{"id":8439,"date":"2026-05-30T09:27:51","date_gmt":"2026-05-30T09:27:51","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/aufbruch-zu-neuen-arbeitswelten-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:51","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:51","slug":"aufbruch-zu-neuen-arbeitswelten-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/aufbruch-zu-neuen-arbeitswelten-en\/","title":{"rendered":"Aufbruch zu neuen Arbeitswelten"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Desk Sharing, Coworking und Mobile Office: Arbeitsweisen sind immer st\u00e4rker vom festen Einzelarbeitsplatz losgel\u00f6st. Um dieser Flexibilit\u00e4t gerecht werden zu k\u00f6nnen, kommt der konkreten B\u00fcrogestaltung eine zunehmende Bedeutung zu. Damit die neuen R\u00e4ume optimal auf die neuen Arbeitsformen abgestimmt sind, muss HR die Verantwortung \u00fcbernehmen und sich der neuen Arbeitswelt annehmen.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Unser Arbeitsalltag beginnt l\u00e4ngst nicht mehr mit dem Betreten des eigenen B\u00fcros oder mit dem Einstempeln. Schon auf der Bahnfahrt zur Arbeit verschaffen wir uns auf dem Smartphone einen \u00dcberblick \u00fcber anstehende Termine und beantworten erste Mails, beim Kaffee mit der Kollegin entwerfen wir eine neue Idee, auf dem Weg zum Schreibtisch informieren wir uns mit einem Blick aufs Board \u00fcber den Entwicklungsstand verschiedener Projekte. Somit haben wir schon einiges erledigt, bevor wir uns \u00fcberhaupt auf einen h\u00e4ufig frei gew\u00e4hlten B\u00fcrostuhl setzen.<\/p>\n<p>Die Art und Weise, wie ein Gro\u00dfteil der Mitarbeiter heute arbeitet, ist immer seltener an einen festen Arbeitsplatz gebunden. Verschiedene technische Entwicklungen und neue Kulturtechniken erm\u00f6glichen und erfordern immer mehr Mobilit\u00e4t \u2013 im kleinen Wechsel zwischen Kreativzonen, Besprechungsr\u00e4umen und Stillarbeitspl\u00e4tzen und im gro\u00dfen Wechsel zwischen Arbeiten zu Hause, auf der Bahnfahrt oder im Coworking Space. Weder isolierte Einzelb\u00fcros mit verschlossenen T\u00fcren noch legebatterieartige Gro\u00dfraumb\u00fcros k\u00f6nnen dieser zunehmend flexiblen Arbeitsweise gerecht werden. Neue B\u00fcros sind deshalb nicht nur sch\u00f6ner, sondern bringen diese ge\u00e4nderten Arbeitsbedingungen einerseits zum Ausdruck und unterst\u00fctzen sie andererseits, so gut es geht. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss HR eine zentrale Rolle in der Planung und Umsetzung von B\u00fcroeinrichtung einnehmen, denn HR gibt den Rahmen und die Richtung f\u00fcr die neuen Arbeitsweisen vor. HR muss deshalb daf\u00fcr Sorge tragen, dass die R\u00e4ume so gestaltet sind, dass die eigenen Strategien und Arbeitsweisen ihren Platz finden.<\/p>\n<p>Doch nochmal einen Schritt zur\u00fcck: Was sind diese neuen Arbeitsbedingungen und welche Rolle spielt HR dabei genau?