{"id":8512,"date":"2026-05-30T09:27:55","date_gmt":"2026-05-30T09:27:55","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/digitale-nomaden-was-unternehmen-von-ihnen-lernen-koennen-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:55","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:55","slug":"digitale-nomaden-was-unternehmen-von-ihnen-lernen-koennen-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/digitale-nomaden-was-unternehmen-von-ihnen-lernen-koennen-en\/","title":{"rendered":"Digitale Nomaden \u2013 Was Unternehmen von ihnen lernen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>In den sozialen Netzwerken sind sie als Gurus des passiven Einkommens, als innovative Masterminds und Instagram-Influencer*innen schon l\u00e4ngst \u00fcberall sichtbar: die digitalen Nomad*innen. Arbeiten, wo andere Urlaub machen, ist das gro\u00dfe Versprechen. Doch bisher bev\u00f6lkern die selbstst\u00e4ndigen Freelancer*innen, Lifestyle-Coaches und Start-up-Gr\u00fcnder*innen nur die Coworking-Spaces in Bali, Thailand und Co. Als Produktmanagerin und Werkstudentin beim Berliner Start-up Housy, ist mir aber klar geworden, wie viel man aus diesem Lebensstil mit in deutsche Unternehmen bringen kann \u2013 wenn diese denn offen daf\u00fcr sind.<\/strong><\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<h2>Vom Berliner B\u00fcro des Start-ups Housy an den Strand<\/h2>\n<p>Selbstst\u00e4ndigkeit und Freelance-Arbeit sind keine Grundvoraus-setzungen mehr geografisch flexibel arbeiten zu k\u00f6nnen, denn einige Arbeitgeber*innen ziehen bereits mit \u2013 wenn in Deutschland auch recht z\u00f6gerlich. Nicht so z\u00f6gerlich das Start-up <a href=\"https:\/\/www.housy.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Housy<\/a>, f\u00fcr das ich Ende 2018 die Rolle der Produktmanagerin \u00fcbernahm. Das Produktteam erstreckte sich ohnehin schon \u00fcber deutsche Grenzen hinweg. Online-Projektmanagement-Tools kamen bereits zu meinen Berliner Zeiten zum Einsatz, Kollaboration lief ganz nat\u00fcrlich von Beginn an international, kommuniziert wird im Produktteam nat\u00fcrlich auf Englisch. L\u00e4ngst sind internationale Teams als Instrument zur Verbesserung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit auf einem globalisierten Markt geworden.<\/p>\n<p>Aus diesem Grunde kam es nicht allzu \u00fcberraschend, dass die Gr\u00fcnder Raymond Naseem und Sebastian Melchert kein Problem darin sahen, als ich meinen Plan verk\u00fcndete, anstatt in Berlin zu verweilen, auf der ganzen Welt zu arbeiten. Die Housy-Gr\u00fcnder erkannten, dass meine Motivation und Kenntnis des Produktes h\u00f6her zu priorisieren waren als die Risiken der geografischen Abwesenheit.<\/p>\n<p>Meine tempor\u00e4ren Arbeitsst\u00e4tten sind meist zentrierte Nomaden-Communities, deren Standorte durch eine exzellente Internetverbindung, dem Vorhandensein von Coworking-Spaces, arbeitsfreundlichen Caf\u00e9s und g\u00fcnstigen Lebenshaltungskosten gepr\u00e4gt sind.<\/p>\n<p>Darunter z\u00e4hlen viele Orte in S\u00fcdostasien wie Bali und Thailand, aber auch Marokko oder Kolumbien. Internetgeschwindigkeiten k\u00f6nnen auf einer Insel wie Bali um L\u00e4ngen besser sein, als es die meisten Haushalte in Deutschland kennen.<\/p>\n<p>Die digitalen Nomad*innen haben diese Orte regelrecht in westliche, digitale Oasen transformiert, in denen Querdenker aus aller Welt zusammenkommen und sich austauschen. Hier b\u00fcndeln sich Ideen und die Disruptoren der Zukunft.<\/p>\n<p><em>&#8220;Problematisch ist nur, dass vielen Unternehmen all diese Schlagkraft verloren geht, wenn sie diesem Lebensstil nicht offen gegen\u00fcberstehen.