{"id":8617,"date":"2026-05-30T09:28:03","date_gmt":"2026-05-30T09:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/hybrides-arbeiten-produktivitaet-braucht-keine-praesenz-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:03","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:03","slug":"hybrides-arbeiten-produktivitaet-braucht-keine-praesenz-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/hybrides-arbeiten-produktivitaet-braucht-keine-praesenz-en\/","title":{"rendered":"Hybrides Arbeiten &#8211; Produktivit\u00e4t braucht keine Pr\u00e4senz"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Auf die rasanten Entwicklungen der Zukunft hat nur das Hybridmodell passende Antworten. \u00dcber Stolpersteine und L\u00f6sungen.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Als <em>Freezing<\/em> bezeichnet die Neurologie eine Art Schockstarre aufgrund bedrohlicher Situationen. Menschen verharren pl\u00f6tzlich mitten in der Bewegung. Diesem Ph\u00e4nomen scheinen in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Unternehmen ausgesetzt zu sein \u2013 angesichts eines schnellen und tiefgreifenden Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft. Die Digitalisierung schreitet stetig voran. Innovationen und disruptive Gesch\u00e4ftsmodelle entstehen. Globale M\u00e4rkte erfordern komplexere Handlungsweisen. Um Fachkr\u00e4fte muss ebenso geworben werden wie um Kundschaft. Zudem sind die Anspr\u00fcche an nachhaltig produzierte Produkte und unternehmerisch ethisches Verhalten gestiegen.<\/p>\n<p>Unternehmen m\u00fcssen also ihre Aktivit\u00e4ten in diesem Spannungsfeld von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft ausrichten. Angestellte an f\u00fcnf Tagen die Woche ins B\u00fcro zu holen, damit sie dort acht Stunden zubringen, passt nicht mehr zu diesen Entwicklungen. Viele Unternehmen wollen dennoch an der 100-Prozent-B\u00fcroarbeit festhalten. Doch wer jetzt nicht im Spaceshuttle Platz nimmt und Teil des Wandels ist, wird in sp\u00e4testens f\u00fcnf Jahren vom Markt aussortiert: zu unproduktiv angesichts digitaler Prozesse, zu unattraktiv als Arbeitgeber f\u00fcr Fachkr\u00e4fte und nicht mehr konkurrenzf\u00e4hig auf dem Weltmarkt. Die reine Pr\u00e4senzkultur bietet keine Antworten mehr auf die Herausforderungen der Zukunft!<\/p>\n<h2>Unternehmen im Dornr\u00f6schenschlaf<\/h2>\n<p>Seit Jahrzehnten gibt es eine L\u00f6sung auf dr\u00e4ngende Zukunftsfragen, die zun\u00e4chst kaum jemand h\u00f6ren wollte: Remote Work. Arbeiten von \u00fcberall galt fr\u00fcher als die Arbeitsweise einiger Spinner, Aussteigerinnen und Freigeister. Die digitalen Nomaden zogen mit dem Laptop im Gep\u00e4ck zu den WLAN-Spots in aller Welt. Hippe Berliner Start-ups kopierten die Silicon-Valley-Kultur, einige Gro\u00dfunternehmen hatten Pilotprojekte. Also nichts f\u00fcr etablierte kleine und mittelst\u00e4ndische Firmen? Die Kuscheligkeit der Komfortzone suggerierte, dass das alles doch auch so irgendwie klappt.<\/p>\n<p>Wie so oft zwang eine Krise eine neue Entwicklung herbei: Corona schickte \u00fcber Nacht den Gro\u00dfteil der Besch\u00e4ftigten ins Homeoffice. Pl\u00f6tzlich war m\u00f6glich, was vorher undenkbar schien. Die Angestellten fanden Gefallen an der neuen Arbeitsweise, trotz holpriger Prozesse. 70 Prozent wollen zumindest einige Tage in der Woche mobil arbeiten. Das besagt die repr\u00e4sentative ESET-Studie <em>Quo vadis Unternehmen<\/em>? des Forschungsinstituts You Gov. Unternehmen \u00f6ffnen sich dem Gedanken, das Beste aus zwei Welten in einem Hybridmodell, also Pr\u00e4senz im B\u00fcro und mobiles Arbeiten, zu etablieren. Doch die Pr\u00e4senzkultur einfach auf das mobile Arbeiten zu \u00fcbertragen geht nicht. Denn Remote Work ist mehr als Homeoffice.