{"id":8568,"date":"2026-05-30T09:27:59","date_gmt":"2026-05-30T09:27:59","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/fuehrung-eines-komplett-virtuellen-unternehmens-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:59","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:59","slug":"fuehrung-eines-komplett-virtuellen-unternehmens-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/fuehrung-eines-komplett-virtuellen-unternehmens-en\/","title":{"rendered":"F\u00fchrung eines komplett virtuellen Unternehmens"},"content":{"rendered":"<p><em>Wenn Firmen vernetzter und digitaler werden und Mitarbeitende flexible Arbeitsorte und -zeiten selber w\u00e4hlen k\u00f6nnen, dann wird auch F\u00fchrung vermehrt online stattfinden. Es gibt Firmen, die bereits jetzt nur noch virtuell existieren: F\u00fchrung findet damit nur im virtuellen Kontext statt und eigentlich nie face-to-face und vor Ort. Eine solche Firma ist \u00abrequired\u00bb und Karin Christen ist die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin. Im Interview sind wir der Frage nachgegangen, was es heisst, in einer Firma zu arbeiten, die nur \u00abremote\u00bb, ohne B\u00fcros und feste Arbeitspl\u00e4tze existiert.<\/em><\/p>\n<h2>Virtuelle Zusammenarbeit erfordert auch neue Formen der F\u00fchrung. Wie wird dies bei required angegangen und evtl. auch gef\u00f6rdert und geschult?<\/h2>\n<p><strong>Karin Christen:<\/strong> Virtuelle Zusammenarbeit setzt zum einen klare Prozesse, eine zielgerichtete Kommunikation und den sinnvollen Einsatz von Tools voraus. Zum anderen setzt diese Form der Zusammenarbeit ein gewisses selbst\u00e4ndiges Handeln\/Arbeiten (Eigeninitiative) von jedem einzelnen Teammitglied voraus. Damit dies gelingt, leben wir F\u00fchrungskr\u00e4ften unsere Prozesse vor. Bei uns unterst\u00fctzt jeder jeden, egal welche Rolle\/Funktion die Person im Team hat. Entscheidungen werden demokratisch gehandhabt. Jeder kann sich einbringen, muss aber nicht. Trotz dieser flachen Hierarchie d\u00fcrfen eine klare F\u00fchrung und eine starke Vision f\u00fcr das Team und die Firma nicht fehlen. Diese Rolle wird von unseren Leadern homogen und kompetent \u00fcbernommen.<\/p>\n<h2>Was sind bei virtueller F\u00fchrung die typischen Schwierigkeiten und im Gegenzug, was sind typische Vorteile, die sich bei der virtuellen F\u00fchrung von Mitarbeitenden und Teams ergeben?<\/h2>\n<p>Die Kommunikation erfolgt bei einem virtuellen Team zu 90% schriftlich und asynchron. Dies bringt diverse Vorteile aber auch gewisse Schwierigkeiten mit sich.<\/p>\n<p><strong>Vorteile:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Aufgrund der schriftlichen Kommunikation (sofern die Prozesse stimmen) ist alles dokumentiert und f\u00fcr alle Beteiligten jederzeit einsehbar, und der Projektverlauf bleibt auch zu einem sp\u00e4ter Zeitpunkt nachvollziehbar. Somit hat man speziell als Leader immer den \u00dcberblick.<\/li>\n<li>Asynchrone Kommunikation unterst\u00fctzt fokussiert zu arbeiten und dann zu antworten, wenn man offen f\u00fcr die \u00abAblenkung\u00bb ist. Dies setzt jedoch auch ein bestimmtes Mass an konsequenter Selbstdisziplin voraus.<\/li>\n<li>Durch die schriftliche Kommunikation k\u00f6nnen sich auch introvertierte Team-Mitglieder einbringen, die sich in einem konventionellen physischen Meeting in einer Gruppe eher weniger zu Wort melden w\u00fcrden. Dies ergibt ein homogenes Miteinander aller Beteiligten und ein besseres und ausgeglichenes Resultat.