{"id":8608,"date":"2026-05-30T09:28:02","date_gmt":"2026-05-30T09:28:02","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/homeoffice-buero-oder-cowork-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:02","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:02","slug":"homeoffice-buero-oder-cowork-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/homeoffice-buero-oder-cowork-en\/","title":{"rendered":"Homeoffice, B\u00fcro oder Cowork"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Homeoffice und B\u00fcro reichen in Zukunft nicht mehr aus. Beim Softwareanbieter DATEV hat der \u201ethird place\u201c eine gro\u00dfe Bedeutung.<\/em><\/strong><br \/><strong><em>Ausschlie\u00dflich im Homeoffice zu arbeiten oder jeden Tag ins B\u00fcro zu fahren ist nach der Pandemie nur noch f\u00fcr wenige vorstellbar. Neue Ideen m\u00fcssen her: Um die k\u00fcmmert sich beim Softwareanbieter DATEV Rainer Schubert: Er ist \u201eLeiter Entwicklung neuer Arbeitswelten\u201c und erkl\u00e4rt, welche Rolle ein \u201edritter Ort\u201c spielt \u2013 und wie man sich mit New Work die Fachkr\u00e4fte sichert.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Faktor A: Wie sieht die Arbeitswelt momentan beim Unternehmen DATEV aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Rainer Schubert:<\/strong> Die gerade von vielen Unternehmen praktizierte Aufteilung zwischen fester B\u00fcropr\u00e4senz und Homeoffice-Tagen gibt es bei uns nicht: Eine Quote zu verordnen, wie viel Zeit unsere Mitarbeitenden an welchem Arbeitsort verbringen sollen, passt nicht zu unserer offenen Unternehmenskultur. Wir \u00fcberlassen es den Teams selbst, f\u00fcr sich sinnvoll einzusch\u00e4tzen, wie oft sie sich in Pr\u00e4senz sehen sollten und an den Standort kommen. Es kann also durchaus sein, dass das eine Team regelm\u00e4\u00dfig Zeit am Standort verbringt. Ein anderes Team kommt daf\u00fcr zwei oder drei Wochen gar nicht ins B\u00fcro und dann vielleicht eine Woche lang jeden Tag. Diese Freiheit wollen wir den Menschen schenken, gleichzeitig darf die Produktivit\u00e4t nat\u00fcrlich nicht leiden. Wir wollen mit unserem Ansatz das Team und wie es am effektivsten arbeiten kann in den Mittelpunkt stellen. <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/16e2e4aee6e84c9681511be4b2a8d0d2\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n<p><strong>Ganz oft sind also weniger Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale. Wie haben sich die B\u00fcros dadurch ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt weniger (aber noch ausreichend) Einzelarbeitspl\u00e4tze. Daf\u00fcr gibt es viele Zonen f\u00fcr die Zusammenarbeit, in denen Teams an einem Ort neben Arbeitspl\u00e4tzen auch Kommunikations-, Projekt-, Kreativ- und R\u00fcckzugsorte finden. Zus\u00e4tzlich gibt es die gro\u00dfe \u201eCommunity Hall\u201c mit Arbeitspl\u00e4tzen, Meeting-Fl\u00e4chen \u2013 und Barista. Hier treffen sich morgens viele unserer Mitarbeitenden bei einem Kaffee, bevor sie an einen Arbeitsplatz im Coworking-Space oder in eine Homezone an unserem IT-Campus gehen. Es ist toll, wie viele neue Netzwerke sich auf diese Weise gebildet haben, auch unter vorher fremden Kollegen. Der Ort bewirkt, dass sich Menschen pers\u00f6nlich austauschen und auch wieder an den Standort kommen.<\/p>\n<p><strong>Unternehmenszentralen, Standorte und B\u00fcros ver\u00e4ndern sich also, aber m\u00fcssen sich dadurch auch neu definieren. Welche Funktion m\u00fcssen sie in Zukunft erf\u00fcllen?<\/strong><\/p>\n<p>Feste Standorte bleiben weiterhin wichtig, weil wir einen Identifikationsort brauchen. Die Teamidentifikation, die informelle Kommunikation und der soziale Austausch haben in der Pandemie sehr gelitten. Umso mehr brauchen wir jetzt einen Ort, an dem sich die Mitarbeitenden wohlf\u00fchlen und an dem das Miteinander und die Kollaboration wieder gef\u00f6rdert werden. Der Standort muss in Zukunft also ein Kommunikations-Identifikations-Community-Ort sein, an dem Mitarbeitende das Gef\u00fchl haben, heimzukommen in das Unternehmen. F\u00fcr die meisten ist der Standort also ein Ort f\u00fcr die Zusammenarbeit im Team \u2013 manche m\u00f6chten hingegen weiter jeden Tag auch f\u00fcr die Einzelarbeit ins B\u00fcro kommen, weil sie sich eine klare Trennung zwischen Privatem und Beruf w\u00fcnschen. Das zeigt, wie vielf\u00e4ltig und individuell die Menschen sind. Deshalb ist es so wichtig, dass wir einen gro\u00dfen Blumenstrau\u00df an Arbeitsm\u00f6glichkeiten anbieten. Jede und jeder soll sich sein eigenes Setting heraussuchen, das er oder sie zum guten Arbeiten ben\u00f6tigt.