeindruckend, wie ich finde.<\/p>\n<h2>Ist New Work eine Ver\u00e4nderung, die sich zwangsweise aufgrund unterschiedlicher Umst\u00e4nde ergibt?<\/h2>\n<p>Ja und am Anfang dieser Entwicklung steht die VUCA-Welt, die einen gewissen Druck aus\u00fcbt. Die vier Buchstaben sind ein Akronym, das \u00fcbersetzt die Begriffe Volatilit\u00e4t, Unsicherheit, Komplexit\u00e4t und Mehrdeutigkeit bedeutet. Weil sich unsere Welt dahin gehend ver\u00e4ndert hat, besch\u00e4ftigen sich viele Unternehmen damit, Arbeit in ihrer Organisation anders zu gestalten, mit dem Ziel, die \u00e4u\u00dfere Komplexit\u00e4t mit einer inneren Komplexit\u00e4t spiegeln zu k\u00f6nnen. Daf\u00fcr experimentieren sie mit verschiedenen Ma\u00dfnahmen, die unter dem Label &#8220;New Work&#8221; assoziiert werden. Wenn das gelingt, gewinnen sie als Profit das psychologische Empowerment. Dass die Menschen \u00fcber diese vier Forderungen der Arbeitswahrnehmung agiler und aktiver werden, das wird dann als New Work bezeichnet. Ein fruchtbarer Boden daf\u00fcr besteht, wenn Kreativit\u00e4t f\u00fcr die Arbeit notwendig ist, Kollegen kooperieren m\u00fcssen und bei komplexen Aufgaben. Wenn das alles nicht gegeben ist, dann ist die Notwendigkeit f\u00fcr New-Work-Ma\u00dfnahmen geringer.<\/p>\n<h2>In der IT wohl schon, denn dort ist die Keimzelle von New Work mit agilen Arbeitsmethoden \u2026<\/h2>\n<p>\u2026 ja und die IT leidet seit Langem unter einem Fachkr\u00e4ftemangel und deshalb hat sich die Branche schon fr\u00fch Gedanken dar\u00fcber gemacht, wie Arbeit so organisiert werden kann, dass Menschen Lust haben, in diesen Firmen zu arbeiten. F\u00fcr die IT-Branche war schon fr\u00fcher als in anderen ein gewisser Handlungsdruck da. Aufgrund von Corona \u00e4ndern aktuell gro\u00dfe Industrieunternehmen ihr Verst\u00e4ndnis der Arbeitswelt. Demokratisierung, Digitalisierung und Dezentralisierung der Arbeitswelt, also die drei D, mit denen teilweise auch New Work bezeichnet wird, da funktioniert unsere Organisation nicht mehr und wir m\u00fcssen etwas \u00e4ndern. Diese Firmen sp\u00fcren, dass sie ihre Arbeitsweisen nach Corona \u00e4ndern m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>Sie sagten, dass IT-Unternehmen aufgrund des Arbeitskr\u00e4ftemangels gezwungen waren, ihre Organisation attraktiver zu gestalten. Laut dem Branchenverband Bitkom gibt es immer noch einen Mangel an IT-Fachkr\u00e4ften, der immer gr\u00f6\u00dfer wird. Hat die Idee mit New Work nicht funktioniert?<\/h2>\n<p>Doch schon, nur jagen sich die Firmen gegenseitig Personal ab. Was nicht funktioniert hat, ist, so viel IT-Ausbildung zu betreiben, dass der Mangel gedeckt werden kann. Hinzu kommt, dass der Bedarf an IT-Experten eben st\u00e4ndig steigt. Es scheint ein Fass ohne Boden zu sein.<\/p>\n<h2>Was hat sich in deutschen Unternehmen hinsichtlich New Work schon ver\u00e4ndert?<\/h2>\n<p>Lassen Sie mich zuerst aus unserer Studie zitieren. 90 Prozent der Befragten sagten, dass sie durch Digitalisierung, Homeoffice und die Erprobung von Kollaborationtools New Work mehr Aufmerksamkeit in den Unternehmen erfahren wird. Gut zwei Drittel gehen davon aus, dass sich die Arbeitswelt durch die aktuelle Krise radikal ver\u00e4ndern und langfristig auf die Prinzipien von New Work einstellt. Ich sehe in vielen Firmen, dass sie die ersten Schritte wagen. In gro\u00dfen Unternehmen beginnen F\u00fchrungskr\u00e4fte \u00fcber eine andere Art der Zusammenarbeit nachzudenken und werden darin trainiert. Sie schaffen F\u00fchrungskr\u00e4fte nicht ab, sie behalten sie bei, aber die agieren anders, etwa mit empowermentorientierter F\u00fchrung. Dazu z\u00e4hlt, dass F\u00fchrungskr\u00e4fte sinnstiftend und partizipierend arbeiten und sie Kompetenzentwickler sind.<\/p>\n<h2>New Work bedarf eines v\u00f6llig neuen Bewusstseins bei allen Besch\u00e4ftigten. Kann das geschult werden oder muss so etwas wachsen mit neuen Generationen?<\/h2>\n<p>Neue Generationen werden von sich aus New Work einfordern. Wir an unserer Hochschule haben Vorlesungen im herk\u00f6mmlichen Sinn abgeschafft, das ist nun eine Ausbildung auf Augenh\u00f6he. New Work ist ein Wechselspiel zwischen organisationalen Strukturen, die sich ver\u00e4ndern hin zu mehr Demokratisierung der Person und den Kulturen. In diesem Dreiklang bewegt sich das Spiel hin zu New Work.<\/p>\n<h2>Was bewirkt New Work in den Unternehmen und was in den Menschen?<\/h2>\n<p>Psychologisches Empowerment f\u00fchrt zu mehr Zufriedenheit und h\u00f6herer Leistungsf\u00e4higkeit. Emotionale Ersch\u00f6pfung wird reduziert und langfristig werden weniger Besch\u00e4ftigte depressiv. Es sind zun\u00e4chst Mikrover\u00e4nderungen die auf lange Sicht die gesamte Gesellschaft \u00e4ndern k\u00f6nnen. Wer gl\u00fccklich von der Arbeit kommt, handelt anders als ein Mensch, der w\u00e4hrend der Arbeit psychisch fertig gemacht wird, wie es heute nicht selten vorkommt. Ich gehe davon aus, dass New Work sich positiv auf eine Vielzahl unserer Lebensbereiche auswirkt, nicht nur die Arbeit.<\/p>\n<p><em>Quelle:<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/New-Work-Die-Wende-zum-Besseren-beginnt-5070782.html?wt_mc=rss.red.ho.ho.atom.beitrag.beitrag&amp;xing_share=news\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> heise online<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kommandieren und kontrollieren ist Old Work. New Work ist die Zukunft, meint Carsten Schermuly, Professor f\u00fcr Wirtschaftspsychologie. 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