<\/li>\n<li>Wir erleben mehr Qualit\u00e4t und wertvolle Inputs der einzelnen Team-Mitglieder in einer asynchronen Kommunikation, da man seine Ideen \u00fcberlegt niederschreiben muss und somit keine unn\u00f6tigen Diskussionen entstehen, die nicht relevant sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Schwierigkeiten:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Schriftliche Kommunikation ist auf emotionaler\/sozialer Ebene schwierig einzusch\u00e4tzen. Als Leader braucht es zus\u00e4tzliches Engagement und Gesp\u00fcr, um herauszulesen, wie sich der Mitarbeiter aktuell f\u00fchlt. Da oft kein Augenkontakt besteht, sieht man der Person nicht an, ob sie m\u00fcde, gestresst oder einfach schlecht gelaunt ist und kann entsprechend auch nicht dieselbe R\u00fccksicht nehmen.<\/li>\n<li>Asynchrone Kommunikation bringt Wartezeiten mit sich, was Geduld und Vertrauen ben\u00f6tigt. Besonders schwierig ist das in Situationen, wo man Druck vom Kunden bekommt und darauf angewiesen ist, dass sich der Mitarbeitende meldet\/online ist.<\/li>\n<li>Da man die Mitarbeitenden tags\u00fcber nicht \u00fcber den Weg l\u00e4uft, finden keine nat\u00fcrlichen \u00abausserbetrieblichen\u00bb Gespr\u00e4che statt. Diese muss man spezifisch in seinen F\u00fchrungsprozess einbauen, um auch auf zwischenmenschlicher Ebene eine gute Beziehung zu den Mitarbeitenden aufzubauen und zu pflegen.\n<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Ist man von gewissen Vorgehensweisen wieder abgekommen oder etabliert sich virtuelle F\u00fchrung quasi als Standard?<\/h2>\n<p>Die virtuelle F\u00fchrung ist bei uns der \u00abDefault\u00bb. Bei spezifischen Themen setzen wir jedoch \u00f6fters auf real-time-Kommunikation mit Video-Calls oder sogar Treffen, um die asynchrone Kommunikation und somit Wartezeiten und Missverst\u00e4ndnisse zu minimieren. Zum Beispiel:<\/p>\n<p><strong>Video-Calls<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>W\u00f6chentliches Team-Meeting\/Planungsmeeting<\/li>\n<li>HR: Bewerbungsgespr\u00e4che<\/li>\n<li>Projektspezifisch: Komplizierte Tasks\/Briefing oder Bugs werden real-time besprochen<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Physische Meetings:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>HR: Mitarbeitende werden erst angestellt, wenn man sich mindesten 1x gesehen hat<\/li>\n<li>HR: Regelm\u00e4ssige Mitarbeitergespr\u00e4che werden mit einem physischen Treffen kombiniert<\/li>\n<li>Teambildung: Wir treffen uns mindestens 1-2x im Jahr, alle zusammen, f\u00fcr mehrere Tage<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Welche Schl\u00fcsselkompetenz muss ich als virtuelle F\u00fchrungskraft vor allem mitbringen\/entwickeln?<\/h2>\n<p>Das sind einige, beispielsweise:<\/p>\n<ul>\n<li>Gute Sozialkompetenz, Vertrauen und Geduld (als Micro-Manager ist man fehl am Platz)<\/li>\n<li>Die F\u00fchrungskraft ist Teil vom Team (flache Hierarchie) und muss f\u00fcr eine offene Feedback-Kultur offen sein. Es gibt keine Chefs, keiner steht \u00fcber dem anderen, sondern es ist ein Miteinander<\/li>\n<li>Akzeptieren, dass jeder Mitarbeitende seine eigene Routine hat und selber entscheiden kann, wann und wo er arbeitet<\/li>\n<li>Darauf vertrauen, dass die Mitarbeitenden ihre Arbeit pflichtbewusst erledigen, auch wenn sie online nicht verf\u00fcgbar sind<\/li>\n<li>Als Leader zwar die Vision\/Rahmenbedingungen vorgeben und vorleben, aber Raum lassen, dass sich die Mitarbeitenden entfalten k\u00f6nnen<br \/>Teamspirit muss aktiv gepflegt werden und geh\u00f6rt genauso auf die To-do-Liste wie die Tasks aus dem Kundenprojekt<\/li>\n<li>Der F\u00fchrungsstil basiert auf Vertrauen und Support<\/li>\n<li>Vollumf\u00e4nglich digital Arbeiten<\/li>\n<li>Gute schriftliche Kommunikation<\/li>\n<li>Breites Know-how und offen sein, Neues auszuprobieren<\/li>\n<\/ul>\n<p>Fazit: Jeder Mensch arbeitet anders \u2013 darauf muss man sich einstellen.