{"id":8686,"date":"2026-05-30T09:28:07","date_gmt":"2026-05-30T09:28:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/mythos-furchtloser-boss-auch-fuehrungskraefte-haben-aengste-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:07","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:07","slug":"mythos-furchtloser-boss-auch-fuehrungskraefte-haben-aengste-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/mythos-furchtloser-boss-auch-fuehrungskraefte-haben-aengste-en\/","title":{"rendered":"Mythos furchtloser Boss: Auch F\u00fchrungskr\u00e4fte haben \u00c4ngste"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Bedeutungslos zu sein, ist eine Angst von F\u00fchrungskr\u00e4ften. Ein schonungsloser Blick auf das Tabuthema Angst und F\u00fchrung.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Wahrheit ist: Zum Menschsein geh\u00f6rt dazu, Bammel zu haben. Sich in die Hosen zu machen. Nachts nicht schlafen zu k\u00f6nnen. Einen trockenen Mund vor einer Pr\u00e4sentation zu haben. Alles, was F\u00fchrungskr\u00e4fte bestimmt nicht haben. Oder?<\/p>\n<p>Sie wirken souver\u00e4n. Aber auch F\u00fchrungskr\u00e4fte haben \u00c4ngste. Versagens\u00e4ngste und Angst vor dem, was ungewiss ist, sind laut Gabi Harding, Arbeits- und Organisationspsychologin, die \u00c4ngste, mit denen Menschen in F\u00fchrungsposition leben. Sie h\u00e4tten au\u00dferdem auch existenzielle \u00c4ngste. Selten ausgesprochene und leider auch zu wenig untersuchte, tabuisierte Worte, die den Mythos der angstlosen F\u00fchrungskr\u00e4fte endlich knacken. Denn auch Machtmenschen sind Menschen und leben mit \u00c4ngsten.<\/p>\n<p>Es klingt fast wie ein M\u00e4rchen. F\u00fcr Mitarbeiter sind es die F\u00fchrungskr\u00e4fte, die machtvoll und furchtlos wirken, die eine solche Wirkung haben, dass man selbst vor ihnen Angst haben m\u00fcsste. Dabei wird h\u00e4ufig ausgeblendet, dass vor allem Menschen in hohen Positionen sich furchtlos zeigen, nicht, weil sie es wirklich sind, sondern wegen der gesellschaftlichen Norm. Denn Chefs d\u00fcrfen nicht \u00e4ngstlich sein \u2013 das passt nicht. In Wahrheit haben sie jedoch tiefere \u00c4ngste, als die meisten von uns annehmen w\u00fcrden. Tief verwurzelt sei vor allem eine Angst, so Harding: die Angst, bedeutungslos zu sein.<\/p>\n<h2>Schamgef\u00fchle und \u00c4ngste lassen sich nicht gut mit F\u00fchrung verbinden<\/h2>\n<p>Weil es schwierig sei, Emotionen wie Scham und Angst im gleichen Atemzug wie beispielsweise \u201ezielorientiert\u201c zu nennen, sei es verst\u00e4ndlich, so Psychoanalytiker Dr. Marius Neukom, sie ausschalten zu wollen. Das Problem sei aber der Preis, den wir daf\u00fcr zahlen. Denn die Gef\u00fchle wirken weiter, so Neukom, aber es folge eine Unterordnung dieser, weil der Fokus eher auf Erfolg und Leistung liege. Der Blick f\u00fcr den emotionalen Preis ginge verloren. Es sei wichtig, dass Angstgef\u00fchle Platz in der Unternehmenskultur finden. Nur Vorgesetzte, die im Umgang mit der eigenen Angst nicht blind seien, k\u00f6nnten auch ihren Mitarbeitern die \u00c4ngste nehmen.<\/p>\n<h2>Warum f\u00e4llt es schwer, F\u00fchrungskr\u00e4fte und Angst miteinander zu verbinden?<\/h2>\n<p>Gesundheits\u00e4ngste seien \u00c4ngste, die soziale Anerkennung genie\u00dfen, so Harding. Deshalb fiele es Managern beispielsweise leicht, \u00fcber die Sorge zu sprechen, dass sie zu viel rauchen w\u00fcrden. Die Wissenschaftlerin hat im Rahmen ihrer Promotion Topmanager interviewt und die \u00c4ngste der Machtmenschen untersucht.