{"id":8620,"date":"2026-05-30T09:28:03","date_gmt":"2026-05-30T09:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/ich-war-s-wie-betriebe-mit-fehlern-umgehen-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:03","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:03","slug":"ich-war-s-wie-betriebe-mit-fehlern-umgehen-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/ich-war-s-wie-betriebe-mit-fehlern-umgehen-en\/","title":{"rendered":"Ich war&#8217;s! Wie Betriebe mit Fehlern umgehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sie haben einen Fehler gemacht? Ups! Zwar ist nicht der gesamte Betrieb in Gefahr, aber ein Kunde droht abzuspringen. Wie m\u00fcsste das Unternehmen sein, in dem Sie sich trauen zu sagen: \u201eIch habe Mist gebaut!\u201c? Es br\u00e4uchte ein vertrauensvolles Betriebsklima, in dem eine Fehlerkultur gedeiht. Doch was ist das eigentlich?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Der Begriff Fehlerkultur wirft Fragen auf: Ist es ein Freibrief, k\u00fcnftig mehr Fehler machen zu d\u00fcrfen? Soll der Umgang mit Missgeschicken menschlicher werden \u2013 nach dem Motto \u201eIst doch halb so schlimm \u2026\u201c statt \u201eMensch, Meier, wie konnte Ihnen das durchgehen? Ihre Pr\u00e4mie ist gestrichen!\u201c? Fehler sind das, was eigentlich nicht passieren d\u00fcrfte, aber t\u00e4glich passiert. \u201eJeder Mensch macht Fehler, so zwischen zwei und vier pro Stunde, wobei Fehler nicht gleich Fehler ist\u201c, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/www.xing.com\/profile\/Michael_Frese3\/cv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Michael Frese<\/a>. Der Professor f\u00fcr Psychologie, Innovationsforschung und Entrepreneurship an der Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg und der National University of Singapore forscht seit mehr als 30 Jahren zum Thema Fehlermanagement. Er konstatiert: \u201eFehler sind das unerw\u00fcnschte Ergebnis eines Prozesses. Sie weichen von der vorgegebenen Norm ab.\u201c<\/p>\n<p>Und sie sind teuer. Je sp\u00e4ter ein Mangel erkannt und korrigiert wird, desto kostspieliger wird es. Gar nicht zu sprechen von Imagesch\u00e4den, Kundenverlusten und Vertrauenseinbu\u00dfen. Am teuersten sind vertuschte Fehler. Prof. Frese schildert das Ausma\u00df: \u201eNehmen wir ein Flie\u00dfband, an dem ein Patzer passiert. Korrigiere ich den sofort, kostet das einen Euro, nach dem ersten Abschnitt zehn, am Ende des Bandes 100 und wenn das Produkt auf dem Markt ist und zur\u00fcckgenommen werden muss weit \u00fcber 1.000 Euro.\u201c Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei es daher entscheidend, Fehler sofort offenzulegen. \u201eSie sind eine Ressource, sie zeigen uns Spielr\u00e4ume f\u00fcr Verbesserungen. Deshalb ist es wichtig, ein Fehlermanagement einzuf\u00fchren\u201c, sagt Michael Frese.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eJEDER MENSCH MACHT FEHLER, SO ZWISCHEN ZWEI UND VIER PRO STUNDE.\u201c (<\/strong><strong>MICHAEL FRESE)<\/strong><\/p>\n<p>In Unternehmen zwischen 100 und 500 Mitarbeitern hat der Wissenschaftler untersucht, was Fehlermanagement bewirkt. Das Ergebnis: Betriebe mit einer hoch entwickelten Fehlerkultur arbeiten profitabler und deutlich innovativer als solche, in denen die Angst vor Patzern l\u00e4hmt. Kosten sinken, weil aufgrund geringer Fehlerquoten kaum Material verschwendet wird, potenzielle Fehlerquellen sind bekannt, wodurch Sch\u00e4den verhindert werden k\u00f6nnen. Weniger Reklamationen bedeuten schlie\u00dflich h\u00f6here Kundenzufriedenheit, und alles zusammen steigert die Wettbewerbsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<h2>Andere L\u00e4nder, andere Fehlerkultur<\/h2>\n<p>Diese Vorteile erkennen immer mehr kleine und mittlere Unternehmen. Prof. Frese erkl\u00e4rt: \u201eZum einen h\u00e4ngt das mit dem digitalen Wandel zusammen. Firmen nutzen automatisch mehr Softwarel\u00f6sungen. Da es aber keine fehlerfreie Software auf dem Markt gibt, bleibt den Firmen gar nichts anderes \u00fcbrig, als sich darauf einzulassen, Entwicklung und Korrekturen zuzulassen und auf Perfektion zu verzichten. Zum anderen haben die Unternehmen im Zuge der Globalisierung gemerkt, dass andere L\u00e4nder mit Irrt\u00fcmern kulanter umgehen, und sie schneiden sich davon eine Scheibe ab.