{"id":8497,"date":"2026-05-30T09:27:54","date_gmt":"2026-05-30T09:27:54","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/die-neuen-fuehrungsrollen-lassen-weniger-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:54","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:54","slug":"die-neuen-fuehrungsrollen-lassen-weniger-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/die-neuen-fuehrungsrollen-lassen-weniger-en\/","title":{"rendered":"Die neuen F\u00fchrungsrollen lassen weniger Handlungsspielraum zu"},"content":{"rendered":"<p>Eine F\u00fchrungsrolle zu \u00fcbernehmen, mag leicht erscheinen. Aber diese F\u00fchrungsrolle \u00fcber l\u00e4ngere Zeit so auszuf\u00fcllen, dass sie zum einen f\u00fcr das Umfeld passt und akzeptiert wird und zum anderen f\u00fcr sich selber stimmig ist und zur pers\u00f6nlichen Zufriedenheit f\u00fchrt, ist eine echte Herausforderung.<\/p>\n<h2>F\u00fchrungsrollen k\u00f6nnen zur Rollendefinition und zur Rollengestaltung aus mindestens zwei Blickwinkeln betrachtet werden:<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Die F\u00fchrungsrolle bewegt sich im Spannungsfeld von widerspr\u00fcchlichen Erwartungen<\/strong> und muss fortw\u00e4hrend ausgehandelt und angepasst werden.<\/li>\n<li><strong>Die F\u00fchrungsrolle kann als funktionsbezogene Teilrollen verstanden werden<\/strong> &#8211; wie klassischerweise als Manager, Stratege, Verhandler, Entscheider, Informant, Probleml\u00f6ser usw.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Stellen werden beschrieben &#8211; Rollen nicht<\/h2>\n<p>W\u00e4hrend Stellen und Positionen \u00fcblicherweise durch Stellenbeschreibungen konkret festgelegt werden, werden Rollen nicht n\u00e4her erl\u00e4utert \u2013 weder die Rollendefinition, noch die Rollengestaltung.<\/p>\n<h2>Jede F\u00fchrungskraft gestaltet seine F\u00fchrungsrolle<\/h2>\n<p>Wie die F\u00fchrungsrolle ausgef\u00fcllt wird, h\u00e4ngt deshalb in gro\u00dfem Ma\u00dfe davon ab, was jeder <strong>Einzelne als Tr\u00e4ger seiner Rolle an Kompetenzen, Pers\u00f6nlichkeit, Werten, Bed\u00fcrfnissen etc. in die Rollengestaltung einbringt<\/strong>. Und der Rollensender \u2013 <strong>das Unternehmen, die Organisation, die Akteure, das Umfeld \u2013 wirken ebenfalls auf die Rollengestaltung ein<\/strong>: durch die Aufgabenstellungen, die Kultur, die Anforderungen und vor allem die expliziten und impliziten Erwartungen.<\/p>\n<p>Bisher bedeutete dies: <strong>Jede F\u00fchrungskraft muss ihre Rolle individuell definieren<\/strong> \u2013 auf dem Hintergrund der widerspr\u00fcchlichen Erwartungen und unternehmerischen Dilemmata.<\/p>\n<h2>Rollenklarheit f\u00fchrt zum Handlungsspielraum<\/h2>\n<p><strong>Das Ziel einer Rollendefinition ist die Rollenklarheit:<\/strong> Sie ensteht durch das Entdecken des eigenen Handlungsspielraums &#8211; inmitten der vielf\u00e4ltigen Erwartungen, die an die Rolle gestellt werden. Nur durch diese Erkenntnis wird die Rolle nicht als starres Korsett empfunden: <strong>Die F\u00fchrungskraft kann einen Korridor des Handelns absch\u00e4tzen und die Rolle entsprechend pr\u00e4gnanter und pers\u00f6nlicher ausgef\u00fcllen.<\/strong><\/p>\n<h2>F\u00fchrungsrolle mit klassischen Teilrollen<\/h2>\n<p>Die klassischen Teilrollen, die mit der F\u00fchrungsrolle verbunden sind und sich ebenfalls aus den Anforderungen und Erwartungen des Rollensenders ergeben, beziehen sich vor allem auf die <strong>Funktionen, die eine F\u00fchrungskraft einzunehmen hat<\/strong>: Unternehmer, Planer, Steuermann, Organisator, Beurteiler, Verhandler, Entscheider etc. zu sein. H\u00e4ufig verk\u00f6rpern sie Aspekte des Managements.<\/p>\n<h2>Rollenbeschreibungen statt Stellenbeschreibungen<\/h2>\n<p>Durch die <strong>Ver\u00e4nderungen der Arbeitswelt und mit einem neuen F\u00fchrungsverst\u00e4ndnis einhergehend<\/strong> (Stichwort: Digital Leadership), werden von den Unternehmen zunehmend konkrete F\u00fchrungs(teil)rollen vorgegeben: Anstelle oder zus\u00e4tzlich zu Stellen werden Rollen beschrieben.