<\/p>\n<h2>Nicht einmal die H\u00e4lfte der Arbeitszeit wird in Einzelarbeit geleistet<\/h2>\n<p>Im bundesweiten Durchschnitt werden nur 44 Prozent der Arbeitszeit in Einzelarbeit geleistet. \u00dcber die H\u00e4lfte der Arbeitszeit setzt sich somit aus pers\u00f6nlicher Zusammenarbeit (27 Prozent), virtueller Zusammenarbeit (17 Prozent), sozialer Kontaktpflege (sieben Prozent) und Lernen (sechs Prozent) zusammen. Das sind die Ergebnisse einer Studie des Gensler Research Institute zur deutschen B\u00fcroarbeitswelt im Jahr 2019. Aus der Studie geht auch hervor, dass eine gute Arbeitsumgebung und Innovationsf\u00e4higkeit zusammengeh\u00f6ren. 52 Prozent der Befragten glauben, dass eine offene Struktur mit verf\u00fcgbaren privaten Raumangeboten am besten f\u00fcr die Arbeit geeignet ist. Besch\u00e4ftigte in ausgewogenen Arbeitsumgebungen bewerten ihre M\u00f6glichkeit, mit neuen Arbeitsmethoden zu experimentieren, um 1,3-mal h\u00f6her als andere. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern flexible Arbeitsumgebungen bieten, sind der Studie zufolge nachweislich innovativer.<\/p>\n<p>Da die Arbeitsumgebungen gerade in deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich jedoch eher schlecht bewertet werden, attestieren die Autoren von Gensler einigen \u00c4nderungsbedarf: Die Arbeitsumgebungen in Deutschland m\u00fcssten sich weiter von Gruppen- und Gemeinschaftsb\u00fcros hin zu offenen, arbeitsgemeinschaftlichen Konzepten wandeln. Der Fokus m\u00fcsse st\u00e4rker auf das Wohlbefinden der Angestellten gelegt werden und auch aus Angestelltensicht seien offene Konzepte gefordert.<\/p>\n<h2>An Arbeitsweise und Methode orientiert<\/h2>\n<p>Unter den neuen Voraussetzungen sind mehr Kreativit\u00e4t und Teamarbeit gefordert, Routinet\u00e4tigkeiten verlieren an Bedeutung, Netzwerke werden wichtiger. Ver\u00e4nderte Organisationsstrukturen, neue Methoden und die Anwendung von neuen Tools m\u00fcssen angeeignet werden. Nicht nur Abl\u00e4ufe ver\u00e4ndern sich, sondern auch Rollenbilder, beispielsweise von F\u00fchrungsfunktionen oder von der Verantwortung des Einzelnen.<\/p>\n<p>Um durch r\u00e4umliche Neukonfiguration zu diesen neuen Formen der Zusammenarbeit einzuladen, gelte es auch, Trends, Medien und Methoden f\u00fcr die eigene Firma zu hinterfragen und attraktiv zu \u00fcbersetzen, meint Birgit Gebhardt. Die Zukunfsforscherin ist eine der Autoren der New-Work-Order-Studien. Die Studienreihe, die seit 2012 in Zusammenarbeit mit dem Industrieverbands B\u00fcro und Arbeitswelt (IBA) entstanden ist, untersucht die ver\u00e4nderten Arbeitsbedingungen und deren Einfluss auf die B\u00fcrogestaltung. \u201eAus diesem Grund w\u00fcnschen sich auch die f\u00fcr B\u00fcrogestaltung zust\u00e4ndigen Abteilungen eine engere Zusammenarbeit mit HR.\u201c Das Mitspracherecht von HR nehme ihrer Beobachtung nach in der digitalen Transformation zu.<\/p>\n<h2>Neuer Raum f\u00fcr neue Kommunikation<\/h2>\n<p>In der Art und Weise, wie Mitarbeiter kommunizieren, zeigen sich viele Aspekte der neuen Arbeitswelt: Neue Tools erm\u00f6glichen direkte Kommunikation \u00fcber zeitliche und r\u00e4umliche H\u00fcrden hinweg, sei es durch Aufgabenverwaltung, Videokonferenzen oder das gemeinsame Bearbeiten von Cloud-Dokumenten. Standardanfragen, sowohl von Mitarbeitern als auch von Au\u00dfenstehenden, k\u00f6nnen immer besser von Chatbots bearbeitet werden. Absprachen und Informationsaustausch werden in Dailys effizienter, daf\u00fcr aber h\u00e4ufiger getroffen als in w\u00f6chentlichen Sitzungen. F\u00fcr manche dieser Aspekte m\u00fcssen auch bestimmte Techniken der Kommunikation gelernt werden, beispielsweise, wie der eigene Arbeitsfortschritt auf einem Kanban-Board visualisiert wird oder wie in einem Gruppenchat am besten eine Einigung erzielt werden kann.