{"id":8607,"date":"2026-05-30T09:28:02","date_gmt":"2026-05-30T09:28:02","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/homeoffice-und-mobiles-arbeiten-worauf-sich-arbeitgeber-langfristig-einstellen-sollten-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:02","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:02","slug":"homeoffice-und-mobiles-arbeiten-worauf-sich-arbeitgeber-langfristig-einstellen-sollten-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/homeoffice-und-mobiles-arbeiten-worauf-sich-arbeitgeber-langfristig-einstellen-sollten-en\/","title":{"rendered":"Homeoffice und Mobiles Arbeiten: Worauf sich Arbeitgeber langfristig einstellen sollten"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Die Coranakrise f\u00fchrt aktuell zu einer massiven Transformation der Arbeitssituation von Millionen Besch\u00e4ftigten in Deutschland, die B\u00fcro- oder Wissenst\u00e4tigkeiten nachgehen. Zu Beginn des ersten Lockdowns im M\u00e4rz und April 2020 wurden pl\u00f6tzlich Millionen von Besch\u00e4ftigten angewiesen mobil von zu Hause zu arbeiten. Repr\u00e4sentative Daten des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW) zeigen, dass durch die Krise die Zahl der Erwerbst\u00e4tigen in Deutschland im Homeoffice von 12 Prozent auf 33 Prozent gestiegen ist.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Generell besteht laut dem IFO Institut sogar ein Potenzial von fast 56 Prozent der Jobs in Deutschland, die im Homeoffice ausgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Frage f\u00fcr Unternehmen und Besch\u00e4ftigte ist \u00fcber die aktuelle Pandemielage hinaus ist, wie nachhaltig diese Transformation der Arbeitswelt durch die Coronapandemie sein wird.<\/p>\n<p>Wird es eine Ver\u00e4nderung der Arbeitssituation hin zu mehr Flexibilit\u00e4t und Mobilit\u00e4t geben die l\u00e4ngerfristig anh\u00e4lt oder werden die meisten Besch\u00e4ftigten nach dem Ende der Corona Lage wieder ins B\u00fcro zur\u00fcckkehren? Erleben wir durch die Coronapandemie eine Ver\u00e4nderung hin zu mehr \u201eNew Work\u201c, d.h. zu flexibleren Arbeitsarrangements, mit der Pr\u00e4senzpflicht im B\u00fcro, nicht mehr als alleinigen Standard, wie bisher?<\/p>\n<h2>Die Konstanzer Homeoffice Studie<\/h2>\n<p>Aktuell f\u00fchre ich mit meinem Forschungsteam an der Universit\u00e4t Konstanz die Konstanzer Homeoffice Studie durch, in der wir 700 Erwerbst\u00e4tige befragen, die aktuell im Homeoffice arbeiten und die repr\u00e4sentativ f\u00fcr die deutsche Erwerbsbev\u00f6lkerung sind, um diese Fragen zu beantworten. Seit Beginn der Corona Pandemie im M\u00e4rz 2020 haben wir die Studienteilnehmer an inzwischen 12 Befragungszeitpunkten befragt; zum letzten Mal zu Ende Januar 2021.<\/p>\n<p>Basierend auf den ersten Studienergebnissen w\u00fcrde ich die These aufstellen, dass die coranabedingten Ver\u00e4nderungen der Arbeitswelt sehr nachhaltig sein werden. Was wir in der Studie sehen, ist, dass eine gro\u00dfe Mehrheit der Befragten sehr zufrieden mit der neuen Arbeitssituation ist und ein hohes Engagement und Produktivit\u00e4t berichtet. Zus\u00e4tzlich wird insbesondere auch die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben, als besonders positiv w\u00e4hrend der Homeoffice T\u00e4tigkeit eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Auch wenn das Arbeiten von zu Hause, durchaus auch Schattenseiten hat, wie eine soziale