{"id":8676,"date":"2026-05-30T09:28:07","date_gmt":"2026-05-30T09:28:07","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/mitarbeiterbeteiligung-als-verguetungsalternative-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:07","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:07","slug":"mitarbeiterbeteiligung-als-verguetungsalternative-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/mitarbeiterbeteiligung-als-verguetungsalternative-en\/","title":{"rendered":"Mitarbeiterbeteiligung als Verg\u00fctungsalternative"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Die meisten Arbeitnehmer bekommen monatlich dasselbe Gehalt. Abh\u00e4ngig von ihrer Leistung d\u00fcrfen sich manche noch \u00fcber eine Provision freuen \u2013 am Unternehmenserfolg finanziell beteiligt sind aber nur wenige. Und stimmrechtlich beteiligt? Da muss man schon sehr lange suchen \u2026 Dabei spricht einiges daf\u00fcr, Mitarbeiterbeteiligungen einzusetzen. Ein Gesellschaftsrechtler erkl\u00e4rt uns die Vor- und Nachteile.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Idee hinter Mitarbeiterbeteiligungen klingt simpel: Je erfolgreicher das Unternehmen ist, bei dem ich angestellt bin, umso mehr verdiene ich. Entsprechend engagiert bin ich, gute Arbeit zu leisten und mich einzubringen. Wenn ich dann auch noch bei strategischen Entscheidungen mitstimmen darf, steigen Motivation und Mitarbeiterbindung ins Unermessliche \u2026 So weit die Theorie. Dass es in der Praxis nicht ganz so einfach ist, erkl\u00e4rt uns Konrad Bechler, Fachanwalt f\u00fcr Gesellschaftsrecht, im Interview.<\/p>\n<h2>Warum Mitarbeiterbeteiligungen selten sind<\/h2>\n<p><strong>Mitarbeiterbeteiligungen sind nicht sehr verbreitet. Warum ist das so?<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Dazu muss man sich fragen:<strong> Warum sollen Mitarbeiter denn beteiligt werden?<\/strong> Je nachdem, was die Ziele eines Unternehmens sind, ist eine Mitarbeiterbeteiligung mehr oder weniger interessant. Ich denke, um das voll zu verstehen, m\u00fcssen wir erst mal besprechen, was eine Mitarbeiterbeteiligung eigentlich ist. Das k\u00f6nnen <strong>Beteiligungen am Gewinn<\/strong> des Unternehmens sein oder aber Mitarbeiter erhalten auch ein <strong>Mitbestimmungsrecht<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Erfahrungsgem\u00e4\u00df bevorzugen Unternehmen die rein wirtschaftliche Gewinnbeteiligung vor der rechtlichen Stimmbeteiligung<\/strong> \u2013 wobei man sagen muss, die funktionieren nur dann so richtig, wenn es auch in der Unternehmenskultur entsprechend gelebt wird. H\u00e4ufig machen Mitarbeiter selbst da, wo sie stimmberechtigt sind, keinen Gebrauch davon, da sie nicht wissen, warum sie es tun sollen.<\/p>\n<p><strong>Vielleicht ist das nicht in jeder Branche gefragt \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Die Verbreitung ist weniger Branchen-abh\u00e4ngig, sondern eher von der <strong>Organisationsform<\/strong>. Bei <strong>Start-ups<\/strong> sind Mitarbeiterbeteiligungen sehr g\u00e4ngig. Da erhalten Mitarbeiter h\u00e4ufig einen Vertrag \u00fcber ein <strong>ESOP<\/strong>, ein <em>Employee Share Option Program<\/em>. Das bedeutet: Wenn das Start-up so gut l\u00e4uft, dass es verkauft wird, sollen die Mitarbeiter am Verkaufserl\u00f6s beteiligt sein. Hat den Nachteil, dass dann h\u00e4ufig gesagt wird: <strong>\u201eIhr d\u00fcrft ja am Exit profitieren, daf\u00fcr zahlen wir jetzt weniger Lohn.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt aber auch andere Formen. In der Automobilbranche zum Beispiel ist es in <strong>b\u00f6rsennotierten Unternehmen<\/strong> \u00fcblich, dass <strong>Vorzugsaktien oder Aktienoptionen<\/strong> an die Mitarbeiter ausgegeben werden. Die Mitarbeiter haben dadurch die M\u00f6glichkeit, zu einem deutlich geringeren Preis Aktion\u00e4re zu werden, als wenn sie sich die Aktien an der B\u00f6rse direkt kaufen w\u00fcrden. Dadurch sind sie dann nat\u00fcrlich auch gewinnbeteiligt. Aber<strong> echte Gewinnbeteiligungen \u00fcber stille Gesellschaften oder Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaften<\/strong> oder aber ein alternatives Verg\u00fctungsmodell sind tats\u00e4chlich selten.