{"id":8202,"date":"2025-10-31T01:03:11","date_gmt":"2025-10-31T01:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.empiricus.eu\/selbstwirksamkeit-als-schluesselkompetenz-so-foerdern-sie-die-initiative-und-lernbereitschaft\/"},"modified":"2025-10-31T01:03:11","modified_gmt":"2025-10-31T01:03:11","slug":"selbstwirksamkeit-als-schluesselkompetenz-so-foerdern-sie-die-initiative-und-lernbereitschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/empiricus.eu\/en\/selbstwirksamkeit-als-schluesselkompetenz-so-foerdern-sie-die-initiative-und-lernbereitschaft\/","title":{"rendered":"Selbstwirksamkeit als Schl\u00fcsselkompetenz: So f\u00f6rdern sie die Initiative und Lernbereitschaft"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>In unserer schnelllebigen, digitalen Welt begegnen wir st\u00e4ndig Ver\u00e4nderungen \u2013 doch ob wir ihnen mit Zuversicht oder Unsicherheit entgegentreten, hat oft weniger mit unseren tats\u00e4chlichen F\u00e4higkeiten zu tun, als wir denken.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Immer wieder registriert man, dass Personen, die eigentlich f\u00fcr das L\u00f6sen bestimmter Aufgaben pr\u00e4destiniert w\u00e4ren, bei deren Anblick der Mut verl\u00e4sst. Andere hingegen, von denen man denkt \u201eDer (oder die) muss noch viel lernen\u201c, gehen beherzt ans Werk. <\/p>\n<p>Das zeigt: Wie wir auf neue Herausforderungen reagieren, h\u00e4ngt weitgehend von unserer subjektiven Gewissheit ab \u201eIrgendwie kann ich die Aufgabe schon l\u00f6sen. Auch wenn ich noch nicht wei\u00df wie.\u201c<\/p>\n<h2>Fehlende Zuversicht \u201eIch schaffe das schon\u201c<\/h2>\n<p>Diese positive Grund\u00fcberzeugung \u201eIrgendwie schaffe ich es schon\u201c ist bei Menschen verschieden stark ausgepr\u00e4gt. Genauso unterschiedlich verarbeiten sie auch R\u00fcckschl\u00e4ge. Eine selbstwirksame Person \u2013 die in ihre Kompetenz, auch neue Aufgaben zu l\u00f6sen, vertraut \u2013 denkt nach einem Fehlversuch zum Beispiel: \u201eDass es nicht klappte, liegt daran, dass ich damit noch wenig Erfahrung habe. Also wage ich einen zweiten Versuch und wende dabei das durch den Misserfolg erworbene Wissen an.\u201c Sie reflektiert ihr Tun. Der Fehlversuch ist f\u00fcr sie kein Anlass, grunds\u00e4tzlich an sich und ihrer Kompetenz zu zweifeln.    <\/p>\n<p>Anders reagiert eine wenig selbstwirksame Person. Sie denkt nach einem Fehlversuch zum Beispiel: \u201eIch habe doch gleich gewusst, dass ich das nicht kann, und daran wird sich nichts \u00e4ndern.\u201c Sie startet keinen weiteren Versuch. Oder sie startet ihn widerwillig \u2013 zum Beispiel, weil ihre F\u00fchrungskraft sie dazu \u201everdonnert\u201c hat. Dementsprechend gro\u00df ist die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Scheiterns. Und dieses Scheitern wirkt sich wiederum negativ auf die Erwartung aus, mit der die Person k\u00fcnftig \u00e4hnliche Herausforderungen angeht.     <\/p>\n<h2>Eine Erfolgsvoraussetzung: beruflich und privat<\/h2>\n<p>Durch gesellschaftliche Umbr\u00fcche oder technologische Fortschritte bzw. Ver\u00e4nderungen wie dem aktuellen Siegeszug der KI werden wir immer h\u00e4ufiger mit neuen Herausforderungen konfrontiert \u2013 beruflich und privat. Es wird zu einer Schl\u00fcsselkompetenz, mit ihnen ad\u00e4quat umzugehen. <\/p>\n<p>Das haben Personalverantwortliche erkannt und debattierten in den vergangenen Jahren unter der \u00dcberschrift \u201eEmployability\u201c intensiv \u00fcber dieses Thema und kamen zur Erkenntnis: K\u00fcnftig m\u00fcssen Mitarbeitende verst\u00e4rkt \u00fcber folgende Eigenschaften verf\u00fcgen:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00e4higkeit zur Selbstreflexion,<\/li>\n<li>Offenheit f\u00fcr neue Ideen und Probleml\u00f6sungen,<\/li>\n<li>F\u00e4higkeit