<\/p>\n<p>Anders sieht es bei den \u00c4ngsten aus, die keine Gesundheits\u00e4ngste sind und die auf Managerebene einfach nicht gerne thematisiert oder gar ausgesprochen werden: die Angst, vielleicht irgendwann zu versagen. Die Angst, die man empfindet, wenn man an die Konkurrenz denkt.<\/p>\n<p>Dass \u00c4ngste auf F\u00fchrungsebene noch immer nicht gen\u00fcgend Raum haben, ist eine Herausforderung. Aber Angst im mittleren Ausma\u00df k\u00f6nne sogar positiven Einfluss auf Entscheidungen haben, sagt Harding. Wird das Thema zum Tabu gemacht, seien Unternehmen beispielsweise eher dem Risiko ausgesetzt, \u00fcbereilte Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<h2>Was verbirgt sich hinter der Angst der Bedeutungslosigkeit?<\/h2>\n<p>Angst davor, bedeutungslos zu sein, geh\u00f6rt seit jeher zu den \u00c4ngsten, die besonders bedrohlich auf Menschen wirken. Wir alle suchen nach einem Existenzsinn. Vor allem in einer leistungsorientierten Gesellschaft wird Bedeutung jedoch an Erfolg und Leistung gemessen. Psychologin Harding: Eine F\u00fchrungsrolle k\u00f6nne diese Art von Angst zun\u00e4chst stoppen. Es verwundert deshalb nicht, dass Machtstreben oft auch einer besonders emotionalen Komponente folgt. Je mehr wir davon besitzen, das nehmen wir an, desto besser.<\/p>\n<p><strong>Der Grund:<\/strong> Wer F\u00fchrungskraft wird, genie\u00dft eine Position, die sich von denen der \u201enormalen\u201c Mitarbeiter und Menschen unterscheidet. Manager zu sein, bedeutet beispielsweise Aufmerksamkeit, viel Verantwortung, viel Macht. Es hat etwas, was unsere Identit\u00e4t ma\u00dfgeblich beeinflusst. Die Bedeutung unserer Person nimmt zu.<\/p>\n<p>Es gelingt uns \u2013 zumindest glauben wir das \u2013 das Problem der Bedeutungslosigkeit zu l\u00f6sen. Die Wahrheit ist aber: Die Angst ist nicht einfach verschwunden, denn sie wird h\u00f6chstens durch andere \u00c4ngste \u201eeingetauscht\u201c, weil Sorgen und \u00c4ngste zu jeder Aufgabe und Rolle mit wachsender Verantwortung dazugeh\u00f6ren. Jeder Mensch k\u00e4mpft mit \u00c4ngsten, weil sie gewisserma\u00dfen, wenn sie nicht irrational werden, auch Antriebsmotor sein k\u00f6nnen. Sie zu verdr\u00e4ngen, ist deshalb sowohl f\u00fcr Mitarbeiter als auch f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte kontraproduktiv.<\/p>\n<h2>Was mit Seele und K\u00f6rper passiert, wenn wir Gef\u00fchle nicht sp\u00fcren wollen<\/h2>\n<p>Es mag gewisserma\u00dfen zum Ruf von Topmanagern geh\u00f6ren, dass diese furchtlos ihren Weg gehen, alles unter Kontrolle haben und ihrem Umfeld vorleben, wie Erfolg funktionieren kann. Vielleicht ist es aber auch ein verkl\u00e4rter, idealisierter Blick auf die Tugenden Tapferkeit und Mut, die oft als das Gegenteil von Angst angesehen werden: Muss Mut immer bedeuten, keine \u00c4ngste haben zu d\u00fcrfen und alles tapfer \u201eunterdr\u00fccken\u201c zu m\u00fcssen und durchzustehen?<\/p>\n<p><strong>Vor allem:<\/strong> Was macht es mit der menschlichen Psyche, \u00c4ngste zu unterdr\u00fccken? Es ist wie mit vielen Gef\u00fchlen, denn der Preis ist hoch. Viele psychische Erkrankungen gehen damit einher, nicht \u00fcber das eigene Innenleben sprechen zu k\u00f6nnen. Es tut manchmal zu weh, um hinzuschauen.