<\/p>\n<h2>Mitarbeiterbeteiligungen als alternative Verg\u00fctungsmodelle<\/h2>\n<p><strong>Wie kann so eine alternative Verg\u00fctung aussehen?<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Das kann sein: Wir haben einen Basislohn und einen variablen Lohn. Und der variable entscheidet sich \u00fcber den Gewinn des Unternehmens. In meinem Mandantenkreis ist das eine h\u00e4ufige Form.<\/p>\n<p><strong>Die rein finanzielle Beteiligung ist h\u00e4ufiger als die rechtliche Stimmbeteiligung. Wieso?<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Die gro\u00dfe Sorge bei den echten Stimmrechten ist, dass die <strong>Entscheidungsf\u00e4higkeit<\/strong> sinkt, weil Prozesse zu kompliziert werden oder aber Ma\u00dfnahmen nicht umgesetzt werden, die zwar f\u00fcr das Unternehmen oder den Markt gut w\u00e4ren, aber nicht f\u00fcr die einzelnen Mitarbeiter. Da ist es nat\u00fcrlich schwierig, die <strong>unterschiedlichen Perspektiven und Wissensst\u00e4nde<\/strong> alle auf einen Nenner zu bringen.<\/p>\n<p>Damit besteht auch die berechtigte Sorge, dass die marktwirtschaftliche Stellung in Gefahr gebracht wird. Daher bevorzugen die meisten Unternehmen die rein wirtschaftliche Beteiligung oder grenzen die <strong>stimmrechtliche Beteiligung auf bestimmte Theme<\/strong>n ein, auf die Bereiche, in denen die Mitarbeiter wirklich mitreden k\u00f6nnen und sollen.<\/p>\n<h2>Pros: Das sind die Vorteile der verschiedenen Mitarbeiterbeteiligungen<\/h2>\n<p><strong>Was sind die Vorteile der jeweiligen Formen von Mitarbeiterbeteiligung?<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Das klassische Bild von Unternehmen ist ja nach wie vor: Jemand macht eine Firma auf, stellt Leute ein, die ihm helfen, dass die Firma erfolgreich wird, und sagt ihnen, was sie zu tun und zu lassen haben. Ich zeichne dazu gern ein anderes Bild: Da gibts einen Haufen Menschen mit unterschiedlichsten Kompetenzen, die bilden zusammen eine Organisation, mit dem Ziel, am Markt bestm\u00f6glich zu bestehen. Und genau dieser<strong> Markt wird immer komplexer<\/strong> \u2013 wie schnell ganze Unternehmensmodelle pl\u00f6tzlich hinf\u00e4llig werden, haben die letzten Monate gezeigt. Daran m\u00fcssen sich Organisationen extrem schnell anpassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn jetzt eine Situation eintritt, wie wir sie momentan erleben, kann ich als Unternehmer sagen: \u201eOkay, mein Modell funktioniert nicht mehr so gut, ich entlasse <strong>f\u00fcnfzig Prozent meiner Mitarbeiter<\/strong>.\u201c Oder aber, ich sage: \u201eWir haben in den letzten Jahren so viel miteinander aufgebaut, so viel in die <strong>Weiterentwicklung<\/strong> unserer F\u00e4higkeiten investiert, wir lassen uns etwas Neues einfallen.\u201c Und dann <strong>\u00fcberlegen sich die Mitarbeiter gemeinsam<\/strong>, was der ver\u00e4nderte Markt jetzt braucht. Mitarbeiter sind im Normalfall n\u00e4her am Markt als ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer \u2013 die wissen oft gar nicht, was aktuell wirklich gefragt ist, was die Zielgruppen, die Kunden wollen. Darum funktioniert das besser, als wenn ich in diesem <strong>Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Gegensatz<\/strong> aus dem klassischen Bild lebe.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Vorteil von Mitarbeiterbeteiligungen ist, dass Innovationen, Markt-gem\u00e4\u00dfe Weiterentwicklungen besser funktionieren, weil alle daran interessiert sind, dass das Unternehmen wirtschaftlich gut dasteht. Bei der stimmrechtlichen Beteiligung kommt noch dazu, dass einerseits <strong>Demotivation<\/strong> vermindert wird, weil der Chef nicht alle \u00fcberstimmen kann und Meinungen der Mitarbeiter dadurch sehr viel mehr Gewicht haben. Andererseits dringt die Komplexit\u00e4t des Marktes auch in die Unternehmensentwicklung ein, denn jede Meinung, jeder noch so kleine <strong>Zweifel darf ge\u00e4u\u00dfert<\/strong> und muss bei Entscheidungen ber\u00fccksichtigt werden. Das macht die Entscheidungsfindung zwar sehr viel schwieriger, aber die <strong>Qualit\u00e4t der Entscheidung<\/strong> wird gesteigert.