{"id":8521,"date":"2026-05-30T09:27:56","date_gmt":"2026-05-30T09:27:56","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/drei-zukunftsszenarien-wie-sich-der-arbeitsort-auf-stadtbild-mobilitaet-und-nachhaltigkeit-auswirken-koennte-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:56","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:56","slug":"drei-zukunftsszenarien-wie-sich-der-arbeitsort-auf-stadtbild-mobilitaet-und-nachhaltigkeit-auswirken-koennte-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/drei-zukunftsszenarien-wie-sich-der-arbeitsort-auf-stadtbild-mobilitaet-und-nachhaltigkeit-auswirken-koennte-en\/","title":{"rendered":"Drei Zukunftsszenarien, wie sich der Arbeitsort auf Stadtbild, Mobilit\u00e4t und Nachhaltigkeit auswirken k\u00f6nnte"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Die Anzahl an Unternehmen, die Telearbeit, mobiles Arbeiten, Home Office etc. anbieten und die Zahl an Mitarbeitenden, die dieses Angebot wahrnehmen, steigen seit Jahren kontinuierlich an. Durch die Coronavirus-Pandemie wird dieser Trend weiter beschleunigt. Doch wie wird die Arbeitswelt nach der Pandemie aussehen? Um diese Frage im Bezug auf den Arbeitsort zu beantworten, entwickelte ich im Rahmen meiner Masterarbeit drei Szenarien zu unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen des Home Office-Trends. Darin werden dessen langfristige Auswirkungen auf die Fl\u00e4chenplanung von Unternehmen, das zuk\u00fcnftige Bild von deutschen St\u00e4dten, sowie die Nachhaltigkeit und Mobilit\u00e4t dargestellt.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Szenarien st\u00fctzen sich auf Befragungen von Experten aus Wirtschaft und Forschung und werden im Folgenden vorgestellt.<\/p>\n<h2>Szenario 1: Least Change Szenario<\/h2>\n<p>Das erste Zukunftsszenario beschreibt eine Entwicklung, in der wenig Ver\u00e4nderung zum derzeitigen Stand beziehungsweise zum Stand vor der Pandemie eintreten wird.<\/p>\n<p>Unternehmen fokussieren sich auf das Arbeiten vor Ort im B\u00fcro und setzen kaum auf Telearbeit oder Home Office. Diese Entwicklung geht darauf zur\u00fcck, dass w\u00e4hrend der Pandemie die Nachteile des Home Office zu starken Einbu\u00dfen in Produktivit\u00e4t, Innovation und Effizienz gef\u00fchrt haben. Es wird kein Recht-auf-Home-Office-Gesetz erlassen, der digitale Ausbau geht nur schleppend voran. Die Wirtschaftslage ist aufgrund der Pandemie stark geschw\u00e4cht und Unternehmen investieren nur zaghaft. Daher nehmen die Unternehmen kaum Umstrukturierungen vor und bauen keine B\u00fcrofl\u00e4chen um.<\/p>\n<p>Aufgrund der Wirtschaftskrise tritt nach der Coronavirus-Pandemie ein B\u00fcroleerstand auf, da Unternehmen Insolvenz anmelden. Trotzdem stehen attraktive Immobilien nicht leer. Deswegen tritt kein \u00fcberproportionaler Leerstand ein, sondern die vorherrschende Platzenge in den Innenst\u00e4dten Deutschlands geht zur\u00fcck. Das Stadtbild ver\u00e4ndert sich nur unwesentlich. Unattraktive Standorte scheiden aus dem Markt aus.<\/p>\n<p><em>Insgesamt entwickelt sich die Leerstandsquote hin zu einem gesundem, nat\u00fcrlichem Niveau.