<\/p>\n<p><em>\u00abEin virtuelles Team funktioniert nur mit den richtigen Menschen. Die Mitarbeitenden m\u00fcssen entsprechende F\u00e4higkeiten mitbringen: selbstst\u00e4ndiges Arbeiten, sich selber organisieren k\u00f6nnen, gut und offen kommunizieren. Es braucht Personen, die gut f\u00fcr sich alleine arbeiten und die keine speziellen physischen Interaktionen im Job ben\u00f6tigen.\u00bb\u00a0<\/em>Karin Christen, CEO required<\/p>\n<h2>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/h2>\n<ul>\n<li>Buhr, Andreas \/ Feltes, Florian: Revolution? Ja, bitte!: Wenn Old-School-F\u00fchrung auf New-Work-Leadership trifft. GABAL 2018.<\/li>\n<li>Lariani, Amel: Digital Leadershit &#8211; Die innere Haltung f\u00fchrt zur Wirkung. Selbstverlag Embodymentguide 2019.<\/li>\n<li>Liebermeister, Barbara: Digital ist egal: Mensch bleibt Mensch &#8211; F\u00fchrung entscheidet. GABAL 2017.<\/li>\n<li>Sheninger, Eric C.: Digital Leadership: Changing Paradigms for Changing Times. SAGE Publications 2019.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>\u00dcber dem Autor<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/stollerschai\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Daniel Stoller-Schai<\/a> ist durch seine mehrj\u00e4hrigen Praxis davon \u00fcberzeugt, dass Kollaboration der Schl\u00fcssel zum Erfolg in Netzwerkorganisationen ist. Die Strategien, Methoden und Kompetenzen dazu, entwickelt er als Change Companion der Firma <a href=\"https:\/\/www.collaboration-design.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Collaboration Design<\/a> zusammen mit seinen Kunden. Als Manager f\u00fcr digitale Lern- und Arbeitstechnologien hat er bei Phonak, UBS, CREALOGIX sowie in weiteren Firmen und Startups Kundenprojekte umgesetzt und Erfahrungen mit dem globalen Einsatz internetgest\u00fctzter Lern- und Arbeitsprojekten gesammelt. Diese Erfahrungen gibt er auch als Programmleiter am Institut f\u00fcr Kommunikation &amp; F\u00fchrung, Luzern und als Head Advisory Board der LEARNING INNOVATION Conference weiter.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/hrtoday.ch\/de\/article\/fuehrung-eines-komplett-virtuellen-unternehmens-collaboration-adventsserie?xing_share=news\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">hrtoday<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Firmen vernetzter und digitaler werden und Mitarbeitende flexible Arbeitsorte und -zeiten selber w\u00e4hlen k\u00f6nnen, dann wird auch F\u00fchrung vermehrt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5762,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1085,64],"tags":[246],"class_list":["post-8568","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-leadership-and-management","category-leadership-und-fuehrung","tag-collaboration-digitalisierung-leadership-management-mobiles-arbeiten-organisationsentwicklung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8568","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8568"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8568\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8568"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}