{"id":8457,"date":"2026-05-30T09:27:52","date_gmt":"2026-05-30T09:27:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/chaos-management-was-unternehmer-und-fuehrungskraefte-von-kuenstlern-lernen-koennen-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:52","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:52","slug":"chaos-management-was-unternehmer-und-fuehrungskraefte-von-kuenstlern-lernen-koennen-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/chaos-management-was-unternehmer-und-fuehrungskraefte-von-kuenstlern-lernen-koennen-en\/","title":{"rendered":"Chaos-Management: Was Unternehmer und F\u00fchrungskr\u00e4fte von K\u00fcnstlern lernen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p><em>Unternehmer und F\u00fchrungskr\u00e4fte von heute stehen vor der Herausforderung, kreativ, innovativ und anders zu sein als der Wettbewerb. Es reicht nicht aus, einfach nur ein tolles Produkt kosteng\u00fcnstig herzustellen und zu vertreiben. Weil sich Unternehmer und F\u00fchrungskr\u00e4fte in komplexen und oft un\u00fcbersichtlichen Strukturen bewegen und auf kreative Probleml\u00f6sungen angewiesen sind, sind sie zur Innovation geradezu verdammt. Kann die Kunst, k\u00f6nnen K\u00fcnstler dabei als Inspirationsquelle dienen?<\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<h2>Kreatives Denken durch Kunst<\/h2>\n<p>Der Kultursoziologe Theodor W. Adorno beeinflusste mit diesem Satz ganze Generationen von K\u00fcnstlern:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eDie Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in Ordnung zu bringen\u201d.<\/em><\/p>\n<p>Das Management vieler Organisationen vermeidet es tunlichst, Unternehmen und Kreativwirtschaft zusammenzubringen. Manager h\u00f6rt man \u00fcber Kreative oft sagen: \u201eWir haben schon genug Chaos in unserem Unternehmen.\u201d<\/p>\n<p>Diese Diskussion entspricht schon lange nicht mehr der Wirklichkeit. Auch K\u00fcnstler und Kreative planen<\/p>\n<ul>\n<li>ihre n\u00e4chsten Arbeitsschritte,<\/li>\n<li>die Woche,<\/li>\n<li>den Monat,<\/li>\n<li>das Jahr,<\/li>\n<li>ein Ausstellungsprojekt,<\/li>\n<li>einen Auftrag,<\/li>\n<li>ihre Erfolgsstrategie,<\/li>\n<li>ihre Zukunft.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aber ihre Planung ist<strong> nicht methoden- oder zahlengetrieben<\/strong>, sie schlie\u00dft immer ein gesundes und produktives Ma\u00df an <strong>Chaos und Improvisation<\/strong> mit ein. Das erfordert Mut, Flexibilit\u00e4t, Offenheit, Selbstvertrauen und eine hohe Identifikation mit dem eigenen Tun.<\/p>\n<h2>An der Schnittstelle von Kunst und Unternehmen<\/h2>\n<p>So arbeiteten einige Kreative schon im vergangenen Jahrhundert sehr erfolgreich an der Schnittstelle von Kunst und Unternehmen. Die Wirtschaft hat von ihren Vermarktungsf\u00e4higkeiten insbesondere in der Musikindustrie, im Fernsehen, in der Werbung, den neuen Medien, dem Design und der Architektur profitiert. Der Begr\u00fcnder der Medientheorie, Marshall McLuhan, dachte bereits Mitte des letzten Jahrhunderts mit seinem Diktum<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eKunst ist alles, was durchkommt\u201d<\/em><\/p>\n<p>diese Erfolge voraus.<\/p>\n<p>In den 1960er-Jahren revolutionierten dann Joseph Beuys, Helmut Jahn und Andy Warhol den Kunstbegriff im Sinne Marshall McLuhans. Warhols Feststellung<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>\u201eIn der Wirtschaft gut und erfolgreich zu sein, ist das Faszinierendste an der Kunst\u201c<\/em><\/p>\n<p>war nicht blo\u00df daher gesagt. Warhol jobbte in der Werbe- und Medienbranche, managte die Musikgruppe The Velvet Underground und die S\u00e4ngerin Nico, produzierte Fernsehen, Zeitschriften und Filme und machte Campbell\u2018s Suppendosen zum Kultobjekt.<\/p>\n<p>In Museen finden sich vor allem seine Siebdrucke von Marilyn Monroe, Liz Taylor und Coca Cola. Warhol war ein Unternehmer ohne jegliche Ber\u00fchrungs\u00e4ngste.<\/p>\n<h2>Kunst erm\u00f6glicht neue Perspektiven<\/h2>\n<p>Die Folge: L\u00e4ngst arbeiten Kunst und Unternehmen zusammen \u2013 denn Kunst kann als <strong>Inspiration von Kreativit\u00e4t und Innovation<\/strong> im Unternehmen fungieren. Manager und F\u00fchrungskr\u00e4fte erlernen so den Perspektivenwechsel und den neuen Blick auf alte Strukturen. Dazu nun einige Beispiele:<\/p>\n<ul>\n<li>Der <strong>Kunstunternehmer<\/strong> Yadegar Agassi, der in Berlin riesige Rundbilder (Panoramen) f\u00fcr Millionen Besucher aufbaut, tritt immer als Investor auf.<\/li>\n<li>In <strong>F\u00fchrungskr\u00e4ftetrainings<\/strong> zur Verbesserung der Pr\u00e4sentationen von Managern werden sehr h\u00e4ufig Schauspieler eingesetzt, die mit den F\u00fchrungskr\u00e4ften an Stimme, Mimik und Wirkung arbeiten.