<\/p>\n<p><strong>Diese Rollenbeschreibungen machen deutlich, welche Erwartungen an das Verhalten und Handeln von F\u00fchrungskr\u00e4ften gestellt werden<\/strong>: Die Rollenbestimmungen sind sehr <strong>viel konkreter<\/strong> und lassen erheblich <strong>weniger Interpretationsspielraum<\/strong> als bisher zu. <strong>Die Freiheitsgrade der Rollengestaltung sind f\u00fcr den Einzelnen deutlich eingeschr\u00e4nkt<\/strong>.<\/p>\n<h2>Unternehmen geben Rollenleitlinien vor<\/h2>\n<p>Die Intention der Unternehmen ist klar: Durch die Rollenvorgaben sollen eine bestimmte<strong> Unternehmenskultur gepflegt und Commitment erzeugt werden<\/strong>. Sie dienen als Leitlinien und werden als notwendig zur Bew\u00e4ltigung der unternehmerischen Herausforderungen und zur Zusammenarbeit erachtet.<\/p>\n<p><strong>Die pr\u00e4zisen Rollenerwartungen machen auch deutlich, dass es zuk\u00fcnftig mehrheitlich um Funktionen und nicht um Status und Positionen geht<\/strong>.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend klassische F\u00fchrungsfunktionsrollen eher aus der Managementsprache abgeleitet werden, entstammen die <strong>neuen Rollen der \u201eLeadership\u201c-Sprache: Facilitator, Coach, Koordinator, Innovator, Change Manager, Vernetzer<\/strong> u.\u00c4.<\/p>\n<p>Welche Funktion eine F\u00fchrungsperson auch auszu\u00fcben hat, Kommunikation ist eines ihrer wichtigsten Instrumente, um die neue Rolle zu gestalten.<\/p>\n<h2>Konkrete Rollenbeschreibungen engen ein<\/h2>\n<p>Ob durch die konkreten Rollenbeschreibungen das Gestalten einer F\u00fchrungsrolle aus Sicht der F\u00fchrungskraft wirklich erleichtert wird, ist fraglich. Etliche Fragen und Bedingungen m\u00fcssen sowohl im Voraus wie auch im F\u00fchrungsalltag gekl\u00e4rt werden, damit die Rollen\u00fcbernahmen gelingen:<\/p>\n<ul>\n<li>Passen die <strong>Rollenerwartungen<\/strong> zur Pers\u00f6nlichkeit des Rollentr\u00e4gers?<\/li>\n<li>Hat der Rollentr\u00e4ger die notwendigen <strong>Kompetenzen<\/strong>, die geforderten, unterschiedlichen Rollen auszu\u00fcben?<\/li>\n<li>Wei\u00df der Rollentr\u00e4ger, in welchen Situationen welches <strong>Rollenverhalten<\/strong> von ihm gefordert ist und gelingt ihm situativ der <strong>Rollenwechsel<\/strong>?<\/li>\n<li>Sind die verschiedenen Rollen gen\u00fcgend voneinander <strong>abgegrenzt<\/strong>?<\/li>\n<li>Wie findet eine <strong>Passung<\/strong> statt zwischen den Rollen der F\u00fchrungskraft und den Rollen der Mitarbeitenden?<\/li>\n<li>Wie <strong>akzeptiere<\/strong>n die Mitarbeitenden die Rollenwechsel einer F\u00fchrungskraft in unterschiedlichen Situationen?<\/li>\n<li>F\u00fchren die Rollen zur <strong>Wirksamkeit<\/strong> in den verschiedenen Situationen?<\/li>\n<li>Passt das erwartete Rollenverhalten f\u00fcr die verschiedenen <strong>Herausforderungen<\/strong> bei normativer, strategischer, operative Verantwortung?<\/li>\n<li>Wie sehen ggf. Sanktionen aus, wenn sich der Rollentr\u00e4ger nicht gem\u00e4\u00df der expliziten Rollenerwartung verh\u00e4lt?<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Rollen\u00fcberlastung, Rollenidentifikation, Rollenkonflikt<\/h2>\n<p>Das Aus\u00fcben einer Rolle ist immer mit Fallstricken verbunden \u2013 sei es bei klassischen Rollen, sei es bei Rollenzuschreibungen der neuen Arbeitswelt:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rollen\u00fcberlastung<\/strong> \u2013 durch das \u00dcbernehmen von vielen \u201eRollenspielen\u201c und durch die Menge der Anforderungen, die mit eigenen und fremden Erwartungen verbunden sind, diese m\u00f6glichst gleichzeitig und gleicherma\u00dfen kompetent aus\u00fcben zu m\u00fcssen<\/li>\n<li><strong>Zu wenig Rollendistanz<\/strong> \u2013 durch zu starke Identifikation mit den Rollen: Hier wird das Aus\u00fcben der Rolle rasch zu einem starren Korsett, oder man findet sich im Hamsterrad wieder. Burn-Out und andere Krankheiten k\u00f6nnten die Folge sein. Nur eine gesunde Rollendistanz erm\u00f6glicht durch Selbstwahrnehmung, dass die Rollengestaltung reflektiert, korrigiert und angepasst werden kann.