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Die Zeiten, in denen allein Vorschriften und Standards Schnitzer vermeiden halfen, sind l\u00e4ngst vorbei. Im digitalen Wandel, zwischen Verunsicherung und Aufbruchstimmung, sind frische Konzepte f\u00fcr Gesch\u00e4ftsmodelle, Strategien, Unternehmenskultur, Mitarbeiterf\u00fchrung und vieles mehr gefragt. Ohne Fehler kann Neues nicht entstehen. \u201eWer keine Pannen erlaubt, erstickt Innovation\u201c, sagt der Experte. Das wiederum erfordert Umdenken und Ver\u00e4nderung, was zun\u00e4chst unbequem und anstrengend ist. Es braucht etwas, das der bislang vorherrschenden Fehlerkultur fremd ist: Vertrauen und eine neue Sichtweise, n\u00e4mlich die Freude, Probleme zu l\u00f6sen, anstatt nachzubeten: \u201eDas haben wir schon immer so gemacht!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201eOHNE FEHLER KANN NEUES NICHT ENTSTEHEN.\u201c<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Zentrales Element eines Fehlermanagements muss es sein, Vers\u00e4umnisse erstens offenzulegen und dies zweitens fr\u00fchzeitig zu tun. Statt sich aufzuregen, mit Beschimpfungen, Tobsuchtsanf\u00e4llen, S\u00fcndenbocksuche oder Sozialstrafen zu reagieren, begibt man sich auf Fehlersuche, analysiert Mankos, arbeitet die Ursachen heraus und leitet Ma\u00dfnahmen ein, um k\u00fcnftigen Missgeschicken vorzubeugen. Doch ganz gleich, ob im Gesundheitswesen, in der Baubranche oder der IT-Firma: Wer Fehlermanagement betreibt, muss zun\u00e4chst den Boden daf\u00fcr bereiten.<\/p>\n<h2>So f\u00fchrt man Fehlermanagement ein<\/h2>\n<p>In der Regel beginnt es ganz oben. Die h\u00f6chste F\u00fchrungsebene verdeutlicht allen Beteiligten, dass Fehler ab sofort weder verschleiert noch sanktioniert werden. \u201eAm besten geht die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung mit gutem Beispiel voran und f\u00e4ngt an, selbstkritisch \u00fcber eigenes Scheitern zu berichten\u201c, sagt Michael Frese. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: vom gemeinsamen \u201eFehler-Fr\u00fchst\u00fcck\u201c, bei dem berufliche Fehltritte nicht aufs Brot geschmiert, sondern l\u00f6sungsorientiert diskutiert werden, \u00fcber ein \u201egoldenes Fehlerbuch\u201c, das Lernerfolge durch Schwachstellen f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigen einsehbar macht, bis hin zur regelm\u00e4\u00dfigen R\u00fcckschau, die sowohl kl\u00e4rt, was gut gelaufen, aber auch was verbesserungsw\u00fcrdig ist. Michael Frese: \u201eDass es funktioniert, zeigen Hunderte von Beispielen, unter anderem in der Flugbranche oder in der medizinischen Industrie.\u201c Nicht allein Erfahrung, sondern vor allem Reflexion macht klug.<br \/>Gute Aussichten hat das Kommando \u201eFehler frei!\u201c, wenn allen Beteiligten der Handlungsbedarf klar ist, sie m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig eingebunden sind und beharrlich nachgesteuert wird. Ist dies der Fall, ergibt sich daraus unweigerlich eine Diskussion \u00fcber L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Fehlerquellen. Entscheidend ist hierbei Konsequenz: \u201eWeder das Vertuschen noch das Sanktionieren der Meldung von Fehlern darf hingenommen werden\u201c, sagt Michael Frese.<br \/>Mit R\u00fcckschl\u00e4gen und Widerst\u00e4nden ist zu rechnen. Ausrutscher zuzugeben ist nicht jedermanns Sache. Fehler sind peinlich. In unserem Kulturkreis gelten sie als Folge mangelnder Sorgfalt oder geringer Intelligenz. Fehlerkultur bedeutet, ein Klima zu schaffen, in dem Fehler, Risiken und Folgen offen thematisiert werden. Die richtige Frage lautet demnach also k\u00fcnftig nicht mehr: \u201eWie konnte das passieren?\u201c, sondern: \u201eSeit wann wissen Sie das?\u201c<\/p>\n<p><em><strong>Zur Autorin &#8211; Annette Vorpahl<br \/><\/strong><\/em><br \/><em><a href=\"http:\/\/www.vorpahlcoaching.de\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Annette Vorpahl<\/a> ist Autorin, Coach und Organisationsberaterin. Sie begleitet Unternehmen im kulturellen Wandel: bei der Einf\u00fchrung eines Fehlermanagements, einer Streitkultur, altersgerechter F\u00fchrung, generationen\u00fcbergreifender Teamarbeit, Entwicklung von Werten, Visionen und Leitbildern sowie beim Auf- und Ausbau von Kompetenzen im digitalen Wandel.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/richtig-fuehren\/ich-wars-wie-betriebe-mit-fehlern-umgehen\/?utm_source=SOPG+GbR&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=august3&amp;utm_content=Mailing_10983973\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Faktor A &#8211; Das Arbeitgebermagazin<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie haben einen Fehler gemacht? Ups! Zwar ist nicht der gesamte Betrieb in Gefahr, aber ein Kunde droht abzuspringen. 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