Isolierung und eine m\u00f6gliche emotionale Ersch\u00f6pfung, wenn man es nicht schafft seinen Arbeitstag gut zu strukturieren, d\u00fcrfte es vielen Unternehmen schwerfallen nach Corona das Rad wieder komplett hin zu einer vollst\u00e4ndigen Pr\u00e4senzpflicht zur\u00fcckzudrehen. Die Kultur in vielen Unternehmen, die Pr\u00e4senz im B\u00fcro mit Leistung gleichsetzt, d\u00fcrfte durchaus betr\u00e4chtlich ins Wanken kommen und auch die Argumentation von F\u00fchrungskr\u00e4ften, dass spezifische B\u00fcrot\u00e4tigkeiten grunds\u00e4tzlich nicht im Homeoffice m\u00f6glich sind, d\u00fcrfte schwer zu halten sein.<\/p>\n<h2>Besch\u00e4ftige w\u00fcnschen sich Hybride Arbeitsformen<\/h2>\n<p>Allerdings sehen wir in den Daten interessanterweise \u00fcber die Zeit einen R\u00fcckgang der zeitlichen Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr das Arbeiten im Homeoffice (siehe Abbildung 1). W\u00e4hrend zu dem Befragungszeitpunkt im Mai 2020, direkt nach dem ersten Lockdown, die h\u00f6chste Zustimmung bei der pers\u00f6nlichen Pr\u00e4ferenz noch bei drei Tagen Homeoffice pro Woche war, ist diese im Oktober 2020 auf zwei Tage zur\u00fcck gegangen. Auch wollen deutlich weniger Befragte (-5 Prozent) komplett im Homeoffice arbeiten. Diese Daten machen deutlich, dass viele Arbeitnehmende sich eine hybride Form des Arbeitens mit einer Kombination von Pr\u00e4senzarbeit und mobilen Arbeiten w\u00fcnschen. In anderen Fragen der Studie sehen wir, dass die Studienteilnehmenden sowohl die Vorz\u00fcge der Pr\u00e4senzarbeit f\u00fcr den sozialen Austausch und das kreative Zusammenarbeiten mit Kollegen und Kolleginnen sch\u00e4tzen, als auch die Vorteile des mobilen Arbeitens, wie mehr Ruhe und fokussiertes Arbeiten sowie den Wegfall des Pendelweges wahrnehmen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/pictures\/blog\/Bildschirmfoto_2021-05-19_um_113728.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<h2>Volle R\u00fcckkehr in Pr\u00e4senzarbeit reduziert Engagement und erh\u00f6ht die Ersch\u00f6pfung<\/h2>\n<p>Zus\u00e4tzlich machen unsere Daten auch deutlich, dass es der absolute falsche Weg f\u00fcr Unternehmen ist, bei einem Abflachen der pandemischen Situation wieder alle Mitarbeitenden in die volle Pr\u00e4senzarbeit zur\u00fcckzuholen. In unserer Studie konnten wir in den letzte beiden Erhebungswellen im Oktober 2020 und im Januar 2021 beobachten, dass es bei denjenigen Besch\u00e4ftigten, die wieder in vollst\u00e4ndiger Pr\u00e4senzarbeit sind, einen R\u00fcckgang der Produktivit\u00e4t um fast 12 Prozent, im Vergleich zu denjenigen gab, die weiter mobil arbeiten k\u00f6nnen (Vgl. Abbildung 2). Gleichzeitig steigt bei dieser Gruppe, die wieder in voller Pr\u00e4senz arbeitet, die gef\u00fchlte psychische Belastung auch deutlich an und liegt 5 Prozentpunkte, \u00fcber der Mitarbeitendengruppe, die weiterhin mobil arbeiten darf.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"images\/pictures\/blog\/Bildschirmfoto_2021-05-19_um_113745.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Diese Zahlen zeigen eindr\u00fccklich, dass durch eine R\u00fcckkehr zur Pr\u00e4senzarbeit, die Gefahr besteht, dass die Leistungsf\u00e4higkeit einzelner Mitarbeiter und der ganzen Organisation leidet, und auch Stress und Belastung gesteigert werden.