<\/p>\n<p>Laut aktuellen Zahlen des IBA ist die funktionierende Kommunikation im Unternehmen f\u00fcr 63 Prozent der B\u00fcroangestellten in Deutschland sehr wichtig und f\u00fcr weitere 36 Prozent wichtig. Mit den vorhandenen Kommunikationszonen zeigen sich 62 Prozent zufrieden.<\/p>\n<p>Doch daf\u00fcr m\u00fcssen die B\u00fcros eingerichtet sein: Der Wechsel der Arbeitspl\u00e4tze je nach T\u00e4tigkeit kann nur gelingen, wenn die notwendige Infrastruktur zur Nutzung der digitalen Tools \u00fcberall vorhanden ist, also beispielsweise gen\u00fcgend Bildschirme in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen zur Verf\u00fcgung stehen und auch an abseitigen Orten, beispielsweise den umliegenden Gr\u00fcnfl\u00e4chen, Wlan vorhanden ist. Unter diesen Grundvoraussetzungen k\u00f6nnen Kommunikationszonen zum Austausch einladen und so Kollaboration f\u00f6rdern. Au\u00dferdem treten Mitarbeiter durch die Einladung zum Wechsel der Arbeitspl\u00e4tze je nach T\u00e4tigkeit und Vorliebe mit anderen Personen in Kontakt, statt sich an ihrem Einzelarbeitsplatz zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ergeben sich durch intelligente Systeme Automatisierungspotenziale, die bestimmte Aufgaben abnehmen k\u00f6nnen und so ebenfalls wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsplatzgestaltung haben. Eine klare Aufgabe der Personalf\u00fchrung und -entwicklung, findet Gebhardt: \u201eAufgabe von HR w\u00e4re es, festzustellen, welche T\u00e4tigkeiten im B\u00fcro k\u00fcnftig noch von Menschen und welche von intelligenten Systemen \u00fcbernommen werden.\u201c Fundierte Aussagen dazu, wie Mitarbeiter kommunizieren und interagieren werden, w\u00fcrden IT- und Real Estate-Partnern helfen, nachhaltige Investitionen zu t\u00e4tigen. Gewonnen w\u00fcrden damit nicht nur neue R\u00e4ume, sondern auch Vorstellungen zur Mitarbeiterqualifizierung und IT-Implementierungen. \u201eInteressanterweise erreichen mich solche grundlegenden Fragen eher von Real Estate als vom HR-Management,\u201c kritisiert die Zukunftsforscherin.<\/p>\n<h2>Die Organisationsstrukturen wandeln sich<\/h2>\n<p>\u201eWenn in einer vernetzten Zukunft nicht mehr Prozesse, sondern Menschen organisiert werden m\u00fcssen, gilt es, R\u00e4ume f\u00fcr die Kommunikation, Begegnung, Konzentration und das Lernen von Menschen zu gestalten,\u201c erkl\u00e4rt Gebhardt weiter und weist darauf hin, dass mit dem Wandel der Zusammenarbeit und der Kommunikation auch neue Organisationsstrukturen entst\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Unternehmenskultur, die sich immer noch vielerorts an einem Top-down orientiert, m\u00fcsse sich st\u00e4rker der Emanzipation, Eigenmotivation und Teamdynamik widmen und so Entwicklungspotenziale schaffen. Bisher spiegele sich die neue Dynamik noch nicht ausreichend in Management und Verwaltung wider. Auch entspreche die h\u00e4ufig linear konzipierte Wertsch\u00f6pfungskette nicht den Anforderungen eines volatilen Marktes. Flexible Partnerschaften und schnelle Anpassungen seien hingegen notwendig. Diese