{"id":8691,"date":"2026-05-30T09:28:08","date_gmt":"2026-05-30T09:28:08","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/new-work-braucht-neue-kompetenzmodelle-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:08","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:08","slug":"new-work-braucht-neue-kompetenzmodelle-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/new-work-braucht-neue-kompetenzmodelle-en\/","title":{"rendered":"New Work braucht neue Kompetenzmodelle"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Alte Kompetenzmodelle wurden auf das Industriezeitalter ausgelegt. Wer in die Zukunft m\u00f6chte, muss die Modelle auf neue F\u00e4higkeiten und Kompetenzen ausrichten, erkl\u00e4rt L&amp;D-Experte und Kolumnist Dominique Ren\u00e9 Fara.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>In vielen Organisationen entscheiden Kompetenzmodelle \u00fcber die Ausrichtung des gesamten Unternehmens. Was an Weiterbildungen angeboten wird, h\u00e4ngt davon ab, welche Kompetenzen gest\u00e4rkt werden sollen. Welche Menschen gesucht und rekrutiert werden, wird ebenfalls am Kompetenzkatalog ausgerichtet.<\/p>\n<h2>Veraltete Kompetenzmodelle bringen uns nicht in die Zukunft<\/h2>\n<p>Auf den Punkt gebracht: Die Mitarbeitenden in unseren Organisationen werden dorthin entwickelt, wohin unsere Kompetenzmodelle uns den Weg weisen. Haben wir also veraltete Kompetenzmodelle, so entwickeln wir Menschen f\u00fcr die Vergangenheit und stellen auch Leute ein, die uns zur\u00fcck in die Vergangenheit anstatt in die Zukunft ziehen.<\/p>\n<p>Die erschreckende Realit\u00e4t: Viele Kompetenzmodelle sind noch auf alte Organisationsformen und -strukturen \u2013 ich nenne sie gerne liebevoll &#8220;Tanker&#8221; &#8211; ausgerichtet. Werte wie &#8220;Ver\u00e4nderungsbereitschaft&#8221;, &#8220;Offenheit f\u00fcr Zuf\u00e4lle&#8221; oder &#8220;Kundenorientierung&#8221; finden sich hier zwar wieder \u2013 meinen aber etwas v\u00f6llig anderes als heute.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ver\u00e4nderungsbereitschaft: <\/strong>In traditionellen Organisationen (&#8220;Tanker&#8221;) ist das die F\u00e4higkeit, eine positive Rolle in der Ver\u00e4nderung des Tankers zu spielen. Beispielsweise bei einer Organisationsumstrukturierung sollen die Menschen so schnell wie m\u00f6glich wieder Leistung erbringen und sich nicht zu lange von der Umstrukturierung ablenken lassen. In einer modernen, flexiblen Organisation wie einem Startup (&#8220;Schnellboot&#8221;) geht es um bedeutendere Ver\u00e4nderungen. Es kann z. B. sein, dass von einem Tag auf den n\u00e4chsten die Kundenausrichtung ge\u00e4ndert werden muss, weil das Gesch\u00e4ftsmodell sonst nicht funktioniert.<br \/>\u00a0\u00a0<\/li>\n<li><strong>Offenheit f\u00fcr Zuf\u00e4lle:<\/strong> In traditionellen Organisationen hat man Projektmanagement so betrieben, dass m\u00f6glichst alle Zuf\u00e4lle ausgeschlossen werden. Zuf\u00e4lle waren eine Bedrohung f\u00fcr den Weg. In Schnellbooten kann man nicht so intensiv planen. Daf\u00fcr sind die Situationen zu komplex und das Team w\u00e4re viel zu langsam. Deswegen braucht es hier eine wirkliche Offenheit f\u00fcr Zuf\u00e4lle &#8211; also die Kompetenz, aus zuf\u00e4lligen Entwicklungen entstehende Chancen zu erkennen und wahrzunehmen.<br \/>\u00a0\u00a0\u00a0<\/li>\n<li><strong>Kundenorientierung:<\/strong> Auch wenn diese Kompetenz in der Vergangenheit immer wieder in Kompetenzmodellen auftauchte, so war damit doch faktisch die F\u00e4higkeit gemeint, interne Kunden und deren W\u00fcnsche zu verstehen und entsprechend zu handeln. Wenn beispielsweise ein Produkt entwickelt wurde, so sind Kernentscheidungen im Top-Management getroffen worden. Somit hatte man immer den &#8220;Kunden Top-Management&#8221; im Blick. In einem Schnellboot ist es viel deutlicher, dass einzig und alleine die Endkunden dar\u00fcber entscheiden, wie erfolgreich die Organisation ist. Daher \u00e4ndert sich der Fokus der Kundenorientierung weg vom internen Management hin zum Endkunden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das sind nur drei Beispiele aus den insgesamt 20 Teamkompetenzen, die wir im Forschungsprojekt &#8220;Agil Hybrid&#8221; in einem Kompetenzmodell f\u00fcr Teams zusammengestellt haben. 