<\/p>\n<h2>1. Top-down-Entscheidung treffen<\/h2>\n<p>Die Bedenken der Unternehmen: Produktivit\u00e4tsverlust. Schon ein Blick in die Welt von erfolgreichen 100-Prozent-Remote-Unternehmen wie Buffer, Komoot oder die OTL Akademie hebelt dieses gern angef\u00fchrte Argument gegen das mobile Arbeiten jedoch aus. Denn diese arbeiten h\u00f6chst produktiv \u2013 mit Topteams rund um den Erdball, meistens ganz ohne eigene B\u00fcros. Doch auch das Hybridmodell bietet Vorteile: Die moderne Arbeitsweise ist attraktiv f\u00fcr Fachkr\u00e4fte. Zudem k\u00f6nnen Kosten durch die Reduktion nicht mehr ben\u00f6tigter B\u00fcrofl\u00e4che, beispielsweise durch ein Desk-Sharing-Modell, eingespart werden.<\/p>\n<p>Doch am Anfang steht eine firmenweite Entscheidung. Der Belegschaft wird nicht einfach \u00fcberlassen, wie sie denn nun arbeiten will. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Personalleitung einigen sich zun\u00e4chst \u00fcber die Leitplanken: Wie viele mobile Tage in der Woche soll es geben? An welchen Orten kann gearbeitet werden? Gelten die B\u00fcrozeiten? Welche digitalen Tools gibt es? Wie wird die Erreichbarkeit gew\u00e4hrleistet? Das alles wird dann in einem zweiten Schritt mit der F\u00fchrungsebene diskutiert. Alle Bedenken m\u00fcssen offen ge\u00e4u\u00dfert werden. Denn erst wenn alle hinter dem Ansatz stehen, werden die Mitarbeitenden in den Prozess eingebunden.<\/p>\n<h2>2. Teams an Bord holen<\/h2>\n<p>Der Kardinalsfehler im Prozess: Ausgrenzung. Trotz entscheidender Vorteile wie dem Wegfall von B\u00fcrowegen, mehr Zeit f\u00fcr die Familie oder dem optimalen Ausnutzen der eigenen Leistungsphasen, erzeugt einiges am mobilen Arbeiten auch ein mulmiges Gef\u00fchl: Die Handhabung der neuen digitalen Tools, die Selbstorganisation im Homeoffice, der <em>Big-Brother-is-watching-you<\/em>-Gedanke bei der Onlinearbeit und dass wir nicht mal eben \u00fcber den Schreibtisch hinweg eine Frage stellen k\u00f6nnen \u2013 all das muss offen besprochen werden. In einem Kodex legen die Teams deshalb mit der jeweiligen F\u00fchrungskraft die individuellen Regeln fest, nat\u00fcrlich innerhalb der vorgegebenen Leitplanken. Sind die mobilen Tage in der Woche frei w\u00e4hlbar? Muss das gesamte Team an bestimmten Tagen komplett im B\u00fcro anwesend sein? Gibt es Zeitspannen f\u00fcr die Erreichbarkeit? Wann muss sp\u00e4testens auf eine Anfrage geantwortet werden? Was wird im Chat, Aufgabenmanagement-Tool oder per Videocall kommuniziert? Welche Schulungen muss es geben? Diese Diskussion, die jede vermeintliche Kleinigkeit ber\u00fccksichtigt, ist entscheidend f\u00fcr das Commitment.<\/p>\n<h2>3. Teamspirit bewusst f\u00f6rdern<\/h2>\n<p>Die Hauptsorge der Besch\u00e4ftigten: Isolation. Der Teamzusammenhalt ist ausschlaggebend f\u00fcr eine hohe Produktivit\u00e4t. Und dieser entsteht nicht von allein, der soziale Kontakt muss bewusst gef\u00f6rdert werden. Die Teammitglieder werden in die Community eingebunden. Und auch hier hybrid: mit digitalen Ritualen und Pr\u00e4senz. Workations sind Events, die ein- oder zweimal im Jahr stattfinden und Arbeit (<em>work<\/em>) mit Urlaub (<em>vacation<\/em>) verbinden. Alle kommen an einem besonderen Ort zum pers\u00f6nlichen Austausch zusammen.<\/p>\n<p>Doch genauso wichtig sind digitale Rituale. In einem t\u00e4glichen zehnmin\u00fctigen Call werden mit der F\u00fchrungskraft der Stand des Projekts, weitere Schritte und m\u00f6gliche Herausforderungen besprochen. Auch asynchrone Rituale \u00fcber den Teamchat k\u00f6nnen hilfreich sein, wie zum Beispiel immer montags eine Frage ins Team senden: Wie war euer Wochenende? Oder auch pers\u00f6nliche Fragen stellen: Was liest du gerade? Welchen Film w\u00fcrdest du empfehlen? Spielst du ein Musikinstrument? Die Slack-Funktion Donut verbindet Menschen aus anderen Abteilungen per Zufallsgenerator f\u00fcr einen virtuellen Smalltalk. Oder es wird ein virtuelles B\u00fcro per Zoom eingerichtet, in das man sich jederzeit einloggen und mit anderen zusammenarbeiten kann. Aber auch virtuelle Mittagessen sind eine gute Idee. Manche Unternehmen spendieren einen Lieferdienst und alle k\u00f6nnen per Videocall gemeinsam lunchen. Gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig? Auf jeden Fall. Wann das nicht mehr merkw\u00fcrdig ist? Sehr schnell.