<\/li>\n<li>Der DM-Chef G\u00f6tz Werner besuchte mit seinen Top-Managern die Uffizien in Florenz. Dort sollten die F\u00fchrungskr\u00e4fte ihre Sichtweisen beim Betrachten von Bildern sch\u00e4rfen. Die Manager mussten teilweise eine Stunde vor einem Bild stehen. Dadurch sahen sie von Minute zu Minute mehr in den Kunstwerken.<\/li>\n<li>In der W\u00fcrth AG werden regelm\u00e4\u00dfig <strong>Vernissagen<\/strong> durchgef\u00fchrt, die oftmals in der Belegschaft kontrovers diskutiert werden. Dar\u00fcber hinaus gr\u00fcndete die Familie W\u00fcrth mehrere <strong>Ausstellungsh\u00e4user<\/strong>, unter anderem in K\u00fcnzelsau und Schw\u00e4bisch Hall. Der Eintritt ist frei. Somit unterst\u00fctzt der Schraubenkonzern seine Mitarbeiter dabei, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, und wirkt dar\u00fcber hinaus in die Gesellschaft hinein.<\/li>\n<li>Der SAP-Gr\u00fcnder Hasso Plattner gr\u00fcndete mit 200 Millionen \u20ac das Hasso-Plattner-Institut (HPI) f\u00fcr Softwaresystemtechnik an der Potsdamer Universit\u00e4t. Dort etablierte er die School of Design Thinking, die Wissenschaft und Kunst mit den Interessen der Wirtschaft verbindet.\n<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Kunst als Inspirationsquelle<\/h2>\n<p>Die Firma FSB (Franz Schneider Brakel), die T\u00fcrklinken herstellt, geriet in den 1980er-Jahren in Schwierigkeiten. Die Bauwirtschaft befand sich damals in einer gro\u00dfen Krise. Es war an der Zeit, grunds\u00e4tzlich \u00fcber das Produkt nachzudenken. Daher besuchte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer J\u00fcrgen Braun den Grafikdesigner Otl Aicher.<\/p>\n<p>Dieser hatte schon anderen Unternehmen von der Braun AG bis zur Lufthansa zu einem \u00fcberzeugenden Marketingauftritt verholfen. Der entscheidende Impuls kam f\u00fcr ihn jedoch durch den Besuch eines Buchladens.<\/p>\n<p>Dort fand er ein Buch \u00fcber Handlesekunst, wodurch ihm bewusst wurde, dass sich ein T\u00fcrklinkenproduzent mit der physischen Seite des Greifens besch\u00e4ftigen musste. Die T\u00fcrklinke war demnach kein x-beliebiger Zubeh\u00f6rartikel einer T\u00fcr, sondern hatte eine <strong>kulturhistorische Bedeutung<\/strong>. Die Anthropometrie des Greifens konnte in vier Basiselemente zerlegt werden:<\/p>\n<ol>\n<li>die Gebote der Daumenbremse,<\/li>\n<li>der Zeigefingerkuhle,<\/li>\n<li>der Ballenst\u00fctze und<\/li>\n<li>des Greifvolumens.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese vier Gebote sind bis heute in der gesamten Branche akzeptiert.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Eines der ambitioniertesten Projekte eines K\u00fcnstlers zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist \u201eSouthern Extension\u201c oder \u201eHirstville\u201c, wie es Journalisten gerne nennen. Damien Hirst plant mit Architekten in England gleich eine neue Stadt. Mit seinen Kunstwerken hat er gesch\u00e4tzte 1 MRD US-$ verdient. Damit sind K\u00fcnstler als Investoren auf dem Markt und endg\u00fcltig im Big Business angekommen.<\/p>\n<h2>Kunst und Wirtschaft passen zusammen<\/h2>\n<p>Vor allem die authentischen Beispiele zeigen, dass Kunst und Wirtschaft durchaus kompatibel sind. Unternehmer sollten pr\u00fcfen, inwiefern sie Kunst als Inspirationsquelle nutzen und in ihr unternehmerisches Denken und Handeln integrieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber den Autor<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/roland-geschwill-094889152\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dr. Roland Geschwill<\/a> ist Mitgr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der <a href=\"https:\/\/www.denkwerkstatt-manager.de\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eDenkwerkstatt f\u00fcr Manager\u201c<\/a>, die \u00fcber Expertise sowohl in der angloamerikanischen als auch in der deutschen Managementkultur verf\u00fcgt. Bereits seit 1986 ber\u00e4t der Diplom-Psychologe F\u00fchrungskr\u00e4fte. Dar\u00fcber hinaus engagiert sich Roland Geschwill ehrenamtlich als Vorstandssprecher des F\u00f6rdervereins \u201eFriends\u201c beim renommierten Festival \u201eEnjoy Jazz\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Quelle:<a href=\"https:\/\/unternehmer.de\/management-people-skills\/178284-chaos-management-unternehmer-kunst?utm_source=unternehmer.de&amp;utm_campaign=200701&amp;utm_medium=nl&amp;utm_term=artikel\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"> unternehmer.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unternehmer und F\u00fchrungskr\u00e4fte von heute stehen vor der Herausforderung, kreativ, innovativ und anders zu sein als der Wettbewerb. 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