{"id":8592,"date":"2026-05-30T09:28:01","date_gmt":"2026-05-30T09:28:01","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/generationenuebergreifendes-arbeiten-wider-die-grosse-sprachlosigkeit-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:28:01","modified_gmt":"2026-05-30T09:28:01","slug":"generationenuebergreifendes-arbeiten-wider-die-grosse-sprachlosigkeit-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/generationenuebergreifendes-arbeiten-wider-die-grosse-sprachlosigkeit-en\/","title":{"rendered":"Generationen\u00fcbergreifendes Arbeiten: Wider die gro\u00dfe Sprachlosigkeit"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Jung und Alt halten sich gegenseitig f\u00fcr kompetent, trauen sich aber nicht, miteinander dar\u00fcber zu reden. Grund genug f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, der Sprachlosigkeit entgegenzuwirken, meint Benjamin Notheis, Vice President, Global Talent Development bei SAP. Wie k\u00f6nnen Unternehmen die Kommunikation zwischen den Generationen f\u00f6rdern?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Berufswelt war schon immer ein Ort, an dem Menschen unterschiedlichen Alters zusammenkommen \u2013 die \u201eJungspunde\u201c gibt es in jedem Unternehmen ebenso wie die \u201ealten Hasen\u201c. Im Zuge des demographischen Wandels d\u00fcrften die Belegschaften in dieser Hinsicht in Zukunft jedoch noch heterogener werden, denn um dem Fachkr\u00e4ftemangel entgegenzuwirken, wird es f\u00fcr Unternehmen immer wichtiger, nicht nur junge Talente anzulocken.<\/p>\n<p>Ebenso ist es in vielen F\u00e4llen empfehlenswert, m\u00f6glichst intensiv von erfahrenen Mitarbeiterinnen \/ Mitarbeitern und deren Expertise zu profitieren. Mit zunehmender Spannbreite im Alter der Belegschaft wird ein funktionierendes generationen\u00fcbergreifendes Arbeiten zur Grundvoraussetzung f\u00fcr einen erfolgreichen Gesch\u00e4ftsbetrieb.<\/p>\n<p>Doch das ist mitunter leichter gesagt als getan. Die Vorurteile und Stereotype, die Alt und Jung zuweilen \u00fcbereinander pflegen, sind nicht nur harmlose Klischees, sondern k\u00f6nnen ganz konkrete Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben. So f\u00fchrte LinkedIn k\u00fcrzlich <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/karriere\/gen-z-traut-sich-nicht-mit-aelteren-kollegen-zu-sprechen-firmen-tun-koennen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine Umfrage<\/a> unter mehr als 2.000 Arbeitnehmerinnen\/Arbeitnehmer durch, von denen jeweils die H\u00e4lfte zwischen 18 und 26 Jahre alt (\u201eGen Z\u201c) und die andere H\u00e4lfte zwischen 26 und 80 Jahre alt war. Beide wurden zu ihrer Sichtweise auf die jeweils andere Altersgruppe befragt. Das Ergebnis zeigt eine erschreckende Sprachlosigkeit zwischen den Generationen. So hatte mehr als jeder zehnte Befragte aus der Gen Z seit \u00fcber einem Jahr kein direktes Gespr\u00e4ch mit Kollegen gef\u00fchrt, die 50 Jahre oder \u00e4lter sind.<\/p>\n<p>Interessant wird es, wenn man auf die Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Mangel an Kommunikation schaut. In besagter Umfrage \u00e4u\u00dferten Vertreterinnen \/ Vertreter beider Generationen h\u00e4ufig die Ansicht, dass die jeweils andere Generation \u00fcber mehr Wissen verf\u00fcge als sie selbst, sie sich jedoch nicht trauten, sie aktiv darauf anzusprechen \u2013 aus Angst, sich zu blamieren, missverstanden zu werden oder einem generellen Unwohlsein dabei, andere um Hilfe zu fragen.<\/p>\n<p>Das Unterlegenheitsgef\u00fchl der \u00c4lteren gegen\u00fcber den J\u00fcngeren ist dabei gar nicht so au\u00dfergew\u00f6hnlich, wie es f\u00fcr manche klingen mag. Durch meine langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit in einem Softwareunternehmen wei\u00df ich aus eigener Erfahrung, dass gerade in Branchen mit hohem Innovationstempo h\u00e4ufig den J\u00fcngeren zugeschrieben wird, fachlich mehr up-to-date zu sein als die \u00e4lteren Jahrg\u00e4nge.<\/p>\n<p>Dieses Erkenntnis deckt sich mit <a href=\"https:\/\/hbr.org\/2019\/08\/generational-differences-at-work-are-small-thinking-theyre-big-affects-our-behavior\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschungen aus den USA<\/a> bez\u00fcglich \u201eMeta-Stereotypen\u201c zwischen verschiedenen Altersklassen, also der Vorstellung, was andere \u00fcber uns aufgrund unserer Alterszugeh\u00f6rigkeit denken. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl j\u00fcngere als auch \u00e4ltere Berufst\u00e4tige glauben, dass die jeweils andere Altersgruppe schlechter \u00fcber sie denke, als sie es tats\u00e4chlich tut.