20 Kompetenzen, das sind ganz sch\u00f6n viele. Doch das entscheidende Detail: Es sind TEAM-Kompetenzen. Anders als im Industrie- und im Wissenszeitalter z\u00e4hlen heutzutage nicht mehr einzelne Talente, sondern komplexe, perfekt aufeinander abgestimmte Teams. Diese starken Systeme werden den Einzeltalenten den Rang ablaufen.<\/p>\n<h2>Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung f\u00f6rdert Weiterentwicklung<\/h2>\n<p>Auch die Bundesregierung geht davon aus, dass wir uns in Deutschland schneller weiterentwickeln m\u00fcssen. Darum hat das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt zur &#8220;Zukunft der Arbeit&#8221; f\u00fcr drei Jahre unterst\u00fctzt, mit dem es neue Gesch\u00e4ftsmodelle vorantreiben will. Wir &#8211; das sind die HHL Leipzig, die HKA, die MLU Halle-Wittenberg, Blanc &amp; Fischer, K\u00f6lling Glas, SupraTix, Viessmann und die Wilo SE &#8211; haben uns daf\u00fcr beworben und durften das Projekt &#8220;Agil Hybrid&#8221; mit BMBF-F\u00f6rdermitteln vorantreiben. Das Ziel: Kompetenzen f\u00fcr die Haustechnik-Branche zu entwickeln, die auf digitale Gesch\u00e4ftsmodelle ausgelegt sind und es mit der starken Konkurrenz aus Asien und Nordamerika aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>Die Kompetenzen der Zukunft sind Teamkompetenzen<\/h2>\n<p>Doch schon bald merkten wir, dass stattdessen ein ganzheitliches Modell f\u00fcr alle Branchen und alle Organisationen, die sich auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten wollen, entsteht. Daraus erarbeiteten wir zuerst die beispielhaften Tanker und Schnellboote und f\u00fcr die Schnellboote schlie\u00dflich die oben erw\u00e4hnten 20 Teamkompetenzen.<\/p>\n<p>Unserer Meinung nach sind die Schnellboote die Organisationssysteme der Zukunft. Sie k\u00f6nnen vom gro\u00dfen Tanker ablegen, sich flexibel bewegen und selbstst\u00e4ndig neue Projekte vorantreiben. Um dies m\u00f6glich zu machen, d\u00fcrfen und m\u00fcssen die Teammitglieder selbst Verantwortung \u00fcbernehmen und schnell Entscheidungen treffen. Denn solche Schnellboote sind wesentlich erfolgreicher bei der Entwicklung neuer Gesch\u00e4ftsmodelle als die gro\u00dfen Corporate-Organisationen.<\/p>\n<h2>Arbeitswelt im Wandel<\/h2>\n<p>Ein weiteres Fazit: Immer, wenn es darum geht, selbstverantwortliche Teams zu entwickeln, die auch in Krisensituationen schnell mit neuen Bedingungen zurechtkommen, braucht es diese Schnellboote. Es wird auch in Zukunft die traditionellen Organisationsformen geben, jedoch sind diese nur sinnvoll f\u00fcr schon funktionierende Gesch\u00e4ftsmodelle. Denn bei bestehenden Gesch\u00e4ftsmodellen kommt es darauf an, den Fokus auf starke Prozesse zu legen. Das sind bekannterma\u00dfen die St\u00e4rken der Tanker \u2013 zumindest, solange es nicht zu viele Richtungswechsel gibt.<\/p>\n<p>Viele der aktuellen Aufgaben in Organisationen sind allerdings hochgradig operativ und strukturierbar \u2013 und werden in Zukunft von modernen Technologien \u00fcbernommen werden. Menschliche Arbeitskr\u00e4fte werden hier in absehbarer Zeit \u00fcberfl\u00fcssig. Ein Grund mehr, um sich auf ebenjene Aufgaben zu fokussieren, die auch in Zukunft noch von Menschen ausgef\u00fchrt werden. Und das wird, da bin ich mir sicher, zum gro\u00dfen Teil in kleinen Schnellbooten passieren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><strong>Zur Kolumne: <\/strong>Die Beitr\u00e4ge dieser Kolumne stammen von Mitgliedern des Roundtables Corporate Learning. Hier treten leitende K\u00f6pfe aus Personalwesen und Personalentwicklung vieler deutscher Unternehmen (zum Beispiel Adidas, Axa, Bayer, BASF, Festo, Funkemediengruppe, HP, Ikea, Lanxess, Lufthansa, Otto Group, SAP, Swiss-Post, Telekom, VW, Wilo u.v.m.) regelm\u00e4\u00dfig in Austausch. Offen werden aktuelle Erfolge und Schwierigkeiten vorgestellt und diskutiert. Geleitet und moderiert wird der Austauschkreis von Dr. Sina Faeckeler (Axa) und <a class=\"link-external\" title=\"Tree Consulting\" href=\"https:\/\/www.tree-consulting.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> Dominique Ren\u00e9 Fara<\/a>.<\/p>\n<p>Quelle:<a href=\"https:\/\/www.haufe.de\/personal\/hr-management\/new-work-braucht-neue-kompetenzmodelle_80_581232.html?xing_share=news\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> haufe.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alte Kompetenzmodelle wurden auf das Industriezeitalter ausgelegt. 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