<\/p>\n<h2>4. Digitale F\u00fchrung lernen<\/h2>\n<p>Die Angst der F\u00fchrungskr\u00e4fte: Kontrollverlust. Eine Frage steht oft im Vordergrund: \u201eWie soll das gehen, wenn ich die Angestellten nicht mehr t\u00e4glich im B\u00fcro sehe \u2013 wie stelle ich sicher, dass die Aufgaben erledigt werden?\u201c Die Antwort ist das ergebnisorientierte Arbeiten. Kontrolliert wird nicht mehr die Anwesenheit, sondern der Arbeitsfortschritt. Denn Anwesenheit war noch nie ein Garant f\u00fcr Produktivit\u00e4t. Welche F\u00fchrungskraft steht schon jede Sekunde hinter Angestellten und kontrolliert, ob wirklich gearbeitet wird oder zeitweise <em>Cyberloafing<\/em> \u2013 also die Nutzung des Arbeitgeberinternets f\u00fcr private Zwecke w\u00e4hrend der Arbeitszeit \u2013 stattfindet, das digitale Herumtr\u00f6deln mit Onlineeink\u00e4ufen oder Videospielen?<\/p>\n<p>F\u00fchren auf Distanz erfordert erweiterte F\u00e4higkeiten wie Toolkompetenz. Die Grundlage der Zusammenarbeit mit dem Team sind Projektmanagementprogramme, B\u00fcrochats und Videokonferenzen. Zum anderen verschiebt sich der Schwerpunkt von F\u00fchrung auf die Kommunikation. Mit jedem Teammitglied sollte w\u00f6chentlich ein Einzelgespr\u00e4ch gef\u00fchrt werden. Dabei r\u00fcckt die Beziehungsebene in den Fokus. Ein wenig Smalltalk, das Scannen, wie es dem Gegen\u00fcber geht, ist genauso wichtig wie die Fortschritte bei den Aufgaben zu checken. Das braucht Zeit und geht nicht mal eben so zwischen einem Berg an Aufgaben. Deshalb nutzen F\u00fchrungskr\u00e4fte die zwei As: <em>Asynchronit\u00e4t<\/em> und <em>Automatisierung<\/em>. Anfragen werden zeitverschoben beantwortet, denn st\u00e4ndige Erreichbarkeit wird schnell zum Burn-out-Faktor Nummer eins. Und f\u00fcr die Kommunikation werden automatisierte Prozesse genutzt, Bots fragen beispielsweise in bestimmten Zeitr\u00e4umen die Erledigung der Aufgaben ab.<\/p>\n<p>Eines ist klar: Hybrides Arbeiten muss professionell im Unternehmen umgesetzt werden. Noch nicht \u00fcberzeugt? Stellen Sie sich vor, Ihr Team spielt sehr erfolgreich Hallenfu\u00dfball. Und dann kommt jemand und sagt, dass k\u00fcnftig auf dem Rasen gespielt werden muss. Das gleiche Spiel, nur ein anderer Ort. Wenn Sie jetzt nicht als F\u00fchrungskraft das Team auf die ge\u00e4nderten Rahmenbedingungen trainieren \u2013 Stollenschuhe, weitere Laufwege, gr\u00f6\u00dferes Tor \u2013, werden sie haushoch verlieren. Befreien Sie also den Erfolg vom Zufall!<\/p>\n<p><strong>\u00dcber die Autorin<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/teresahertwig-getremote\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Teresa Hertwig<\/a>\u00a0ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von GRC \u2013 \u00adGet Remote Consulting. Die Medien- und Kommunikations\u00adwissenschaftlerin ist Autorin von <em>Produktivit\u00e4t braucht kein B\u00fcro<\/em><\/p>\n<p>Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.humanresourcesmanager.de\/personalmanagement\/unternehmen-hybride-arbeit-produktivitaet-braucht-keine-praesenz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">humanressourcesmanager.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf die rasanten Entwicklungen der Zukunft hat nur das Hybridmodell passende Antworten. \u00dcber Stolpersteine und L\u00f6sungen. 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