&#8221;<br \/><\/em>\u00a0<\/p>\n<h2>Life-Work-Balance anstatt Work-Life-Balance<\/h2>\n<p>Denn blo\u00dfe Anwesenheit ist also schon lange kein Garant mehr f\u00fcr effektive Kollaboration und optimale Leistung. Das wissen die Nomad*innen, wenn sie sich erfolgreich selbstst\u00e4ndig machen, anstatt die Gestaltung ihres Alltags von Restriktionen einer Human Resources Abteilung abh\u00e4ngig zu machen. Die M\u00f6glichkeit, im Home-Office zu arbeiten, betrifft n\u00e4mlich nicht nur frisch gebackene M\u00fctter, sondern wird von der Generation Internet schon beinahe vorausgesetzt \u2013 unabh\u00e4ngig des Geschlechts.<\/p>\n<p><em>&#8220;Die Unternehmen der Zukunft m\u00fcssen der Tatsache ins Auge blicken, dass meine Generation, die jungen K\u00f6pfe von morgen, ihr Leben nicht mehr um die Arbeit herum plant, sondern die Arbeit um das Leben, das sie sich w\u00fcnschen.&#8221;<br \/><\/em><\/p>\n<p>Meiner Meinung nach haben viele deutsche Unternehmen es schlichtweg vers\u00e4umt, die richtigen Anreize zu setzen. W\u00e4hrend diese Unternehmen externe Beratungsfirmen beauftragen, um die Work-Life-Balance ihrer Mitarbeiter*innen zu verbessern, haben die Leistungstr\u00e4ger*innen von morgen schon l\u00e4ngst eine umgekehrte Life-Work-Balance als Standard gesetzt. Life-Work-Balance beinhaltet nicht unbedingt weniger Arbeit. Flexible Arbeitsmodelle sind mit der richtigen Technologie wie Cloud-Computing und Organisation in kaum einer Branche noch ein Ding der Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Doch wie organisiert sich ein Arbeitsalltag, wenn Firmensitz und Arbeitsst\u00e4tte tausende Kilometer voneinander entfernt sind?<\/p>\n<h2>Mehr Eigenverantwortlichkeit, Zeitzonendiskrepanz und die Rolle von progressiven F\u00fchrungskr\u00e4ften<\/h2>\n<p>Wenn sechs bis acht Stunden Zeitzonenunterschiede zwischen internationalen Teams liegen, kann dies zu Konflikten f\u00fchren. Eine intensive Planung aller Aktivit\u00e4ten kann dies vermeiden, aber auch eine flexible Interpretation der Arbeitszeiten kann hier Abhilfe schaffen.<\/p>\n<p><em>&#8220;Das Frauenhofer IAO identifizierte 2018, nicht eine gelegentliche Erreichbarkeit au\u00dferhalb der regul\u00e4ren Arbeitszeiten als Stressfaktor einer flexibleren Arbeitszeitgestaltung, sondern die Erh\u00f6hung der Arbeitsbelastung in der regul\u00e4ren Arbeitszeit.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Remote Work, auch \u00fcber Zeitzonen hinweg, muss deshalb trotz Verschmelzung nicht direkt das Burn-out bedeuten. Eine proaktive Abgrenzung von Beruflichem und privatem seitens der Mitarbeiter*innen und die Akzeptanz dieser Grenzen seitens der Arbeitgeber*innen sind vonn\u00f6ten. Deshalb muss sich die bekannte Arbeits- und Kontroll-Beziehung zwischen Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen ver\u00e4ndern. Nur mit einer beidseitigen Feedbackkultur und flacheren Hierarchien kann genug Vertrauen aufgebaut werden. Durch diese Offenheit wird bei Housy deshalb erfolgreich das Konzept der Vertrauensarbeit umgesetzt.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte agieren in flexibleren Unternehmen als Coaches und Begleiter*innen einer Entwicklung, Angestellten wird mehr Verantwortung \u00fcbertragen und Fehler werden als Lernerfahrung zelebriert. Eine beinahe utopische Ver\u00e4nderung der Unternehmenskultur, wenn alte Arbeitsphilosophien tiefe Gr\u00e4ben zwischen Angestellten und F\u00fchrungsebenen gegraben haben.<\/p>\n<p><em>&#8220;Denn Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter*innen ist essenziell f\u00fcr Remote Work.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>In den Coworking Spaces kontrolliert niemand meine Anwesenheit, genauso wenig wie jemand wahrnimmt, dass ich abends im Restaurant noch einmal meinen Laptop aufklappe. Eigenverantwortlichkeit kann aber erst bewiesen werden, wenn F\u00fchrungskr\u00e4fte lernen loszulassen, weshalb flexiblere Arbeitsmodelle wahrscheinlich besser in Start-ups wie Housy funktionieren. Mit jungen Gr\u00fcnder*innen, die bereits in einer anderen Welt aufwuchsen, m\u00fcssen diese grundlegenden, misstrauischen Glaubenss\u00e4tze gar nicht erst wieder verlernt werden.