zum Umgang mit ungewohnten Situationen und Konstellationen,<\/li>\n<li>Lernf\u00e4higkeit und -bereitschaft sowie<\/li>\n<li>F\u00e4higkeit zum Erkennen und Bereitschaft zum Nutzen von Chancen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unternehmen w\u00fcnschen sich, dass ihre Mitarbeitenden und Teams mit Selbstvertrauen neue Herausforderungen angehen und erfolgreich bew\u00e4ltigen. Zudem sollen sie aus eigener Initiative die notwendigen F\u00e4higkeiten erwerben, um ihre aktuelle oder zuk\u00fcnftige Rolle in der Organisation optimal auszuf\u00fcllen. Kurz gesagt: Mitarbeitende und Teams sollen ihre Selbstwirksamkeit st\u00e4rken.  <\/p>\n<h2>Woraus sich unsere Selbstwirksamkeit speist<\/h2>\n<p>Wie kann eine Person ihre Selbstwirksamkeit erh\u00f6hen? Sie speist sich, den Untersuchungen des kanadischen Lerntheoretikers Albert Bandura zufolge, vor allem aus folgenden Quellen: <\/p>\n<h3>Eigene Erfahrungen im Meistern von schwierigen Situationen<\/h3>\n<p>Sie sind f\u00fcr den Ausbau der Selbstwirksamkeit sehr wichtig. Denn wer schon wiederholt die Erfahrung gesammelt hat, schwierige Aufgaben l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, traut sich das auch k\u00fcnftig zu. Von besonderer Bedeutung sind dabei sogenannte \u201emastery experiences\u201c. Sie entstehen, wenn eine Person eine Situation oder Aufgabe meistert, von der sie zun\u00e4chst nicht wusste: Wie soll und kann ich sie l\u00f6sen?   <\/p>\n<h3>Lernen an Modellen und von Vorbildern<\/h3>\n<p>Beobachtet eine Person eine andere beim L\u00f6sen einer schwierigen Aufgabe, dann kann das ebenfalls ihr Selbstvertrauen st\u00e4rken \u2013 getreu der Maxime: \u201eWenn der oder die das kann, dann kann ich das auch!\u201c Eine Voraussetzung daf\u00fcr ist: Zwischen den beiden Personen besteht eine gewisse \u00c4hnlichkeit. Sie m\u00fcssen zum Beispiel eine \u00e4hnliche Biografie oder Pers\u00f6nlichkeitsstruktur haben.  <\/p>\n<h3>Soziale und emotionale Unterst\u00fctzung<\/h3>\n<p>Auch durch ermutigenden Zuspruch gewinnen Menschen Vertrauen in ihre F\u00e4higkeiten \u2013 jedoch nur, wenn sie der Person, die sie anspornt, die erforderliche Kompetenz zum Beurteilen ihres K\u00f6nnens zuschreiben. Ebenfalls positiv auf die Selbstwirksamkeit wirkt sich das Wissen aus: \u201eWenn es eng wird, kann ich auf Unterst\u00fctzende zur\u00fcckgreifen\u201c \u2013 fachliche oder emotionale. <\/p>\n<h3>Physiologische sowie emotionale Zust\u00e4nde und Reaktionen<\/h3>\n<p>Menschen schlie\u00dfen aus ihren Emotionen und k\u00f6rperlichen Reaktionen auf ihre F\u00e4higkeiten. Versp\u00fcren sie zum Beispiel Herzrasen, wenn sie vor einer Aufgabe stehen, denken sie meist unmittelbar \u201eIch kann das nicht\u201c \u2013 h\u00e4ufig noch bevor sie die Machbarkeit gepr\u00fcft haben. Deshalb ist es wichtig, die Ursachen der eigenen Emotionen und physiologischen Reaktionen analysieren zu k\u00f6nnen. Ist die Reaktion der Aufgabe angemessen oder handelt es sich nur um eine erste \u201eSchreckreaktion\u201c?   <\/p>\n<h2>Die Selbstwirksamkeit mit System erh\u00f6hen<\/h2>\n<p>Die Kenntnis dieser Quellen erm\u00f6glicht es uns, f\u00fcr uns Lernumgebungen zu kreieren, die unsere Selbstwirksamkeit f\u00f6rdern. Wichtig dabei ist, sich regelm\u00e4\u00dfig Herausforderungen zu stellen, bei denen man zun\u00e4chst vermutet \u201eDiese Aufgabe k\u00f6nnte mich (bzw. uns) \u00fcberfordern\u201c. Denn an solchen Aufgaben wachsen wir.  <\/p>\n<p>Beim Versuch schwierige Aufgaben zu l\u00f6sen, ist es sinnvoll, diese als Projekt zu sehen und zun\u00e4chst zu analysieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Welche Teilaufgaben sind damit verbunden?