<\/p>\n<h2>Stimmrecht ist auch eine Frage der Unternehmenskultur<\/h2>\n<p><strong>Das funktioniert doch aber auch in einer entsprechenden Unternehmenskultur, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Ja, genau. Wenn ich rein wirtschaftliche Mitarbeiterbeteiligungen einf\u00fchre, dann muss das Stimmrecht zumindest in der Unternehmenskultur verankert sein. Ansonsten erreiche ich diese Wirkung nicht.<\/p>\n<p><strong>Kennen Sie auch Unternehmen, die ihre Mitarbeiter rein stimmrechtlich beteiligen, aber nicht wirtschaftlich?<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Nein, der Weg f\u00fchrt normalerweise vom Geld zum Stimmrecht. Es w\u00e4re aber interessant, ob Stimmrecht ohne wirtschaftliche Beteiligung auch funktioniert.<\/p>\n<p><strong>Das Geld teilt man offenbar bereitwilliger als die Verantwortung \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Ja, wobei es ja eigentlich um die Verantwortung geht \u2026 Ich will ja als Unternehmer, dass meine Mitarbeiter Verantwortung f\u00fcr unseren Erfolg \u00fcbernehmen und versuche das \u00fcbers Gehalt zu erreichen. Wenn ich aber will, dass meine Mitarbeiter Verantwortung \u00fcbernehmen, muss ich auch Verantwortung abgeben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das eine Herausforderung, aber die l\u00e4sst sich durch <strong>neue Organisationsstrukturen<\/strong> sehr gut l\u00f6sen: Lineare Hierarchien werden ja schon h\u00e4ufig durch kreisf\u00f6rmige Organisationsmodelle abgel\u00f6st.<\/p>\n<h2>Contras: Welche Nachteile Mitarbeiterbeteiligungen mit sich bringen k\u00f6nnen<\/h2>\n<p><strong>Ein Nachteil kann aber sein, dass Unternehmen entscheidungsunf\u00e4hig werden. Welche Nachteile haben Sie sonst erlebt?<\/strong><\/p>\n<p>Konrad Bechler: Schwierig werden Stimmrechtsbeteiligungen in Unternehmen, deren Entwicklung von einer einzigen Person vorangetrieben wird. Diese Person wird sich nat\u00fcrlich damit schwer tun, wenn pl\u00f6tzlich auch andere Menschen Ideen einbringen d\u00fcrfen und diese dann umgesetzt werden. Oftmals gehts da auch um Vertrauen und Zutrauen. Ich h\u00f6re dann manchmal: \u201eDieser und jener Kollege ist ja kein richtiger Unternehmer.\u201c oder \u201eIch trau denen nicht zu, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen.\u201c<\/p>\n<p>Im schlimmsten Fall bereuen es die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer dann, bestimmten Mitarbeitern Stimmrechte verliehen zu haben, weil <strong>tats\u00e4chlich falsche Entscheidungen<\/strong> getroffen wurden. Aber genau deshalb muss ich mir vorab gut \u00fcberlegen, <strong>wer welche Rechte erh\u00e4lt<\/strong>, und \u2013 ganz wichtig \u2013 ich muss Beziehungspflege betreiben. Denn manchmal wird das Vorankommen nicht durch mangelnde Kompetenz verhindert, sondern durch<strong> zwischenmenschliche Probleme<\/strong>.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber die Person<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/konrad-bechler-bb8476145\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Konrad Bechler<\/a> ist Musiker, Organisationsentwickler und Fachanwalt f\u00fcr Gesellschaftsrecht. Als solcher ber\u00e4t er Unternehmen in der Nachfolgeberatung sowie zum Thema \u201eNeues Arbeiten\u201c. In diesem Kontext besch\u00e4ftigt er sich mit Mitarbeiterbeteiligungen als alternative Verg\u00fctungsmodelle und hilft Organisationen dabei, die f\u00fcr sie passende Beteiligungsform zu finden.<\/em><\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Autorin<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/lisa-marie-linhart-771909166\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Lisa-Marie Linhart<\/a>,\u00a0Content Manager bei karriere.blog.\u00a0Lisas Liebe gilt dem Wort und der Musik. Bei uns kombiniert sie beides zu wohlklingenden Blogbeitr\u00e4gen mit dem richtigen Groove f\u00fcr Themen, die das Arbeitsleben leichter und die Karriereplanung einfacher machen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.karriere.at\/blog\/mitarbeiterbeteiligungen-pro-und-contra.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">karriere.blog<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meisten Arbeitnehmer bekommen monatlich dasselbe Gehalt. 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