<\/em><\/p>\n<p>Die Infrastruktur in der Innenstadt und rund um B\u00fcroparks wird nicht zur\u00fcckgebaut, da Kosten und Nutzen in keinem angemessenem Verh\u00e4ltnis zu einander stehen. Au\u00dferdem fahren die Mitarbeitenden wieder verst\u00e4rkt zur Arbeit und der Pendlerverkehr wird nicht entlastet. Andererseits findet keine zus\u00e4tzliche Belastung des Pendlerverkehrs statt. Dies wird darauf zur\u00fcck geschlossen, dass sich die Zahl der Arbeitnehmer reduziert ausgel\u00f6st durch Arbeitslosigkeit und Vergreisung. Umweltschutzgesetze zum Pendlerverkehr werden aufgrund der angespannten Wirtschaftslage nicht erlassen. Zudem verfallen die Menschen in alte Mobilit\u00e4tsmuster und nutzen vermehrt eigene Fahrzeuge und weniger \u00d6PNV.<\/p>\n<h2>Szenario 2: Trend-Szenario<\/h2>\n<p>Das zweite Szenario beschreibt eine Entwicklung, bei der Home Office und Telearbeit nach der Pandemie umfassend in den Unternehmensalltag in Form von hybridem Arbeiten etabliert werden. Hybrides Arbeiten wird auch alternierende Telearbeit genannt und ist die Mischung aus Arbeiten im B\u00fcro, unterwegs oder zuhause, je nach Anforderung (Frodl, 1998).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Coronavirus-Pandemie erkannten Unternehmen, welche Vorteile und welche Nachteile das Arbeiten im Home Office birgt. Sie erwarten beim Einf\u00fchren eines hybriden Modells Synergieeffekte aus Pr\u00e4senz- und Remote-Arbeit. Die Unternehmen f\u00fchren Regelungen ein, die 40% bis 60% Home Office bzw. Telearbeit bei B\u00fcroarbeitern pro Woche erm\u00f6glichen und setzen auf eine hohe Flexibilit\u00e4t und Eigenverantwortung bei den Arbeitnehmern. Die Wirtschaftslage ist stabil und hat sich nach der pandemiebedingten Wirtschaftskrise erholt. Unternehmen sind daher dazu bereit, Investitionen zu t\u00e4tigen. Die Digitalisierung f\u00fchrt zu neuen Technologien und Innovationen, sodass das (Zusammen-)Arbeiten \u00fcberall und problemlos funktioniert. Ein Recht-auf-Home-Office-Gesetz wurde eingef\u00fchrt, welches die beschriebene Entwicklung zus\u00e4tzlich beschleunigt.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser Trends ver\u00e4ndern Unternehmen ihre Fl\u00e4chenplanung. Desk-Sharing wird aufgrund von Effizienzsteigerung vermehrt eingesetzt und daher fallen Einzelarbeitspl\u00e4tze und -b\u00fcros weg. Auf der anderen Seite wird mehr Fl\u00e4che f\u00fcr Kollaboration, Begegnung und Kreativit\u00e4t genutzt. Dadurch wird ein Teil der Fl\u00e4chenreduzierung ausgeglichen beziehungsweise anderweitig verwendet. Bei der Standortwahl werden kleinere Standorte gew\u00e4hlt, die f\u00fcr die Mitarbeiter attraktiver sind (z.B. durch die Lage oder Ausstattung). Zudem setzen Unternehmen vermehrt auf Satellite-Offices in Vororten, bei denen kleine B\u00fcros in Au\u00dfenst\u00e4dten angemietet werden (Rohrig, 2020). So werden Metropolen entlastet und die Strukturen der Unternehmen dezentraler.