<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einem zweiten Schritt k\u00f6nnen wir dann ermitteln, ob uns die Gesamtaufgabe oder nur gewisse Teilaufgaben erschauern lassen. Ist das klar, k\u00f6nnen wir untersuchen, warum wir zur\u00fcckschrecken. Zum Beispiel:  <\/p>\n<ul>\n<li>weil uns Ressourcen und Kenntnisse fehlen? Oder <\/li>\n<li>weil wir damit noch keine Erfahrung haben? Oder <\/li>\n<li>weil beim L\u00f6sen der Aufgabe Konflikte mit Team-Mitgliedern absehbar sind?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Haben wir das ermittelt, k\u00f6nnen wir einen vorl\u00e4ufigen Aktionsplan erstellen und aus den Teilaufgaben Teilziele ableiten, die es auf dem Weg zum gro\u00dfen Ziel zu erreichen gilt. Und wir k\u00f6nnen die n\u00f6tige Unterst\u00fctzung organisieren. <\/p>\n<p>Wichtig ist ein weiterer Punkt, der oft vergessen wird: Da das Bew\u00e4ltigen der Herausforderung auch dem Steigern unserer Selbstwirksamkeit dient, sollten wir als Einzelperson oder Team Lernfelder definieren, in denen wir unsere Kompetenz erweitern m\u00f6chten. Au\u00dferdem sollten wir Kriterien definieren, wie wir das Erreichen der Lernziele messen. <\/p>\n<h2>Sich in eine Lernspirale begeben<\/h2>\n<p>Die in dem Projekt definierten Teil- und Lernziele haben eine unterschiedliche Funktion. Das Definieren von Teilaufgaben und -zielen soll uns prim\u00e4r helfen, einen realistischen Aktionsplan zu erstellen, so dass wir nach dem Projekt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit sagen k\u00f6nnen: \u201eWow, das war zwar anstrengend. Doch ich habe (bzw. wir haben) es geschafft.\u201c <\/p>\n<p>Und wenn wir das Projektziel wider alle Erwartungen doch nicht oder nur teilweise erreichen? Dann erm\u00f6glicht uns das Definieren von Teilaufgaben im R\u00fcckblick zu analysieren: Welche Teilaufgaben habe ich (bzw. haben wir) mit Bravour gel\u00f6st und wo traten Schwierigkeiten auf? <\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen also unser \u201eScheitern\u201c relativieren und rationalisieren, was wichtig f\u00fcr unser Selbstvertrauen ist. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir dann neue Lernfelder und -ziele f\u00fcr uns definieren. <\/p>\n<p>Das Definieren von Lernzielen hat die Funktion, dass wir bei Projektende ermitteln k\u00f6nnen, welche neuen Kompetenzen wir \u2013 als Individuum oder Team \u2013 hinzu gewonnen haben und welche vergleichbaren Aufgaben wir deshalb k\u00fcnftig problemlos meistern k\u00f6nnen. So k\u00f6nnen wir unseren noch bestehenden Entwicklungsbedarf ermitteln. <\/p>\n<p>Wenn wir beim Bew\u00e4ltigen von herausfordernden Aufgaben so vorgehen, begeben wir uns in eine Lernspirale, die einen systematischen Ausbau unserer Kompetenz als Person oder Team bewirkt. Wir steigern unser Vertrauen in unsere F\u00e4higkeit, neue Herausforderungen zu meistern und entwickeln so unsere Selbstwirksamkeit. <\/p>\n<h2><strong><em>\u00dcber den Autor<\/em><\/strong><\/h2>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/hans-peter-machw\u00fcrth-26051613\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hans-Peter Machw\u00fcrth<\/a> ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des international agierenden Trainings- und Beratungsunternehmens Machw\u00fcrth Team International <a href=\"https:\/\/www.mticonsultancy.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">(MTI Consultancy)<\/a><\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.hrweb.at\/2025\/07\/selbstwirksamkeit\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hrweb.at<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In unserer schnelllebigen, digitalen Welt begegnen wir st\u00e4ndig Ver\u00e4nderungen \u2013 doch ob wir ihnen mit Zuversicht oder Unsicherheit entgegentreten, hat 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