<\/p>\n<h2>Die B\u00fcroarchitektur der Coworking Spaces<\/h2>\n<p>Doch nicht nur aus der Arbeitsorganisation, die mit der Remote Work einhergeht, k\u00f6nnen Unternehmen R\u00fcckschl\u00fcsse f\u00fcr die Zukunft ziehen. Coworking-Spaces haben durch die individuellen Bed\u00fcrfnisse ihrer Mitglieder eine B\u00fcroarchitektur entwickelt, die Kollaboration und intensive Arbeit gleicherma\u00dfen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>So bieten Coworking-Spaces Konzepte wie \u201eHot- und Cold-Desks\u201c an, bei dem hot nicht weiter als flexibel und cold zugewiesen bedeutet. Mitglieder mit einer \u201eHot Desk\u201c-Mitgliedschaft k\u00f6nnen sich \u00fcberall hinsetzen, wo Platz ist, und wohin sie ihre mobilen Endger\u00e4te tragen m\u00f6chten. Sie sind f\u00fcr ihre Arbeitsatmosph\u00e4re selbst verantwortlich und k\u00f6nnen diese jeden Tag an ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse anpassen. Gleichzeitig ist der Coworking-Space in Zonen der ruhigen Arbeit, Zonen zum informellen Austausch, wie Caf\u00e9s und Stehtische, sowie formelle Meetingr\u00e4ume eingeteilt. F\u00fcr intensive Arbeitstage mit hohem Konzentrationsaufwand wird von einer Ruhezone Gebrauch gemacht. Zur Pause machen etliche Nomaden in Sitzs\u00e4cken oder H\u00e4ngematten mit Schlafmaske einen Powernap. Nur eine Glasscheibe trennt sie von einem Meetingraum, in dem sich ein internationales Team f\u00fcr einen Workshop in Chiang Mai, Thailand, zusammengefunden hat. Im Nebenraum bekommen Gr\u00fcnder aus aller Welt Inspiration und teilen ihr Wissen mit Menschen aus den verschiedensten Branchen.<\/p>\n<p><em>&#8220;Coworking-Spaces sind zu Informel-formellen Orten der Kollaboration geworden, deren Architektur verst\u00e4rkt auch in die Privatb\u00fcrolandschaften Deutschlands \u00fcbertragen werden k\u00f6nnte.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Das Schlagwort ist bei dieser flexibleren Sitzordnung die Selbstbestimmung. Meist wissen Mitarbeiter selbst am besten, wie sie innerhalb eines Teams am produktivsten arbeiten k\u00f6nnen. Denn f\u00fcr mich sind dies die Coworking-Spaces der Nomadencommunities S\u00fcdostasiens mit einer Internetverbindung \u00fcber 50Mbit\/s, in denen ich mich von Gleichgesinnten, aber doch ganz anderen Menschen, inspirieren lassen kann.<\/p>\n<p>Zuk\u00fcnftig k\u00f6nnten mehr Unternehmen Remote Work als neue Chance f\u00fcr Innovation und Personalmanagement betrachten \u2013 nicht als Ersatzl\u00f6sung, sondern als flexible Zusatzm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber die Autorin<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/larissa-bl\u00fcmel-0b6900166\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Larissa Bl\u00fcmel<\/a>, Produktmanagerin und Werksstudentin Housy GmbH, macht derzeit \u00a0ihren Master online in Digital Management &amp; Transformation. Vorher hat sie Ihren Bachelor an der FU Berlin in Kommunikationswissenschaften absolviert.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.zukunftderarbeit.de\/2020\/06\/03\/digitale-nomaden-was-unternehmen-von-ihnen-lernen-koennen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zukunft der Arbeit<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den sozialen Netzwerken sind sie als Gurus des passiven Einkommens, als innovative Masterminds und Instagram-Influencer*innen schon l\u00e4ngst \u00fcberall sichtbar: [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":5762,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"footnotes":""},"categories":[1090,10],"tags":[192],"class_list":["post-8512","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ai-and-digital-transformation","category-ki-und-digitale-transformation","tag-arbeiten-4_0-coworking-generation-z-new-work-transformation-zukunftiges-arbeiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8512"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8512\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}