<\/p>\n<h2>Sprachlosigkeit \u00fcberwinden \u2013 Alt und Jung k\u00f6nnen viel voneinander lernen<\/h2>\n<p>Es ist schon paradox: Jung und Alt halten sich gegenseitig f\u00fcr kompetent, trauen sich aber nicht, miteinander dar\u00fcber zu reden. Dementsprechend leiden Informations- und Erfahrungsaustausch und damit die Arbeitskultur und letztlich Produktivit\u00e4t und Innovationskraft. Grund genug f\u00fcr F\u00fchrungskr\u00e4fte, der Sprachlosigkeit entgegenzuwirken und die Kommunikation zwischen den Generationen zu f\u00f6rdern \u2013 und zwar in beide Richtungen.<\/p>\n<h2>Weitergabe von Soft Skills<\/h2>\n<p>Weit verbreitet ist das klassische Mentoring: Erfahrene Mitarbeitende teilen ihren Erfahrungsschatz mit den j\u00fcngeren Kolleginnen\/Kollegen und stehen ihnen mit gutem Rat zur Seite. In vielen Unternehmen ist diese Form des Mentoring seit Langem fest etabliert und h\u00e4ufig mit entsprechenden Mentoring- und Coaching-Programmen institutionalisiert. Jedoch sollten sich solche Programme nicht allein auf die rein fachliche Weitergabe von Wissen beschr\u00e4nken. Ebenso wichtig f\u00fcr eine ausgewogene Arbeitskultur ist die Weitergabe von Soft Skills.<\/p>\n<p>Im intergenerativen Kontext bedeutet dies, dass die J\u00fcngeren von den \u00c4lteren, Erfahreneren einiges \u00fcber Frustrationstoleranz und den gelassenen Umgang mit neuen, ungewohnten und stressigen Situationen lernen k\u00f6nnen \u2013 also dem, was man gemeinhin unter \u201eResilienz\u201c zusammenfasst. Dies kann bereits durch das informelle Teilen von anekdotischem Wissen geschehen \u2013 wie ist man mit einer ganz konkreten, bereits erlebten herausfordernden Situation umgegangen und hat sie erfolgreich bew\u00e4ltigt?<\/p>\n<h2>Kennenlernen neuer Sichtweisen<\/h2>\n<p>Derzeit noch weniger verbreitet ist das sogenannte Reverse Mentoring, also die Wissensvermittlung von j\u00fcngeren bzw. hierarchisch tiefer gestellten an \u00e4ltere bzw. h\u00f6hergestellte Kolleginnen \/ Kollegen. Wie das Mentoring hat auch das Reverse Mentoring eine fachliche und eine zwischenmenschliche Komponente. Fachlich betrifft sie typischerweise das Wissen \u00fcber neue Technologien wie digitale Anwendungen oder den Umgang mit Social Media. Auf menschlicher Ebene k\u00f6nnen \u00e4ltere Mitarbeitende durch den Perspektivwechsel und das Kennenlernen neuer Sichtweisen profitieren. Ebenso kann das direkte Erfahren von Wertsch\u00e4tzung durch die J\u00fcngeren den erw\u00e4hnen negativen Meta-Stereotypen entgegenwirken.<\/p>\n<p>Sowohl beim Mentoring als auch beim Reverse Mentoring geht es also nicht nur um die ebenso altbekannte wie richtige Forderung nach \u201elebenslangem Lernen\u201c. Es geht letztlich auch um gelebten Respekt und Wertsch\u00e4tzung. F\u00fchrungskr\u00e4fte k\u00f6nnen den generationen\u00fcbergreifenden Austausch formell durch entsprechende Programme und Workshops f\u00f6rdern. Daneben bietet aber vor allem die gelebte Zusammenarbeit im Berufsalltag sowie nicht zuletzt eine Unternehmenskultur, in der Diversit\u00e4t, Offenheit und Wertsch\u00e4tzung gelebt werden, die besten Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche intergenerationelle Zusammenarbeit. Oder wie wir bei meinem Arbeitgeber sagen: \u201eAging is natural, ageism is not.\u201c<\/p>\n<p><strong><em>Zur Person<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/benjaminnotheis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Benjamin Notheis<\/a> ist Vice President, Global Talent Development bei <a href=\"https:\/\/www.sap.com\/germany\/index.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">SAP<\/a>. In dieser Rolle setzt er sich f\u00fcr die pers\u00f6nliche und fachliche F\u00f6rderung von Tausenden von SAP-Mitarbeitenden ein. Sein Team k\u00fcmmert sich um die Talententwicklung sowohl aus der zentralen HR- als auch aus der Unternehmensperspektive, indem es eine starke, vielf\u00e4ltige und transparente Talentpipeline aufbaut. In fr\u00fcheren Positionen bei SAP war er Head of Board and Customer Office sowie Executive Business Assistant f\u00fcr zwei Vorstandsmitglieder.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.hrjournal.de\/wider-die-grosse-sprachlosigkeit\/?xing_share=news\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hrjournal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jung und Alt halten sich gegenseitig f\u00fcr kompetent, trauen sich aber nicht, miteinander dar\u00fcber zu reden. 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