<\/p>\n<p>Wer jedoch st\u00e4ndig ein Tuch auf menschliche, nat\u00fcrliche Gef\u00fchle und Emotionen legt und versucht, diese nicht zu sp\u00fcren, sie abzut\u00f6ten, sch\u00e4digt die eigene Seele und den K\u00f6rper nach und nach. Es ist kein Geheimnis, dass das, was nach innen geht, destruktiv wirkt, uns krank macht, chronischen Stress verursacht. Das, was Menschen in Machtposition oft als \u201eStress\u201c oder \u201eDruck\u201c abtun, ist nichts anderes, als die Angst vor dem Versagen, die Angst, den Erwartungen anderer nicht gerecht werden zu k\u00f6nnen, das Gesicht zu verlieren, einen Imageschaden zu erleiden; und schlie\u00dflich ist es doch wieder die Angst, bedeutungslos zu werden.<\/p>\n<h2>Wie k\u00f6nnen F\u00fchrungskr\u00e4fte Angst ansprechen?<\/h2>\n<p>Gef\u00fchle zu zeigen, m\u00fcsse vor allen in einem daf\u00fcr angebrachten Rahmen passieren, so Psychologe Neukom. Denn oft ist es so, dass mit dem Offenbaren von \u00c4ngsten auch die Angst einhergeht, an Autorit\u00e4t zu verlieren. Chef bleiben und glaubw\u00fcrdig sein \u2013 das k\u00f6nnen wir jedoch weiterhin, wenn wir ad\u00e4quat reagieren. Hei\u00dft, nicht unkontrolliert und impulsiv. Wichtig ist, sich selbst zun\u00e4chst Zeit zu nehmen, eine passende Situation zu finden und Gef\u00fchle zu beschreiben, anstatt Mitarbeiter pl\u00f6tzlich zu \u00fcberfallen. So kann es gelingen, offen mit \u00c4ngsten umzugehen und das Vertrauen sogar zu intensivieren.<\/p>\n<h2>Angst und F\u00fchrung: Wie kann es grunds\u00e4tzlich gelingen, das Tabu zu brechen?<\/h2>\n<p>Der offene Umgang mit \u00c4ngsten wird in unserer Leistungsgesellschaft auch weiterhin ein Problem sein, bis nicht die, die sich in hohen Positionen befinden, den Mut aufbringen, die Illusion des angstlosen Bosses abzulegen und die, die den Machtmenschen idealisieren, aufh\u00f6ren, ihm schier g\u00f6ttliche, furchteinfl\u00f6\u00dfende Eigenschaften zuzuschreiben.<\/p>\n<p>Anzuerkennen, dass F\u00fchrungskr\u00e4fte auch als Menschen mit menschlichen Emotionen geboren werden, ist auch ein gesellschaftlich wichtiger Schritt, um sich dem Tabuthema Angst und F\u00fchrung anzun\u00e4hern.<\/p>\n<p>Ein weiterer ist, sich selbst zu reflektieren. Denn auch hier fehlt oft die Bereitschaft: Viele F\u00fchrungskr\u00e4fte streben ein Ideal an, das zwar nachvollziehbar, aber keinesfalls gesund sein kann. Dass wir heute offener \u00fcber Gef\u00fchle sprechen k\u00f6nnen, sollte deshalb auch auf F\u00fchrungsebene zum Thema werden. Vor allem auch, weil empathische, authentische Vorgesetzte existieren, die bereits vormachen, wie es funktionieren kann \u2013 und die zeigen, dass Angst und F\u00fchrung sich nicht ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Im Gegenteil:<\/strong> Gute F\u00fchrung kann oft gar nicht funktionieren, wenn wir so tun, als h\u00e4tten wir keine \u00c4ngste, als w\u00e4ren wir nicht menschlich. Wer dazu steht, beweist Authentizit\u00e4t und \u00f6ffnet die Pforte auch f\u00fcr Mitarbeiter, sich authentisch zu zeigen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/arbeits-abc.de\/mythos-furchtloser-boss-auch-fuehrungskraefte-haben-aengste\/?xing_share=news\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">arbeits-abc.de<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bedeutungslos zu sein, ist eine Angst von F\u00fchrungskr\u00e4ften. Ein schonungsloser Blick auf das Tabuthema Angst und F\u00fchrung. 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