{"id":8450,"date":"2026-05-30T09:27:52","date_gmt":"2026-05-30T09:27:52","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/boss-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:52","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:52","slug":"boss-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/boss-en\/","title":{"rendered":"Boss, schalt mal dein Handy aus!"},"content":{"rendered":"<p><em>Permanente Erreichbarkeit ist f\u00fcr viele Firmen extrem wichtig. Hei\u00dft das aber auch, dass die Mitarbeiter kein Recht auf Abschalten haben? Smartphones abschalten k\u00f6nnen oder d\u00fcrfen sollte zur neuen Tugend werden. In Frankreich tut man daf\u00fcr so einiges.<\/em><\/p>\n<p>Mal ehrlich. War diese allerletzte Mail am Freitag um 21.17 Uhr wirklich noch n\u00f6tig? H\u00e4tten Sie sie nicht auch am Montagmorgen verschicken k\u00f6nnen? Und ihrem Team damit einen ruhigen Abend und ein verdienterma\u00dfen entspanntes Wochenende zu verschaffen? Geben Sie\u2019s zu \u2013 Sie geh\u00f6ren zu jenen Mailjunkies, denen es auch weit nach Feierabend in den Fingerchen juckt, die partout nicht vom Firmenphone lassen k\u00f6nnen und eine Message nach der anderen rausjagen. Mit der Folge, dass Sie Ihre Mitarbeiter damit immer wieder gewaltig unter Druck setzen. Sich selbst \u00fcbrigens auch. Dann seien Sie froh, dass Sie nicht in Frankreich leben und arbeiten. Denn dort gilt seit Anfang 2017 ein Gesetz, das der arbeitenden Bev\u00f6lkerung ein \u201eRecht auf Abschalten\u201c garantiert. Wie? Abschalten? Und, w\u00e4re das nicht auch etwas f\u00fcr Sie und Ihr Team?<\/p>\n<h2>Fluch und Segen<\/h2>\n<p>Wie man es dreht und wendet \u2013 die Digitalisierung mit dem mobilen Internet als unerm\u00fcdlichem Zugpferd hat ihre Schattenseiten. Die sich vor allem auf die Welt der Arbeit senken und augenscheinlich vor allem jungen Menschen Sorgen bereitet. Die Generation Z \u201ewill eine klare Trennung zwischen Privatleben und Beruf, strebt nicht mehr nach Karriere und Verantwortung, blockiert im Extremfall nach Dienstschluss den Kontakt des Chefs auf dem Smartphone und strebt vor allem nach Sicherheit\u201c, bringt es der Generationenforscher Professor Christian Scholz und Autor des vielbeachteten Buchs \u201eGeneration Z\u201c kurz und knackig auf den Punkt. \u201eDas, was die Arbeitswelt 4.0 fordert, macht krank\u201c, f\u00e4hrt er fort. Zu diesen Forderungen z\u00e4hlt Scholz die immer st\u00e4rker voranschreitende Verschmelzung von Arbeit und Beruf, die Erwartung einer maximalen Flexibilit\u00e4t seitens der Arbeitgeber und Chefs, aber auch l\u00e4rmende Gro\u00dfraumb\u00fcros und geteilte Schreibtische.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die jungen Generationen sind davon betroffen. F\u00fcr alle Arbeitnehmer \u2013 Teammitglieder wie F\u00fchrungskr\u00e4fte gilt: Die <a href=\"index.php\/de\/zoo-zoo\/blog-zoo\/item\/erfolgreich.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Erholungsphasen<\/a>, die jeder Mensch essenziell ben\u00f6tigt, werden bei st\u00e4ndiger Erreichbarkeit durch Arbeitsphasen unterbrochen und auch verk\u00fcrzt. Die Betroffenen k\u00f6nnen sich in ihrer Freizeit kaum noch vom Job distanzieren und wirklich abschalten.<\/p>\n<p>2 gute Gr\u00fcnde, warum Sie das Handy auch mal ausmachen sollten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<h2>1. Permanente Erreichbarkeit macht krank<\/h2>\n<p>Zahlreiche Studien und Expertisen belegen, dass \u201eman f\u00fcr die Mehrheit der deutschen Besch\u00e4ftigten von einer erweiterten arbeitsbezogenen Erreichbarkeit sprechen kann\u201c, wie es die Hans B\u00f6ckler-Stiftung noch recht vorsichtig formuliert. Die daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen f\u00fcr jeden Arbeitnehmer benennt sie allerdings deutlich, denn sie k\u00f6nnen gravierend sein: \u201eJe mehr Arbeitsangelegenheiten ins Privatleben Einzug halten, desto gr\u00f6\u00dfer sind arbeitsbedingte Befindensbeeintr\u00e4chtigungen (Burn-out, Stress, Nicht-Abschalten, Schuldgef\u00fchle).