<\/p>\n<div class=\"content-item-floating column-1\">\n<h2>Der dritte Ort: Vorteile des Homeoffice ohne dessen Nachteile<\/h2>\n<p><strong>Welche Rolle spielt in dem Angebot der \u201edritte Ort\u201c, also ein weiterer Arbeitsort neben B\u00fcro und Homeoffice?<\/strong><\/p>\n<p>Bei uns spielt der \u201ethird place\u201c eine gro\u00dfe Rolle. Die meisten von uns haben sicherlich auch negative Implikationen im Homeoffice bemerkt. Bei mir pers\u00f6nlich war der Bewegungsmangel ein gro\u00dfes Thema. Es gab Tage, da bin ich keine tausend Schritte gegangen. F\u00fcr viele kommt dann die Einsamkeit dazu, bei anderen springen die Kinder um den Schreibtisch herum. Dann gibt es Gegenden, in denen die Internetanbindung einfach unzureichend ist. All diese Herausforderungen f\u00fchren in Verbindung mit dem Wunsch, nicht lange fahren zu m\u00fcssen, zwangsl\u00e4ufig zum Thema \u201ethird places\u201c. Diese sollen nicht in Konkurrenz zu unseren Standorten stehen, aber ebenfalls die Vorteile des Homeoffice bieten \u2013 zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Work-Life-Balance und Nachhaltigkeit durch eingesparte Fahrtwege.<\/p>\n<p><strong>Wie setzt DATEV das konkret um?<\/strong><\/p>\n<p>Im Moment setzen wir \u201ethird places\u201c mit Coworking-Spaces gleich, weil unsere Mitarbeitenden einen professionellen Arbeitsplatz brauchen: Sie sollen sich, salopp gesagt, nicht irgendwo auf eine Holzkiste setzen und arbeiten. Wir haben eine F\u00fcrsorgepflicht, die wir sehr ernst nehmen, und m\u00fcssen auch die Arbeitsst\u00e4ttenverordnung ber\u00fccksichtigen. Sie soll die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeitenden gew\u00e4hrleisten. Unsere Idee ist: Wir wollen ein Coworking-Netz in der Metropolregion N\u00fcrnberg initiieren. Mit dem Ziel, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter innerhalb von 15 Minuten einen geeigneten dritten Arbeitsort erreichen kann. Deshalb l\u00e4uft bereits unser Pilotprojekt mit aktuell f\u00fcnf Coworking-Spaces.<\/p>\n<p>Insgesamt gibt es aber leider immer noch zu wenige \u00f6ffentliche Coworking-Spaces. Die Coworking-Verb\u00e4nde und Kommunen realisieren zwar, dass es einen Bedarf gibt. Aber auch andere Unternehmen in der Region m\u00fcssen noch entdecken, dass Coworking-Spaces f\u00fcr sie eine sinnvolle Erg\u00e4nzung sein k\u00f6nnen. Wir allein k\u00f6nnen keinen ausreichenden Bedarf f\u00fcr ein fl\u00e4chendeckendes Netz generieren, wenn Mitarbeitende im Schnitt etwa zweimal in der Woche in einem Coworking-Space arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Welche Optionen der \u201eneuen Arbeitswelten\u201c gibt es au\u00dferdem f\u00fcr die Mitarbeitenden bei DATEV?<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich wird von unseren Mitarbeitenden Workation \u2013 also die Verkn\u00fcpfung von Urlaub und Arbeit \u2013 immer wieder nachgefragt. Solange ein professioneller Arbeitsplatz und Internet vorhanden sind, k\u00f6nnen unsere Besch\u00e4ftigten von jedem Ort in Deutschland aus arbeiten \u2013 ob es das Ferienhaus an der Nordsee oder die Skih\u00fctte in den Alpen ist. Da der <a href=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/zukunft-der-arbeit\/der-homeoffice-sicherheitscheck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Datenschutz<\/a> unser gr\u00f6\u00dftes Gut ist, m\u00fcssen die Mitarbeitenden aber jede Arbeitssituation entsprechend einsch\u00e4tzen. Sitzen sie beispielsweise in einem \u00f6ffentlichen Caf\u00e9, m\u00fcssen sie genau bedenken, mit welchen Daten sie gerade umgehen und ob jemand Drittes beim Telefonat zuh\u00f6ren oder auf den Bildschirm sehen kann.