neuen Anforderungen an die Organisation zeigten sich auch in neuen Modellen, mit denen neue F\u00fchrungsrollen einhergehen. Organisationsmodelle wie das Spotify-Modell oder Soziokratie unterscheiden sich in Arbeitsweise und Verteilung der Verantwortung wesentlich von einem hierarchischen Organisationsaufbau. Diese Strukturen sind st\u00e4rker auf sich \u00e4ndernde Rahmenbedingungen und bereichs\u00fcbergreifende Zusammenarbeit abgestimmt, die F\u00fchrungsverantwortung h\u00e4ngt nicht mehr an einem Vorgesetzten, sondern wird auf verschiedene Rollen verteilt. Bewegung kommt in diesen Modellen eine zunehmende Bedeutung zu, sowohl im \u00fcbertragenen als auch im w\u00f6rtlichen Sinn: verschiedene Kommunikations- und Konzentrationsr\u00e4ume k\u00f6nnen diesen vielf\u00e4ltigen \u00c4nderungen besser gerecht werden als das Pendeln zwischen Zellenb\u00fcro, Kantine und Konferenzr\u00e4umen, meinen die Autoren der New-Work-Order-Studie.<\/p>\n<h2>HR muss sich f\u00fcr B\u00fcrogestaltung einsetzen<\/h2>\n<p>Die notwendigen Kompetenzen f\u00fcr die optimale Nutzung von neuen Tools sicherstellen, entsprechende Arbeitsweisen, Kommunikationsformen, Methoden und den daf\u00fcr notwendigen kulturellen Wandel anf\u00fchren und begleiten, sich f\u00fcr eine angemessene Organisationsstruktur einsetzen, in der Mitarbeiter optimal produktiv werden k\u00f6nnen \u2013 f\u00fcr HR-Verantwortliche ist es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, sich bei diesen Aspekten nicht aus der Verantwortung zu ziehen. Doch die konkrete und r\u00e4umliche Arbeitsplatzgestaltung liegt in der Regel nicht in der Hand von HR.<\/p>\n<p>Aus der aktuellen Entwicklung heraus ist es schwer nachvollziehbar, dass HR nicht st\u00e4rker bei der konkreten B\u00fcrogestaltung mitspricht. Gebhard weist HR dabei die Rolle eines moderierenden Strategen zu und nennt ein Beispiel aus ihrer Beratungst\u00e4tigkeit: F\u00fcr die Arbeitsplatzgestaltung wurde bei einem Kunden eine Projektgruppe mit K\u00f6pfen aus HR, IT und der internen Planungsabteilung zusammengesetzt. \u201eIch halte das aus operativen wie auch inhaltlichen Gr\u00fcnden f\u00fcr sinnvoll. Zum einen, um zwischen den Abteilungen den Wissensstand bez\u00fcglich Ma\u00dfnahmen und Erfahrungen mit der digitalen Transformation breiter aufzustellen. Zum anderen, um die jeweils fachlichen Sachargumente f\u00fcr die Umsetzung besser ber\u00fccksichtigen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>HR muss mehr sein als der Begleiter, der den Mitarbeitern am Ende erkl\u00e4rt, wie die neuen R\u00e4ume gedacht sind. HR muss sich direkt in den Planungsprozess einbringen, als strategischer Partner oder gleich in der F\u00fchrungsrolle. Nur so k\u00f6nnen die neuen Arbeitswelten tats\u00e4chlich den neuen Arbeitsbedingungen gerecht werden.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.haufe.de\/personal\/hr-management\/hr-muss-sich-fuer-die-buerogestaltung-einsetzen_80_497354.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">haufe.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Desk Sharing, Coworking und Mobile Office: Arbeitsweisen sind immer st\u00e4rker vom festen Einzelarbeitsplatz losgel\u00f6st. 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