<\/p>\n<h2>Ausblick \u2013 Warum mobiles Arbeiten auch nach Corona bleiben wird<\/h2>\n<p>Auf Basis unserer Studienergebnissen l\u00e4sst sich klar prognostizieren, dass sich mobiles Arbeiten auch nach der Corona Krise mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer deutlich erh\u00f6hten Quote fortgesetzt werden, wird, als zuvor. Zentrale Gr\u00fcnde hierf\u00fcr wurden auch gerade nochmals in einer Studie aus Stanford beschrieben wurden. Erstens wurden Tr\u00e4gheit und langj\u00e4hrige Widerst\u00e4nde in Organisationen gegen mobiles Arbeiten, durch die dynamische Ver\u00e4nderung durch Corona mit einem Schlag \u00fcberwunden. Zweitens haben sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer:innen Investitionen in das mobile Arbeiten get\u00e4tigt, zu, Beispiel in Form von IT-Infrastruktur get\u00e4tigt, die Anreize f\u00fcr eine Fortsetzung geben. Drittens wurde das mobile Arbeiten von dem Stigma befreit, dass dies nur Teilzeitbesch\u00e4ftigte oder weniger leistungsf\u00e4hig Arbeitnehmer:innen machen k\u00f6nnen. Zus\u00e4tzlich ist es m\u00f6glich, dass Mitarbeitende auch Ma\u00dfnahmen der sozialen Distanz beim Arbeiten, zum Beispiel zum Infektionsschutz w\u00e4hrend der Grippesaison weiter aufrechterhalten werden. F\u00fcnftens werden technologische Innovationen f\u00fcr ein effektives mobiles Arbeiten weiter zunehmen. So hat sich bis zum Juni 2020 schon die Zahl der Patente, die explizit das Wort Homeoffice erw\u00e4hnen in den USA im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Schlie\u00dflich d\u00fcrfte mobiles Arbeiten auch ein zentraler Faktor f\u00fcr die Arbeitgeberattraktivit\u00e4t werden, der besonders von jungen auf dem Arbeitsmarkt begehrten Beweber:innen stark nachgefragt werden wird.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber den Autor<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/florian-kunze-54187a3\/?locale=de_DE\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Professor Florian Kunze<\/a> leitet den Lehrstuhl f\u00fcr Organisational Studies und das Future of Work Lab Konstanz an der Universit\u00e4t Konstanz. Er ist einer der f\u00fchrenden wissenschaftlichen Experten zu den Themen Generationenmanagement, erfolgreiche F\u00fchrung, Personalmanagement, Digitalisierung in der Arbeitswelt und erfolgreiches Arbeiten im Homeoffice sowie mobiles Arbeiten. Zuvor hat er an renommierten internationalen Universit\u00e4ten wie der Universit\u00e4t St. Gallen und der University of California Los Angeles (UCLA) geforscht und gelehrt. Er hat mehr als 70 Publikationen ver\u00f6ffentlicht. Diese wurden wiederholt in renommierten Medien wie der Wirtschaftswoche, dem Economist, der Financial Times, Forbes und dem Wall Street Journal aufgegriffen. Neben seiner wissenschaftlichen T\u00e4tigkeit ber\u00e4t Professor Florian Kunze regelm\u00e4\u00dfig Firmen (von KMUs bis zu Dax Konzernen) zu effektiven Ans\u00e4tzen f\u00fcr zukunftsorientiertes F\u00fchrungsverhalten und Personalmanagement.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.zukunftderarbeit.de\/2021\/04\/22\/worauf-sich-arbeitgeber-langfristig-einstellen-sollten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">ZukunftderArbeit<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Coranakrise f\u00fchrt aktuell zu einer massiven Transformation der Arbeitssituation von Millionen Besch\u00e4ftigten in Deutschland, die B\u00fcro- oder Wissenst\u00e4tigkeiten nachgehen. 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