<\/p>\n<p>Ein B\u00fcroleerstand wird nur in geringem Ma\u00dfe eintreten. Dabei sind vor allem veraltete und unattraktive Immobilien betroffen. Das Stadtbild ver\u00e4ndert sich, da B\u00fcroimmobilien qualitativ aufgewertet werden, um sie f\u00fcr die Mitarbeiter attraktiver zu gestalten. Es tritt eine Stadtflucht auf das Land ein, da Mitarbeitende seltener zur Arbeit fahren und das Leben auf dem Land Vorteile wie beispielsweise die N\u00e4he zu Natur bietet.<\/p>\n<p><em>Durch den Fortschritt der Digitalisierung gibt es keine Schwierigkeiten in l\u00e4ndlichen Regionen beim Arbeiten von zuhause. Durch diese Entwicklung entspannt sich der Wohnungsmarkt in der Stadt und die Steigerung der Mietpreise wird ausgebremst.<\/em><\/p>\n<p>Durch das Etablieren des hybriden Arbeitens f\u00e4llt ein Teil der sekund\u00e4ren Infrastruktur (z.B. Restaurants) rund um B\u00fcroparks weg, da diese nicht mehr in gro\u00dfem Ausma\u00df ben\u00f6tigt wird. Dienstleister verschwinden fast komplett aus den B\u00fcroparks und lassen sich stattdessen in anderen Stadtteilen nieder. Aufgrund der st\u00e4rkeren Ausrichtung auf Kollaboration und Zusammenarbeit im B\u00fcro gibt es mehr Infrastruktur, die sich der Betreuung der Teams widmet wie zum Beispiel Catering, Events oder Team Activities.<\/p>\n<p>Der Pendlerverkehr wird in mittleren Ausma\u00dfe durch den Wegfall von Arbeitswegen, entzerrte Ballungsgebiete und dem Ausbau des \u00d6PNVs entlastet. Trotzdem kommt es zu einem Rebound-Effekt, da Mitarbeitende l\u00e4ngere Strecken in Kauf nehmen, die nicht so h\u00e4ufig gefahren werden m\u00fcssen und so in Summe die zur\u00fcckgelegten Wege h\u00f6her sind als vor der Pandemie. Zudem l\u00e4sst sich eine Verschiebung der Mobilit\u00e4ts- und Verkehrsstr\u00f6me erkennen. So nimmt der Nahstadtverkehr zu, der Zwischenstadtverkehr nimmt jedoch ab.<\/p>\n<p>Durch das hybride und flexible Arbeiten gibt es keine Sto\u00dfzeiten mit starkem Verkehr, sondern der Verkehr ist gleichm\u00e4\u00dfig dicht.<\/p>\n<h2>Szenario 3: Most Change-Szenario<\/h2>\n<p>Das dritte Szenario beschreibt eine Entwicklung, bei der Telearbeit und Home Office in den B\u00fcroberufen in Unternehmen weitverbreitet ist.<\/p>\n<p>Unternehmen entscheiden sich f\u00fcr diese Art der Arbeit aufgrund von positiven Erfahrungen w\u00e4hrend der Pandemie wie zum Beispiel Kosteneinsparungen. Zudem wird ein Home Office-Gesetz eingef\u00fchrt, welches diese Entwicklung beschleunigt. Die Wirtschaft erholt sich langsam von der Krise, die durch die Pandemie ausgel\u00f6st wurde. Jedoch m\u00fcssen weiterhin Kosten eingespart werden und Investitionen werden nur scheu get\u00e4tigt. Der digitale Wandel wird stark beschleunigt, sodass es keine technischen Schranken f\u00fcr das Home Office gibt.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser Entwicklungen passen die Unternehmen ihre Langzeitstrategien f\u00fcr die Fl\u00e4chenplanung an und bauen B\u00fcrofl\u00e4chen teilweise komplett ab. Die \u00fcbrigen Fl\u00e4chen werden zu Desk-Sharing-Fl\u00e4chen umgebaut. Aufgrund der Zunahme an Telearbeit tritt ein \u00fcberproportionaler Leerstand ein, der vor allem unattraktive Lagen wie beispielsweise strukturschwache Regionen betrifft, jedoch auch in attraktiven Lagen sp\u00fcrbar ist.