<\/li>\n<li><strong>Rollenkonflikte<\/strong> \u2013 z.B. durch innere Zerrissenheit zwischen verschiedenen Werten oder zwischen verschiedenen Rollen bzw. durch Rolleneinschr\u00e4nkungen und einem engen Rollenrepertoire.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Rollen\u00fcbernahme scheitert<\/h2>\n<p>Wie bei allen Rollen\u00fcbernahmen kann diese scheitern. Konsequenzen m\u00fcssen vor allem dann gezogen werden, wenn \u2026<\/p>\n<ul>\n<li>das<strong> Unternehmen<\/strong> als Rollensender (Vorgesetzte, Kollegen etc.) die F\u00fchrungskraft nicht durch entsprechende <strong>Rahmenbedingungen<\/strong> unterst\u00fctzt. (z.B. durch M\u00f6glichkeiten zum Lernen oder durch das Tolerieren von Fehlern)<\/li>\n<li>Die <strong>F\u00fchrungsperson<\/strong> als Rollentr\u00e4ger nicht \u00fcber die notwendigen pers\u00f6nlichen, sozialen, methodischen, unternehmerischen <strong>Kompetenzen<\/strong> verf\u00fcgt.<\/li>\n<li>der Rollentr\u00e4ger<strong> nicht bereit ist<\/strong>, auf die Erwartungen und Anforderungen der Stakeholder klug und angemessen einzugehen.<\/li>\n<li>die Rolle <strong>sehr eng definiert<\/strong> ist und kein <strong>Handlungsspielraum<\/strong> verhandelbar ist.<\/li>\n<li>Rollenkonflikte und Rollen\u00fcberlastung <strong>\u00fcberhand<\/strong> nehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Chancen von neuen Rollenzuschreibungen nutzen!<\/h2>\n<p>Bei allen Schwierigkeiten, die mit den neuen Rollenzuschreibungen verbunden sind, bieten diese auch <strong>Chancen<\/strong>, die bei entsprechenden Voraussetzungen genutzt werden sollten:<\/p>\n<ul>\n<li>In vielen Unternehmen besteht die M\u00f6glichkeit, die <strong>neuen Rollen (nur) auf Zeit<\/strong> zu \u00fcbernehmen. Das bringt <strong>Leichtigkeit<\/strong> und Optionen zum <strong>Experimentieren<\/strong>.<\/li>\n<li>Und: Das <strong>Rollenrepertoire<\/strong> kann vergr\u00f6\u00dfert und das eigene Portfolio erg\u00e4nzt werden! Sehen Sie es als eine gro\u00dfe Chance zur<strong> Kompetenz- und Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung<\/strong>!<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong><em>\u00dcber die Autorin<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.xing.com\/profile\/Barbara_SimonsenMBA\/portfolio?sc_o=news-2966_in_pr_bx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Barbara Simonsen MBA<\/a><br \/><em>F\u00fchrung &amp; Karriere: Karriereeinstieg, Karriereplanung, \u00dcbergang in Ruhestand, <a href=\"http:\/\/www.simonsen-management.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.simonsen-management.de<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Sie unterst\u00fctzt Sie als Coach &amp; Beraterin, schwierige Situationen und \u00dcberg\u00e4nge zu meistern: den Einstieg auf die Karriereleiter, die Entwicklung der Berufslaufbahn, den \u00dcbergang in den Ruhestand. Zudem ist sie Moderatorin f\u00fcr gro\u00dfe Anl\u00e4sse mit Zukunftswerkstatt, World Caf\u00e9, OpenSpace.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.xing.com\/news\/insiders\/articles\/die-neuen-fuhrungsrollen-lassen-weniger-handlungsspielraum-zu-1364642?xing_share=news&amp;cce=em5e0cbb4d.%3AAAHpIORWm2ZkUNabEV6iwtAH\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">INSIDER\u00a0f\u00fcr kompetente F\u00fchrung&amp;stimmige Karriereplanung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine F\u00fchrungsrolle zu \u00fcbernehmen, mag leicht erscheinen. 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