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich \u00f6ffnen wir unsere 24 Niederlassungen auch als Homebase f\u00fcr remote Arbeitende \u2013 wenn zum Beispiel Besch\u00e4ftigte aus N\u00fcrnberg einen St\u00e4dtetrip in Hamburg mit ihrer Arbeit verbinden wollen. Weil das remote Arbeiten im Ausland arbeits- und sozialversicherungsrechtlich schwierig ist, begrenzen wir das Konzept der Workation bisher auf Deutschland.<\/p>\n<h2>So erh\u00e4lt DATEV Zugang zu Fachkr\u00e4ften<\/h2>\n<p><strong>Homeoffice, Coworking, Workation: Beeinflussen diese neuen Arbeitskonzepte auch, ob man in Zukunft noch die umk\u00e4mpften Fachkr\u00e4fte f\u00fcr sich gewinnen kann?<\/strong><\/p>\n<p>Auf jeden Fall. Nicht jede Fachkraft m\u00f6chte auch nach N\u00fcrnberg umziehen. In Berlin sitzen zum Beispiel Softwareentwickler-Teams im Coworking-Space Betahaus. Unsere IT-Fachkr\u00e4fte k\u00f6nnen also in Berlin bleiben, gleichzeitig sind wir als Arbeitgebende in der dortigen IT-Szene sichtbar. Wenn pl\u00f6tzlich der Softwareentwickler f\u00fcr Steuerberater, Wirtschaftspr\u00fcfer und Rechtsanw\u00e4lte mit im Betahaus sitzt, merken viele, dass es ja vielleicht doch ganz cool ist, was wir als DATEV machen. Dar\u00fcber hinaus haben wir auf diese Weise Zugang zur <a href=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/mitarbeiter-finden\/wenn-start-ups-mitarbeiter-suchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">IT-Start-up-Szene<\/a> und sind am Puls der Zeit. Au\u00dferdem bietet unser Angebot die Chance, Fachkr\u00e4fte zu halten, die schon bei uns sind: Einige unserer Mitarbeitenden m\u00f6chten ihren Lebensmittelpunkt wieder dahin verlagern, wo sie herkommen, oder in den l\u00e4ndlicheren Bereich ziehen, weil sie Kinder haben und dort der Wohnraum f\u00fcr Familien attraktiver ist.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr DATEV haben die neuen Arbeitswelten viele Vorteile. Was raten Sie Unternehmen, die auch diesen Weg gehen wollen?<\/strong><\/p>\n<p>Erstens: Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur. Es bringt daher nichts, fertige Arbeitskonzepte eins zu eins der eigenen Organisation \u00fcberzust\u00fclpen. Jedes Unternehmen muss sich dieses Hemd so zurechtschneidern, dass es passt. Zweitens: alle Mitarbeitenden mitnehmen. Klar ist es nicht m\u00f6glich, einen solchen Umbau basisdemokratisch zu entscheiden \u2013 aber Unternehmen sollten die Ideen und Optimierungsvorschl\u00e4ge ihrer Mitarbeitenden h\u00f6ren. Alle einzuladen, sich an dem Prozess zu beteiligen, wie wir k\u00fcnftig arbeiten wollen, sollte oberstes Gebot sein.<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"clear\">\u00a0<\/div>\n<div class=\"clearfix content-item-wrapper content-item column-1\">\n<p><span class=\"dachzeile\">ZUR PERSON<\/span><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/rainer-schubert-26b2b591\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Rainer Schubert<\/a> ist \u201eLeiter Entwicklung neuer Arbeitswelten\u201c bei <a href=\"https:\/\/www.datev.de\/web\/de\/startseite\/startseite-n\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">DATEV<\/a> und k\u00fcmmert sich um innovative Arbeitsformen und neue Konzepte. Mit seinem Team hat er das Pilotprojekt \u201eCoworking-Spaces in der Metropolregion N\u00fcrnberg\u201c umgesetzt und einen Coworking-Space innerhalb der Zentrale etabliert. Zuvor war Rainer Schubert mehrere Jahre als Teamleiter Facility Management\/Belegungs-, Einrichtungs- und Umzugsmanagement f\u00fcr die Ausstattung der Standorte verantwortlich. Das Unternehmen DATEV mit Sitz in N\u00fcrnberg bietet Software- und Cloud-L\u00f6sungen f\u00fcr steuerliche Beraterinnen und Berater des Mittelstands. Es hat mehr als 8.300 Mitarbeitende und erzielte im Gesch\u00e4ftsjahr 2021 einen Umsatz von 1,22 Milliarden Euro.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/faktor-a.arbeitsagentur.de\/arbeitswelt-gestalten\/homeoffice-buero-oder-cowork\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Faktor A &#8211; Das Arbeitgebermagazin<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Homeoffice und B\u00fcro reichen in Zukunft nicht mehr aus. 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