<\/p>\n<p>Dies hat Auswirkungen auf das Stadtbild. Durch den \u00fcberproportionalen Leerstand werden B\u00fcroimmobilien umgenutzt. Leere Immobilien werden je nach Lage, Grundriss und Spezifizierung zu Wohnungen, Studenten \u2013 und Alterswohnheimen, Lagerr\u00e4umen, Freizeit-, Bildungs- oder Kultureinrichtungen umgebaut. Immobilien, die nicht umgenutzt werden k\u00f6nnen, werden abgerissen. Diese freien Fl\u00e4chen werden beispielsweise zu Parks umgestaltet. Aufgrund von Mietkostenvorteilen und der N\u00e4he zur Natur ziehen Mitarbeitende von der Stadt auf das Land.<\/p>\n<p><em>Zudem setzen Unternehmen vereinzelt auf Satellite-Offices in Au\u00dfen- und Kleinst\u00e4dten. Es findet eine Entlastung der Metropolen statt.<\/em><\/p>\n<p>Ebenso l\u00e4sst sich erkennen, dass die Wohnungen gr\u00f6\u00dfer werden, da ein zus\u00e4tzliches Zimmer als Arbeitszimmer eingerichtet wird. Die Infrastruktur rund um B\u00fcroparks wird stark reduziert, da es nur noch einen Bruchteil von Konsumenten dort gibt. Dazu geh\u00f6rt, dass sekund\u00e4re (z.B. Imbiss) und terti\u00e4re (z.B. Friseur) Wirtschaftsstrukturen komplett aus B\u00fcroparks verschwinden und stattdessen vermehrt in Wohngebiete ziehen.<\/p>\n<p>Aufgrund des Wegfalls vom Gro\u00dfteil der B\u00fcroarbeiter aus dem t\u00e4glichen Pendlerverkehr und aufgrund des Ausbaus von \u00d6PNV wird der Pendlerverkehr entlastet. Jedoch kommt es teilweise zu einem Rebound-Effekt, da Gesch\u00e4ftsreisen aufgrund von z.B. Team-Events und Kundenbesuchen zunehmen. Der \u00fcberregionale Verkehr nimmt mittel- bis langfristig aufgrund der Bev\u00f6lkerungsvergreisung und der Zunahme der Telearbeit ab. Die Mobilit\u00e4tsstr\u00f6me verschieben sich hin zu einer Mischung zwischen komplett leeren Stra\u00dfen und \u00fcberf\u00fcllten Sto\u00dfzeiten, in denen Arbeitnehmer, bei denen Telearbeit nicht m\u00f6glich ist, pendeln.<\/p>\n<p>Zudem nimmt der Nahstadtverkehr insgesamt zu, der Zwischenstadtverkehr nimmt jedoch ab.<\/p>\n<h2>Fazit zu den Szenarien<\/h2>\n<p>Eine Einsch\u00e4tzung zur Wahrscheinlichkeit des Eintretens der unterschiedlichen Szenarien kann nicht quantifiziert werden. Aus den Interviews mit Experten geht jedoch hervor, dass eine Entwicklung zum hybriden Modell, wie es das Trend-Szenario beschreibt, als am plausibelsten einzusch\u00e4tzen ist.<\/p>\n<p><strong><em>Autorin<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/katharina-cox-nowak-966974120\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Katharina Cox-Nowak<\/a> ist Business Change Analyst bei FIS<\/em><\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Frodl, Andreas (1998): Durch Telearbeit zum virtuellen Unternehmen, in: Personal, 50(9), S. 420<br \/>Rohrig, Daniel (2020): Das ist typisch f\u00fcr das Ende eines Zyklus, in: Immobilien Zeitung, Nr. 41, vom 08.10.2020, S. 5<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.zukunftderarbeit.de\/2021\/05\/04\/drei-zukunftsszenarien-wie-sich-der-arbeitsort-auf-stadtbild-mobilitaet-und-nachhaltigkeit-auswirken-koennte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener 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