{"id":8421,"date":"2026-05-30T09:27:50","date_gmt":"2026-05-30T09:27:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/7-gedanken-zu-virtueller-empathie-en\/"},"modified":"2026-05-30T09:27:50","modified_gmt":"2026-05-30T09:27:50","slug":"7-gedanken-zu-virtueller-empathie-en","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/7-gedanken-zu-virtueller-empathie-en\/","title":{"rendered":"7 Gedanken zu virtueller Empathie"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Kann man auch \u00fcber digitale Kan\u00e4le die Emotion des Gegen\u00fcbers erraten? Das sagt der Sozialpsychologe Prof. Dr. Hans-Peter Erb \u00fcber virtuelle Empathie.<\/p>\n<p><\/strong><\/em><\/p>\n<h2>1. Andere verstehen<\/h2>\n<p>Alle Menschen besitzen die F\u00e4higkeit, andere zu verstehen. Die gro\u00dfen Leistungen der Menschheit beruhen genau auf dieser Gabe. Der Flug zum Mond oder andere Errungenschaften sind nur Beispiele daf\u00fcr, die ein isoliertes Individuum niemals h\u00e4tte zustande bringen k\u00f6nnen. Wir schaffen solche Leistungen, weil wir uns auf vielf\u00e4ltige Weise in andere hineinversetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2>2. Gef\u00fchlsregungen \u00adinterpretieren<\/h2>\n<p>Etwa ab dem zweiten Lebensjahr sind Menschen in der Lage nachzuempfinden, wie sich das Gegen\u00fcber f\u00fchlt. Im Alter von vier bis f\u00fcnf Jahren lernen wir, dass andere Personen nicht immer \u00fcber das gleiche Wissen verf\u00fcgen wie wir selbst. Beobachtete Gef\u00fchlsregungen l\u00f6sen \u00fcber emotionale Ansteckung gleichsinnige Emotionen und Stimmungen aus. Tats\u00e4chlich sind wir nicht nur in der Lage, das Denken, F\u00fchlen und Handeln unserer Mitmenschen zu verstehen. Sondern wir gehen umgekehrt auch davon aus, dass sie uns selbst richtig interpretieren.<\/p>\n<h2>3. Fehleinsch\u00e4tzungen \u00adber\u00fccksichtigen<\/h2>\n<p>Das Problem: Das Verstehen der anderen ist nicht immer ganz einfach. Menschen sch\u00f6pfen regelm\u00e4\u00dfig ihre Potenziale zu Empathie und Perspektiven\u00fcbernahme nicht aus. Zum einen unterscheiden sich Menschen in diesen F\u00e4higkeiten. Das belegen Befunde zur emotionalen Intelligenz. Zum anderen unterliegen wir systematischen Fehleinsch\u00e4tzungen, wenn wir zum Beispiel anderen unsere eigenen Absichten unterstellen. Schlie\u00dflich wirken auch situative Bedingungen. Dazu geh\u00f6ren Hindernisse, wie sie sich bei virtueller Kommunikation ergeben.<\/p>\n<h2>4. Wahrnehmung sch\u00e4rfen<\/h2>\n<p>Virtuelle Empathie stellt besonders hohe Anforderungen an alle Beteiligten. \u00dcber digitale Wege lassen sich Mimik und Gestik nur rudiment\u00e4r \u00fcbermitteln. Die Stimme ist verzerrt. Das erlaubt nur eingeschr\u00e4nkt, \u00fcber Intonation und Klang emotionale Anteile zu transportieren. Bei Ironie und Witz kommt es leicht zu Missverst\u00e4ndnissen. Und wer nur virtuell im selben Raum sitzt, befindet sich in der Realit\u00e4t mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit in einer anderen Umgebung. Gute F\u00fchrungskr\u00e4fte verstehen dies ebenso wie ihre Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<h2>5. \u00c4hnlichkeit verbindet<\/h2>\n<p>Virtuelle Empathie gelingt am besten, wenn die Beteiligten schon real eine Beziehung zueinander aufgebaut haben. \u00c4hnlichkeit und Enge der Beziehungen spielen eine besondere Rolle. \u00c4hnlichkeit ergibt sich h\u00e4ufig aus geteilten Zielen und gemeinsamer Arbeit. Sich \u00e4hnliche Menschen finden sich h\u00e4ufig in derselben Branche und verwandten Berufen. Enge Beziehungen entstehen \u00fcber die Zeit durch gemeinsame Arbeit, geteilte Erfolge und gemeinschaftlich \u00fcberstandene R\u00fcckschl\u00e4ge. Ein homogenes Team meistert die Umstellung von realer zu virtueller Kommunikation folglich leichter als ein heterogenes. Gleiches gilt f\u00fcr zwei Menschen, die sich einander gut kennen.<\/p>\n<h2>6. Fallstricke kennen<\/h2>\n<p>Wer digital erfolgreich kommunizieren will, wei\u00df um die Fallstricke der virtuellen Realit\u00e4t. Ein Team mit hoher gegenseitiger Empathie arbeitet reibungslos und zeigt bessere Leistungen. Auch virtuell erlebte Empathie f\u00fchrt zu mehr Hilfeverhalten und Verzeihen von Fehlern, die anderen unterlaufen sind. Schlie\u00dflich werden empathische Menschen auch als sympathisch wahrgenommen. Die dunkle Seite der Empathie zeigt sich hingegen nur dann, wenn andere sie zu manipulativen Zwecken nutzen.<\/p>\n<h2>7. Situationen nachempfinden<\/h2>\n<p>Um virtuell empathisch zu sein, m\u00fcssen wir uns bewusst werden, dass die eigene Realit\u00e4t nicht unbedingt auch dieselbe der Mitmenschen ist. Dazu kann man sich selbst bewusst die Aufgabe stellen, sich in die anderen hineinzuversetzen: Was sind deren W\u00fcnsche, Ziele und Gef\u00fchle? Was wissen sie bereits und welche Information ben\u00f6tigen sie noch? Nicht jede der spontanen Reaktionen darauf ist gut begr\u00fcndet. \u00dcbermittelt das technische Hilfsmittel vielleicht die falschen Signale? Ist das Verhalten meines Gegen\u00fcbers einer Situation geschuldet, die sich von meiner eigenen unterscheidet? All das verlangt Aufmerksamkeit und Innehalten zur Neubewertung.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><em><strong>Zur Person<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Der Sozialpsychologe <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/prof-dr-hans-peter-erb-4646aa149\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prof. Dr. Hans-Peter Erb<\/a>, geboren 1958, ist Professor an der <a href=\"https:\/\/www.hsu-hh.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Helmut-Schmidt-Universit\u00e4t Hamburg<\/a>. Auf seinem Youtube-Kanal <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/channel\/UCtMK4ggK9_e_CkbJtrOI_ww\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Sozialpsychologie mit Prof. Erb<\/a>\u00a0befasst er sich seit November 2017 mit Fachbegriffen seines Forschungsgebiets.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.humanresourcesmanager.de\/news\/7-gedanken-zu-virtueller-empathie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Human Ressources Manager<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kann man auch \u00fcber digitale Kan\u00e4le die Emotion des Gegen\u00fcbers erraten? 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