\u201c Anders formuliert: Die permanente Erreichbarkeit ist ein Krankmacher. Denn auf eine kurzfristige Produktivit\u00e4tserh\u00f6hung folgt der tiefe Absturz der Leistungsf\u00e4higkeit und die Krankmeldung. Die \u201eInitiative Gesundheit und Arbeit\u201c fand 2016 heraus, dass die erweiterte Erreichbarkeit selbst dann krankmacht, \u201ewenn sie von den Besch\u00e4ftigten freiwillig gew\u00e4hlt ist, positiv empfunden oder als notwendig angesehen wird\u201c. Die K\u00f6lner Diplom-Psychologin Dr. Bettina Fromm sieht die \u201epermanente mediale Erreichbarkeit und die ver\u00e4nderten Arbeitsprozesse und \u2013strukturen als eigentlich Ursache f\u00fcr Druck und Angst beim Arbeitnehmer, der dann zur \u201aselbstgew\u00e4hlten\u2019 \u00dcberlastung f\u00fchrt\u201c. So viel zu selbstgew\u00e4hltem Stress \u2026<\/p>\n<h2>2. Abschalten tut gut<\/h2>\n<p>Das Gesetz zum \u201eRecht auf Abschalten\u201c in Frankreich ist aus genau dieser Erkenntnis geboren, dass permanente Erreichbarkeit ein Krankmacher ist. \u201eSinn dieser Ma\u00dfnahmen ist es, sicherzustellen, dass Ruhezeiten sowie [\u2026] eine Balance zwischen Arbeit wie auch Familien- und Privatleben respektiert wird\u201c, erkl\u00e4rte das franz\u00f6sische Arbeitsministerium. Man sollte meinen, dass es daf\u00fcr nicht unbedingt ein Gesetz braucht\u2026 Sondern vielmehr Chefs und F\u00fchrungskr\u00e4fte, die \u00fcber eine gesunde Portion Menschenverstand verf\u00fcgen und erkennen, dass nur ausgeruhte und <a href=\"index.php\/de\/zoo-zoo\/blog-zoo\/item\/teamwork-belohnen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">erholte Mitarbeiter<\/a> auch gl\u00fcckliche Mitarbeiter sein k\u00f6nnen. Die langfristig gesehen deutlich produktiver sind.<\/p>\n<p>Und bei uns? In Deutschland gehen tats\u00e4chlich \u2013 ohne gesetzgeberischen Druck \u2013 einige Konzerne mit gutem Beispiel voran. Dort wurden Mechanismen eingef\u00fchrt, die die Mitarbeiter vor permanenter Erreichbarkeit sch\u00fctzen sollen. So werden bei Daimler und AXA die Mailzug\u00e4nge nach Dienstschluss einfach gesperrt oder Mails auch automatisch gel\u00f6scht.<\/p>\n<h2>Und Sie als F\u00fchrungskraft?<\/h2>\n<p>Ok, mit dem Mailjunkie haben wir vielleicht ein wenig \u00fcbertrieben. Sorry! Aber was k\u00f6nnen Sie als guter Chef daf\u00fcr tun, dass die rote Linie bei Ihren Mitarbeitern nicht dauerhaft \u00fcberschritten wird? Diplom-Psychologin <a href=\"https:\/\/www.xing.com\/profile\/Bettina_Fromm\/cv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Dr. Bettina Fromm<\/a> wei\u00df Rat: \u201ePrinzipiell muss sich das Denken \u00e4ndern. Aktuell wird ein \u201eBurnout\u201c eher mit Leidenschaft und Verausgabung assoziiert und cooler wahrgenommen als eine Depression. Wenn der Chef selbst keine Pausen macht, wird es den Mitarbeitern schwerer fallen, diese f\u00fcr sich durchzusetzen. F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten ihre Mitarbeiter etwa durch folgende Ma\u00dfnahmen unterst\u00fctzen:<\/p>\n<p>\u2013 <strong>mit gutem Beispiel vorangehen<\/strong>, d.h. Pausen einhalten, nicht krank zur Arbeit kommen<\/p>\n<p>\u2013 \u00dcberstunden auf <strong>alle Schultern<\/strong> verteilen<\/p>\n<p>\u2013 Pausen akzeptieren und auch zur Erholung nutzen<\/p>\n<p>\u2013 in der Pause sind sollten <strong>Arbeitsmaterialien und \u2013themen tabu<\/strong><\/p>\n<p>\u2013 <strong>Power-Nappings<\/strong> erm\u00f6glichen<\/p>\n<p>\u2013 <strong>realistische Ziele definieren<\/strong> und dadurch Produktivit\u00e4t und Motivation steigern<\/p>\n<p>\u2013 M\u00f6glichkeiten zur<strong> Partizipation an der Entwicklung des Unternehmens<\/strong> schaffen<\/p>\n<p>\u2013 <strong>transparente Kommunikation<\/strong> und regelm\u00e4\u00dfige Mitarbeitergespr\u00e4che auf Augenh\u00f6he entwickeln<\/p>\n<p>\u2013 <strong>betriebliches Gesundheitsmanagement f\u00f6rdern<\/strong>, z.B. Sportangebote und Gesundheitstage<\/p>\n<p>\u2013 <strong>Coachings zur Stressbew\u00e4ltigung<\/strong><\/p>\n<p>Um diese Tipps gewinnbringend f\u00fcr Unternehmen und Mitarbeiter umzusetzen, m\u00fcssen Sie jetzt auch nicht unbedingt nach Frankreich auswandern. Obwohl \u2026<\/p>\n<p><strong><em>\u00dcber den Autor<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.xing.com\/profile\/JoergPeter_Urbach\/cv\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">J\u00f6rg Peter Urbach<\/a> ist Autor, Redakteur und Blogger aus Sprachleidenschaft. Seit mehr als 25 Jahren schreibt er. F\u00fcr Print und Online. Konzepte. Geschichten. Fachartikel. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, Germanistik und Literaturwissenschaft arbeitete J\u00f6rg Peter als Editorial Manager im klassischen Musikbusiness. Als langj\u00e4hriger Chefredakteur des Portals wissen.de wei\u00df er, wie man Leser begeistert und Themen findet.<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn der geb\u00fcrtige Kieler nicht schreibt, durchwandert und fotografiert er die Alpen. Oder lauscht der Oper. Mit Achtsamkeit<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.experteer.de\/magazin\/das-recht-auf-abschalten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">experteer-Magazin<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Permanente Erreichbarkeit ist f\u00fcr viele Firmen extrem wichtig. Hei\u00dft das aber auch, dass die Mitarbeiter kein Recht auf Abschalten haben? 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